Sky Guide für Oktober

Monatliche Himmelsschau Oktober 2018

SkySafari

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Ende Oktober ist normalerweise die Phase des Jahres, in der wir in Großbritannien und Europa auf die Normalzeit (CET/GMT) zurückgreifen.  Normalerweise wird dies von Außenstehenden mit Stöhnen begrüßt, da es dazu führt, dass es früher dunkler wird - diejenigen von uns mit einer eher astronomischen Neigung werden sich etwas anders fühlen, da es die Gelegenheit zu Beobachtungen zu einer angemessenen früheren Stunde des Abends erhöht.  In Großbritannien gehen die Uhren am Sonntag, den 28. Oktober dieses Jahres zurück.  Diejenigen in Nordamerika werden bis Anfang November warten müssen, bis diese Umstellung erfolgt ist.  Natürlich hat das, was in der nördlichen Hemisphäre passiert, im Süden den gegenteiligen Effekt.  Diejenigen in vielen Gebieten Australiens und Brasiliens werden ihre Sommerzeit im Oktober beginnen (Neuseeland und Chile haben ihre Sommerzeit etwas früher begonnen).

Wo auch immer du dich auf der Welt befindest, es ist diesen Monat viel los am Himmel über uns...

Das Team BRESSER wünscht viele klare Nächte !

Bitte beachte die Zeitangaben : 

BST  British Summer Time (Sommerzeit) + 1 Stunde = MESZ  Mitteleuropäische Sommerzeit

00:00 – 12:00 Uhr = AM ( After Midnight)

12:00 – 00:00 Uhr = PM ( Past Midday)

Das Sonnensystem

Der Mond

Der Mond beginnt den Oktober im nördlichen Teil des Sternbildes Orion zur Zeit seiner abnehmenden Dreiviertelmondphase; er geht am Abend des 1. Oktober kurz nach 22.30 Uhr (BST) auf. Am nächsten Abend erreicht der Mond als abnehmender Halbmond sein letztes Viertel, wobei er sich schon im Sternbild Zwillinge (Gemini) befindet.

Am 9. Oktober trifft der Mond im Sternbild Jungfrau (Virgo) auf die Sonne. Er wird zum Neumond und zu einem abendlichen Objekt. Am Abend des 11. Oktober kann man den schmalen Sichelmond kurz nach Sonnenuntergang im Sternbild Waage (Libra) beobachten, ca. 4 1/2 Grad nordwestlich des Planeten Jupiter positioniert.

Der Mond, Merkur und Jupiter, Sonnenuntergang, 11. Oktober 2018.

Der Mond, Merkur und Jupiter, Sonnenuntergang, 11. Oktober 2018. Image created with SkySafari 5 for Mac OS X, ©2010-2016 Simulation Curriculum Corp., skysafariastronomy.com.

Am 16. Oktober erreicht der Mond im Sternbild Schütze (Sagittarius) sein Erstes Viertel. Am nächsten Abend trifft der Mond dann im benachbarten Sternbild Wassermann (Aquarius) auf den Mars.

Der Mond wird am 24. Oktober zum Vollmond, wobei er sich im Sternbild Walfisch (Cetus) befindet, das nicht zu den 12 Tierkreiszeichen-Sternbildern gehört. Dies ist sicher nicht die ideale Zeit im Monat für Deep Sky-Beobachtungen oder für die Astrofotografie.

Der Mond beendet den Oktober am 31. mit seiner zweiten abnehmenden Halbmondphase im Sternbild Krebs (Cancer).

Merkur

Merkur beginnt den Monat im Sternbild Jungfrau am Abendhimmel, wobei der Planet ca. 8 Grad von der Sonne entfernt ist. Aus der Perspektive der nördlichen Hemisphäre kann man den –0,8 mag. hellen und 4,8 Bogensekunden im Durchmesser großen Planeten jetzt leider nicht besonders gut beobachten, da er bei Sonnenuntergang 2 Grad hoch am Himmel steht (beobachtet von 51 Grad Nord). Beobachter der südlichen Hemisphäre sind da allerdings abends zu diesem Jahreszeitpunkt besser dran, da der Planet sich in dem Teil der Ekliptik befindet, der in einem steileren Winkel steht als dies bei uns "Nordlichtern" der Fall ist – und damit die Höhe des Planeten vom Horizont vergrößert.

