Testbericht zu BRESSER Messier MC-127/1900

von Michael M.

Den Bresser Messier Maksutov-Cassegrain mit 127 mm Öffnung wollte ich als Mondbeobachter schon lange einmal kennenlernen. Durch eine Korrespondenz in anderer Sache mit Wolfgang Quere ergab sich das Angebot von Bresser, das Gerät einmal leihweise für einen Test-Bericht zu bekommen. Dieses Angebot nahm ich gerne an und möchte im nachfolgenden meine Eindrücke beschreiben.

Das Gerät kam sehr gut verpackt und wohlbehalten bei mir an. Das obige Bild zeigt das Gerät im fertig montierten Zustand mit dem beiliegenden Lieferumfang.

Zum Gerät selber kann ich sagen, dass es sauber verarbeitet ist und sowohl mechanisch wie auch vom Finish einen guten Eindruck macht. Am Gerät ist eine typische GP-Level Prismenschiene verbaut, die auf der Klemmseite mit einer Edelstahlschiene vor Klemmspuren geschützt wird. Ferner hat der MC vorn eine schöne Kunststoffabdeckung um die Meniskuslinse zu schützen. Diese hat, so wie man es auch von Foto-Objektivdeckeln kennt 2 Rastnasen – recht praktisch.

Der Tubus ist ein solider Alu-Tubus und macht einen stabilen Eindruck. Die Lackierung an meinem Gerät ist sehr sauber und gut ausgeführt. Den rückwärtigen Abschluss des Gerätes bildet eine Fassung aus stabilem Kunststoff. Dies mag vielleicht zunächst etwas ernüchternd wirken, dennoch muss ich sagen, dass während des Gebrauchs keine Einschränkungen zu bemerken waren. Diese Abdeckung ist sehr stabil ausgeführt.

Der Fokussiermechanismus erinnert sehr stark an das altehrwürdige Meade ETX 125. So wie auch die technischen Daten dieses Maksutov Cassegrain fast wie eine Re-Inkarnation des ETX 125 anmuten.

Der Fokussierknopf wirkt bei erster Betrachtung etwas zierlich, hat sich aber im Beobachtungsbetrieb bewährt. Die Fokuslage lässt sich sehr feinfühlig und butterweich verstellen. Erfreulich bei diesem Exemplar auch : das sogenannte Shifting fällt sehr gering aus ! Da habe ich schon ganz andere Erfahrungen machen müssen !

Wenn es etwas zu kritisieren gibt, dann sind es für mich die schwer zugänglichen Justierschrauben zur Kollimation des Hauptspiegels. Sie sind sind auf der hinteren Gehäuseabdeckung hinter drei Gummiabdeckungen versteckt. Leider ist die Öffnung dahinter recht schmal und klein, zudem liegen die Justierschrauben relativ tief und haben auch noch 2 unterschiedliche Inbusgrößen. So wird die Justierarbeit schnell zur mühseligen Fummelei. Vielleicht könnte man bei einer nächsten Gerätegeneration die Zugänglichkeit hier etwas verbessern

Ansonsten gibt es bezüglich der mechanischen Ausführung des Gerätes eigentlich nichts zu mäkeln.Die Optik kam absolut sauber und fusselfrei an; die Tubus-Innenschwärzung  könnte evtl. noch etwas besser sein, erfüllt aber auch so ihren Zweck, wie sich bei den Beobachtungen zeigte. Ach ja : was das Zubehör angeht – den mitgelieferten Leuchtpunktsucher sollte man am besten gleich durch einen vernünftigen Sucher ersetzen. Aus meiner Sicht ist das Ding nahezu nutzlos.

Einen Punkt wollte ich noch überprüfen : im Internet gab es zuweilen Gerüchte, das die bekannten 5“ Maks eines Mitbewerbers in Wirklichkeit nur mit c. 119-120 mm Öffnung arbeiten. So überprüfte ich den MC-127 auf seine „wahre“ Öffnung. Auch hier gibt es bei Bresser keine Mogelpackung – das Gerät arbeitet mit den vollen angegebenen 127 mm Öffnung.

Leider ergaben sich im Leihzeitraum für mich nicht sehr viele Beobachtungsmöglichkeiten, dennoch konnte ich mir einen recht guten Eindruck hauptsächlich bei der Mondbeobachtung, an Doppelsternen und zum Schluss auch noch kurz an Mars machen.

Aufgebaut ist das Gerät hier auf meiner Terrasse, auf einer relativ hohen Säule, die ich eigentlich für meine Refraktoren nutze. Als Montierung dient meine altehrwürdige Meade LXD 650. Das ist natürlich schon over-kill für den kleinen Mak. Eine einfache EQ-3 oder auch ältere Vixen New Polaris Montierung würden für den Bresser MC 127 vollkommen ausreichen.