Wie immer bei Merkur, ändert sich alles sehr schnell. Der Planet entfernt sich rasch von der Sonne, wobei er seinen Winkelabstand von unserem Mutterstern den ganzen Monat über kontinuierlich vergrößert. Um den 15. Oktober herum ist Merkur 16 1/3 Grad von der Sonne entfernt, hat sich leicht nach –0,3 mag. Helligkeit abgeschwächt, und zeigt sich aber dennoch als eine auf 5,1 Bogensekunden im Durchmesser gewachsene Scheibe, die zu 90% beleuchtet ist. Der Planet steht bei Sonnenuntergang mit kaum 2 3/4 Grad Höhe immer noch sehr tief am Himmel (beobachtet von 51 Grad Nord), wobei allerdings Beobachter der südlichen Hemisphäre sich wiederum in einer besseren Beobachtungssituation befinden, was den Merkur betrifft.

Zum Monatsende hin befindet sich Merkur 22 1/2 Grad von der Sonne entfernt. Der Planet präsentiert sich als eine zu 74% beleuchtete Scheibe, 6,0 Bogensekunden im Durchmesser groß, und einer beständigen, wenn auch unspektakulären Helligkeit von –0,2 mag. Bei einem vertikalen Winkelabstand zum Horizont von ca. 3 1/2 Grad bei Sonnenuntergang (beobachtet von 51 Grad Nord) bleibt die Beobachtung des Planeten für Bewohner der nördlichen gemäßigten Breitengrade ein schwieriges Unterfangen, während die Himmelsleser in den äquatorialen und südlichen Teilen unserer Erde es beobachtungstechnisch doch leichter haben.

Merkur, Sonnenuntergang, 31. Oktober.

Merkur, Sonnenuntergang, 31. Oktober. Image created with SkySafari 5 for Mac OS X, ©2010-2016 Simulation Curriculum Corp., skysafariastronomy.com.

Venus

Zu Monatsbeginn finden wir Venus an den Grenzen der Sternbilder Jungfrau und Waage. Der Planet zeigt sich als eine zu 16,6% beleuchtete dünne Sichel, 46,8 Bogensekunden im Durchmesser groß, und mit einer brillanten Helligkeit von –4,5 mag. Venus befindet sich jetzt praktisch auf einer Linie mit der Sonne und steht bei Sonnenuntergang knapp unter einem Grad hoch westlich am Himmel (beobachtet von 51 Grad Nord). Der Planet kann leicht bei Tageslicht lokalisiert werden, da er von der Sonne ungefähr 31 Grad entfernt ist. Zu diesem Zeitpunkt ist dies die einzige Gelegenheit für uns hier in der gemäßigten nördlichen Hemisphäre, unseren Nachbarplaneten zu beobachten, während die Beobachter in den Tropen bzw. in der südlichen Hemisphäre es leichter haben, da Venus bei Sonnenuntergang bedeutend höher am Himmel steht.

Mitte des Monats hat Venus seine Größe nach 57,2 Bogensekunden im Durchmesser erhöht und präsentiert sich als eine schlangen-dünne 4,8% beleuchtete Sichel mit einer Helligkeit von –4,3 mag. Der Planet ist in das Sternbild Jungfrau zurückgekehrt und bewegt sich westlich innerhalb der Ekliptik, wobei er auf seiner schnelleren inneren Umlaufbahn die Erde einholt. Venus ist nun 18 Grad von der Sonne entfernt und strebt jetzt sehr zügig seiner Unteren Konjunktion zu.

Am 27. Oktober findet die Untere Konjunktion statt, wobei Venus zwischen Erde und Sonne erscheint. Der Planet wird 6 Grad südlich an der Sonne am Himmel vorbeigleiten. Zu diesem Zeitpunkt hat Venus eine kolossale Größe (relativ gesehen) von 1 Bogenminute (60 Bogensekunden) im Durchmesser, ist eine zu 0,6% beleuchtete Sichel, und hat eine Helligkeit von –4,0 mag. Nach diesem Ereignis wird der Planet als ein morgendliches Objekt wieder erscheinen.

Venus bei Oberer Konjunktion am 27. Oktober.

Venus bei Oberer Konjunktion am 27. Oktober. Image created with SkySafari 5 for Mac OS X, ©2010-2016 Simulation Curriculum Corp., skysafariastronomy.com.

Venus beendet den Oktober als eine zu 1,2% beleuchtete dünne Sichel, immer noch 1 Bogenminute im Durchmesser groß, und –4,1 mag. hell. Der Planet steht bei Sonnenaufgang 2 1/2 Grad hoch östlich am Himmel (beobachtet von 51 Grad Nord).

Mars

Zu Monatsbeginn finden wir Mars im Sternbild Steinbock (Capricornus), -1,3 mag. hell und 15,7 Bogensekunden im Durchmesser groß. Der Planet steht an seinem Durchgangspunkt, den er kurz vor 21 Uhr (BST) erreicht, 16 Grad hoch am Himmel (beobachtet von 51 Grad Nord).

Mitte Oktober ist Mars auf eine Größe von 13,7 Bogensekunden im Durchmesser geschrumpft, und seine Helligkeit hat gleichzeitig nach –1,0 mag. abgenommen; die Erde entfernt sich dabei auf ihrer schnelleren inneren Umlaufbahn vom Roten Planeten. Zu diesem Zeitpunkt steht Mars an seinem Durchgangspunkt, den er um 20.29 Uhr (BST) erreicht, knapp unter 18 1/2 Grad hoch am Himmel (beobachtet von 51 Grad Nord).

Mars nahe am Transitpunkt, 15. Oktober.

Mars nahe am Transitpunkt, 15. Oktober. Man beachte die ausgeprägte Phase. Image created with SkySafari 5 for Mac OS X, ©2010-2016 Simulation Curriculum Corp., skysafariastronomy.com.

Ende Oktober hat die Helligkeit des Planeten weiter abgenommen, jetzt auf –0,6 mag., und seine Größe ist nach 11,9 Bogensekunden im Durchmesser geschrumpft. Der Planet steht bei seinem Durchgang, der kurz vor 19.00 Uhr (GMT) erfolgt, knapp unter 22 Grad hoch am Himmel (beobachtet von 51 Grad Nord).

Jupiter

Im nächsten Monat werden wir die jährliche Obere Konjunktion Jupiters miterleben, und daher ist das Beobachtungsfenster für den größten Himmelskörper unseres Sonnensystems ziemlich schmal. Zu Monatsbeginn kann man Jupiter nach Sonnenuntergang maximal 1 1/2 Stunden beobachten, wobei der Planet für Beobachtungen in der nördlichen Hemisphäre doch sehr tief am Himmel steht. Bei fortschreitendem Monat wird die Beobachtungssituation allerdings noch schlechter, und wir werden bis 2019 warten müssen, um Jupiter wieder in vollem Glanze sehen zu können.

Jupiter, mit GRF Transit

Jupiter, mit GRF Transit ( Großer Roter Fleck), ab dem Nullten Längengrad, früher Abend 1. Oktober. Image created with SkySafari 5 for Mac OS X, ©2010-2016 Simulation Curriculum Corp., skysafariastronomy.com.

Saturn

Zu Beginn des Monats finden wir Saturn im Sternbild Schütze. Bei einer Helligkeit von +0,5 mag. ist der Herr der Ringe zwar nicht besonders hell, kann aber trotzdem leicht geortet werden. Saturn hat zu diesem Zeitpunkt eine Größe von 16,4 Bogensekunden im Durchmesser. Seinen Durchgangspunkt erreicht der Planet um 18.32 Uhr (BST), wenn er knapp unter 16 Grad hoch im Süden am Himmel steht. Er geht kurz vor 22.30 Uhr unter (wiederum BST, beobachtet von 51 Grad Nord). Das Beobachtungsfenster für die abendliche Observation beginnt sich nun zu schließen; machen Sie das Beste daraus, sofern es Ihnen möglich ist.

Mitte Oktober bleibt die Helligkeit des Planeten mit +0,5 mag. stabil, wobei Saturn allerdings zu schrumpfen beginnt, auf jetzt 16,1 Bogensekunden im Durchmesser, während wir uns im Sonnensystem von ihm weiter entfernen. Der Planet erreicht seinen Durchgangspunkt jetzt um 17.40 Uhr und geht um 21.37 Uhr unter (wiederum BST, beobachtet von 51 Grad Nord).