Mond:

An mehreren Abenden bzw. ganz frühen Morgenstunden ergaben sich Möglichkeiten zur Mondbeobachtung. Da ich sonst vorwiegend mit achromatischen Refraktoren beobachte, war zunächst einmal die völlige Farbreinheit des Maksutov für mich ein schöner Effekt. Genutzt habe ich vorwiegend meine Baader Classic Orthos, sowie ein Baader 32 mm Super Plössl. Am Mond waren Vergrößerungen bis ca. 240x mit einem 7mm SPL ohne Schwierigkeiten machbar, ohne dass das Bild „matschig“ wurde - ein sehr schönes Ergebnis ! An eine Grenze stieß ich dann erst mit dem 6 mm Classic Ortho. Bei dann immerhin schon 316x wurde es sehr schwer bis zeitweise unmöglich einen eindeutigen Fokuspunkt zu finden. Das mag z.T. Am vorherrschenden Seeing gelegen haben, zeigt aber vielleicht auch die Grenzen dieser Optik auf.

Der Fairnes halber muss ich aber auch sagen, dass ich bei 4“ und 5“ Geräten mit 200facher Vergrößerung am Mond  eigentlich alles sehe, was diese Öffnungsklasse hergibt. So gesehen ist 316x schon eindeutig im Bereich der Übervergrößerung anzusiedeln.

Nachstehend ein paar Aufnahmen, welche mit recht einfachem Equipment gewonnen wurden : eine einfache Kompaktdigitalkamera wurde per Digi-Halterung hinter das Okular gebracht und über die Videofunktion AVI Videos gefilmt, die dann mit Autostakkert 2.0 verarbeitet wurden.

Zunächst aber eine Fokalaufnahme mit einer Samsung NX20 DSLM...

Weitere Aufnahmen in Okularprojektion :

 

Mars :

Fast am Ende der Leihzeit ergab sich die Möglichkeit zumindest noch einen kurzen Blick auf Mars zu erhaschen. Leider stand der rote Planet die meiste Zeit einfach zu tief und wurde an meinem Beobachtungsstandort z.T. auch durch Bäume und Häuser verdeckt. Auch blieb mir jeweils nur ein kurzes Zeitfenster, bevor der Planet wieder hinter Bäumen oder Häusern verschwand.Dennoch konnten die Polkappe, einige Strukturen ( Syrte ? ) und blickweise sogar Olympus Mons noch beobachtet werden. Alles in allem ein schöner Anblick trotz des tiefen Planetenstandes und der widrigen Bedingungen.

Doppelsterne:

Pi Aql : konnte mit 1“4 Abstand im 18er Classic Ortho bei 105x schön getrennt werden.

e Lyrae: locker getrennt schon im 32er Super Plössl

sowie weitere Doppelsterne im Orion, der ja reich an Doppelsternen ist. So konnte ich in den frühen Morgenstunden des 30.09. trotz Mondhelligkeit einige Kandidaten im Orion gut beobachten.

eta Ori : im 18er leicht getrennt, wobei auch die nahezu gleiche Helligkeit hilft

zeta Ori : trotz 2“4 Abstand gar nicht mal soo einfach, da doch ein ziemlicher Helligkeitsunterschied

32 Ori : mit 1,2“ schon etwas schwieriger, zumal bei seeing 6/10, aber bei  190x gut aufgelöst

Was insgesamt beim Bresser Maksutov-Cassegrain positiv auffällt, ist die offenbar gute Optik des Gerätes. Zwar steht mir nun keine optische Bank zur Verfügung, aber es ist schon immer ein gutes Zeichen, wenn sich beim Fokussieren eine eindeutige Fokus-Lage einstellt. Ich habe im Laufe der letzten 20 Jahre schon durch viele Optiken gucken dürfen – sei es nun Refraktoren, SC's, Maks oder Newtons. Auch einige, weniger gute Geräte waren dabei. Bei solchen, minderwertigen Optiken „eiert“ man geradezu immer eine Weile um den richtigen Fokuspunkt herum. Man dreht am Fokussierer hin und her und findet doch nie den Punkt, an dem man meint, die richtige Schärfe gefunden zu haben.

Nicht so bei diesem Bresser MC 127 – beim Fokussieren stellte sich stets schnapp-artig ein klar definierter Schärfepunkt ein. Man weiß genau: hier ist es scharf, schärfer geht’s nicht.

Als Fazit kann ich für mich festhalten : der Bresser MC 127 ist ein sich stimmiges Gerät. Er hat eine sehr gute, scharfe Optik und ist mit seiner Brennweite und Öffnung ein ideales kleines Gerät für Mond- und Planetenbeobachter. Aber auch Doppelsterne machen Spaß. Zudem ist der MC-127 ein sehr kompaktes und leichtes Gerät. Er lässt sich kostengünstig montieren und Dank seiner Größe und seines Gewichts auch gut auf Reisen mitnehmen.

Bedenkt man den Preis von rund 350€ kann man hier sogar von einem echten Preis-Leistungs-Wunder sprechen ! Man kann leicht das mehrfache an Kosten ausgeben, ohne wirklich mehr zu sehen.

Ein absolut empfehlenswerter Maksutov-Cassegrain !

Michael Aaron Meier , Oktober 2018