Saturn und Hauptmonde, 15. Oktober.

Saturn und Hauptmonde, 15. Oktober. Image created with SkySafari 5 for Mac OS X, ©2010-2016 Simulation Curriculum Corp., skysafariastronomy.com.

Zum Ende des Monats hat sich, Saturn betreffend, nicht viel geändert. Die Helligkeit ist auf +0,6 mag. weiter gesunken, und auch die Größe hat mit 15,7 Bogensekunden im Durchmesser abgenommen. Der Durchgangspunkt wird um 15.42 Uhr (GMT) erreicht, wenn der Planet knapp unter 16 Grad hoch im Süden am Himmel steht. Er wird dann um kurz nach 19.39 Uhr (wiederum GMT, beobachtet von 51 Grad Nord) untergehen, das sind allerdings gute drei Stunden nach Sonnenuntergang. Das abendliche Beobachtungsfenster kommt damit auch nach und nach zu seinem Ende, da der Planet seiner Oberen Konjunktion, die am 2. Januar 2019 stattfinden wird, entgegenstrebt. Wiederum: machen Sie das Beste daraus, sofern es Ihnen möglich ist.

Uranus und Neptun

Hat im letzten Monat die Opposition Neptuns stattgefunden, so ist es in diesem Monat an Uranus, den der Erde nächsten Annäherungspunkt für dieses Jahr zu erreichen. Die Opposition von Uranus findet am 24. Oktober statt; der Planet ist dann knapp über 2,8 Milliarden km von uns entfernt. Zu diesem Zeitpunkt erreicht uns das Licht von Uranus nach 2 Stunden und 37 Minuten, was bei einer Lichtgeschwindigkeit von 299792 km / Sekunde die große Entfernung zwischen beiden Planeten eindrucksvoll verdeutlicht.

Relative Positionen von Uranus und Neptun, Oktober 2018.

Relative Positionen von Uranus und Neptun, Oktober 2018. Image created with SkySafari 5 for Mac OS X, ©2010-2016 Simulation Curriculum Corp., skysafariastronomy.com.

Im Oktober präsentiert sich Uranus als ein Objekt von +5,7 mag. Helligkeit und einer Größe von 3,7 Bogensekunden im Durchmesser. Während bei einer Opposition alle bedeutenden äußeren Planeten an Helligkeit signifikant zunehmen, so verändert sich bei beiden äußeren Gasriesen ihre Helligkeit an ihrem nächsten Punkt zu uns nur unwesentlich. Aber Uranus ist zwar ein manchmal schwierig aufzufindendes, jedoch immer ein sehr interessantes Beobachtungsobjekt. In der Oppositionsnacht befindet sich der zunehmende Dreiviertelmond ca. 9 Grad südwestlich von Uranus, was positiv dazu beiträgt das Gebiet, in welchem sich Uranus versteckt hält, zu identifizieren (möglicherweise kann allerdings Mond-Streulicht dazu beitragen, die Beobachtung zu erschweren). In der nächsten Nacht, am 25. Oktober, kommt der Mond der Uranus-Position sogar noch etwas näher; er befindet sich dann ca. 6 1/2 Grad südöstlich des Planeten.

Man kann Uranus mit bloßem Auge erkennen; Voraussetzungen dafür sind allerdings idealste Beobachtungsbedingungen sowie äußerst versierte und erfahrene Beobachter, die eine excellente Sehkraft haben. Der große Rest von uns wird sich wohl oder übel mit Ferngläsern oder, besser noch, Teleskopen begnügen müssen, um einen Blick auf den Planeten werfen zu können. Durch ein Teleskop betrachtet, zeigt sich Uranus als eine grün-graue Scheibe von zierlicher Größe und als ein Überbleibsel der hellsten Planetarischen Nebel. Mit einem Teleskop mit einer Blende von 8 – 10" (vorzugsweise noch höher) und einer hohen Vergrößerung wird es möglich sein, die helleren der Uranus-Satelliten, Titania und Oberon, zu beobachten. Für die Beobachtung der inneren Hauptmonde des Uranus, Ariel und Umbriel, werden noch höhere Blendenwerte sowie sehr gute Himmelsbedingungen benötigt, um sie zu entdecken. Es ist jedoch relativ unkompliziert, alle 4 Monde mit einem durchschnittlichen Teleskop zu skizzieren. Die zusätzlichen 23 uns bekannten Monde des Uranus bleiben jedoch für eine Observation von der Erde aus unerreichbar. Es hat 1986 den Besuch der "Voyager 2" in das Uranus-System gebraucht, um sie zu entdecken.

Neptun hat gerade seine Opposition hinter sich gebracht, die er im September erreichte. Mit einer Helligkeit von +7,8 mag. ist der Planet nicht lichtschwächer geworden als er vorher war, allerdings ist er die Winzigkeit von 0,1 Bogensekunden auf 2,3 Bogensekunden im Durchmesser an Größe geschrumpft. Jetzt, wo der Planet im Sternbild Wassermann auftaucht, ist es der richtige Zeitpunkt, um Neptun an den abendlichen Himmeln zu beobachten. Er geht am frühen Abend auf und geht, um die Mitte des Monats, um ungefähr 4.00 Uhr (GMT) unter. Wie auch bei seinem Nachbarn Uranus, benötigt man entweder ein Fernglas oder aber, besser noch, ein Teleskop, um so viel wie möglich vom Planeten zu entdecken. Der Dreiviertelmond ist am Abend des 21. Oktober ein guter Wegweiser hin zur Neptun-Lokalisierung, da er 3 Grad südlich an Neptun vorbeigleitet – allerdings könnte die Mondblendung es erschweren, Neptun dann auch wirklich zu entdecken (wie auch oft lokale Himmelskonditionen eine Ursache für Beeinträchtigungen sein können).

Kometen

Der periodische Komet 46P/Wirtanen wird während seiner ziemlich nahen Annäherung (möglicherweise mit bloßem Auge zu sehen) Mitte Dezember zu beobachten sein. Der BAA (British Astronomical Association) Comet Bereich bietet Details zu einer Pro/Am-Beobachtungskampagne an, an der sich die Leser beteiligen können. Sie wird von der University of Maryland betrieben und kann hier abgerufen werden: wirtanen.astro.umd.edu/46P/Meetings_telecons/DPS2016_Wirtanen_workshop.pdf

Leider wird die Helligkeit des Kometen im Oktober abnehmen, und er wird südlich in den Himmel eintauchen, was es extrem schwierig macht, ihn zu beobachten. Nach der Oberen Konjunktion des Kometen, die am 28. Oktober stattfinden wird, wird 46P/Wirtanen erneut schnell nordwärts aufsteigen und sich so der Erde wieder annähern, dabei immer heller werdend. Der Komet schwächelt im Oktober also noch etwas, aber wir werden definitiv in den nächsten Monaten mehr von ihm hören.

Ein weiterer periodischer Komet, 21P/Giacobini-Zinner, wird Anfang Oktober für die Beobachtung gut platziert sein, aber wieder einmal wird der Mond im gleichen Teil des Himmels wie der Komet zu Beginn des Monats sein und die Beobachtungsmöglichkeit einschränken. In der ersten Monatswoche wird der Komet durch das Sternbild Einhorn (Monoceros) wandern, wobei er Orion sehr nahe ist, was den Teil des Himmels, in welchem sich der Komet befindet, sehr leicht lokalisieren läßt; allerdings dauert es bis zum nächsten frühen Morgen, bis der Komet eine akzeptable Höhe erreicht hat. Der Komet setzt seine Reise im weiteren Verlauf des Monats in südlicher Richtung fort und passiert dabei die Grenze hin zum Sternbild Großer Hund (Canis major); er nähert sich dabei zwischen dem 13. und 18. Oktober dem Doppelsternsystem Sirius, auch Alpha Canis Majoris genannt. Über diesen Punkt hinaus wird es für Beobachtungen in der gemäßigten nördlichen Hemisphäre schwieriger, da die Stunden absoluter Dunkelheit, in welcher der Komet erscheint, doch stark abnehmen. Während dieser Periode liegt der Helligkeitsbereich in der Größenordnung von +7 bis +8, was für eine Beobachtung mit ausreichend starken Ferngläsern oder mit Teleskopen ausreicht.

21P/Giacobini-Zinner Pfad im Oktober (Kometenposition am 1. Oktober).

21P/Giacobini-Zinner Pfad im Oktober (Kometenposition am 1. Oktober). Image created with SkySafari 5 for Mac OS X, ©2010-2016 Simulation Curriculum Corp., skysafariastronomy.com.

Meteore

Der Orioniden-Meteorschauer wird seinen Höhepunkt am 21. und 22. Oktober haben. Der stärkste Meteorausstoß wird eine Zenitale Stundenrate (ZHR) von ca. 10 – 20 Meteore haben, und man kann ihn unter idealen Beobachtungsbedingungen sehen, einschließlich der über dem Horizont sichtbaren Strahlenquelle.

In der Nacht der höchsten Meteoraktivität schleicht sich leider ein 92%iger Dreiviertelmond an die Grenzen der Sternbilder Fische (Pisces) und Wassermann, der nicht vor 04.30 Uhr morgens untergeht (beobachtet von Standpunkten der gemäßigten nördlichen Hemisphäre) und der deshalb das Ereignis doch sehr beeinträchtigt. Aber für die Frühaufsteher gibt es ein kurzzeitiges Beobachtungsfenster zwischen Monduntergang und dem Einsetzen der astronomischen Morgendämmerung, das eine große Chance bietet, etliche Meteore einzufangen. Zu diesem Zeitpunkt am Morgen wird die Meteor-Strahlenquelle ihren Durchgang in südlicher Richtung erreichen und eröffnet so die besten Chancen, den feurigen Tod einiger Überreste des berühmtesten Kometen aller Zeiten, dem P1/Halley, einzufangen (ein Merkmal, das die Orioniden mit dem Eta Aquariid-Schauer des Monats Mai teilen). Wenn Sie also einen Orioniden sehen, so wohnen Sie dem Niedergang eines kleinen Teilchens des berühmtesten Kurzzeit-Kometen mit und erleben so sein Ende in der Erdatmosphäre.

Deep Sky-Höhepunkte im Sternbild Pegasus und in der Andromeda-Galaxie

Wenn man sich leicht nördlich von unseren Deep Sky-Höhepunkten des letzen Monats in den Sternbildern Wassermann und Steinbock wegbewegt, dann kommen wir zum Sternbild Pegasus, die Heimat von leicht zu beobachtenden sowie nicht-so-leicht zu beobachtenden Objekten, und damit auch zur verbundenen Andromeda-Galaxie, die Heimat einiger der bekanntesten Himmelsobjekte, einschließlich der wichtigsten Galaxie, M31. Wir geben Ihnen nachstehend einen Überblick der interessantesten Objekte in dieser so reichen und spannenden Region.

Pegasus und Andromeda.

Pegasus und Andromeda. Image created with SkySafari 5 for Mac OS X, ©2010-2016 Simulation Curriculum Corp., skysafariastronomy.com.

Obwohl sich im Sternbild Pegasus keine Hauptnebel befinden, so ist es doch eine Oase für Galaxien - vielleicht nicht in dem Ausmaß, wie sie in den Regionen der Sternbilder Jungfrau (Virgo) und Löwe (Leo) vorkommen, aber Pegasus bietet doch einige galaktische Besonderheiten, die es wert sind, näher betrachtet zu werden.

Das wohl bekannteste Merkmal von Pegasus ist auch ohne ein Teleskop sogleich zu erkennen, nämlich das berühmte Pegasus-Quadrat (auch "Herbstviereck"). Das Quadrat besteht aus den Sternen Sirrah (auch Alpheratz, arabisch für Bauchnabel), Scheat (arabisch: das Bein), Algenib (arabisch: die Flanke) und Markab (arabisch: der Sattel) und dominiert diesen Teil des Himmels, wobei es als ein nützlicher Ausgangspunkt für das Starhopping dient. Das Pegasus-Quadrat ist jedoch keine reine "Pegasus-Angelegenheit", da der Stern Sirrah (Alpheratz) genau genommen jetzt offiziell zum benachbarten Andromeda-Sternbild gehört. Wir haben hier eine ähnliche Situation wie beim Stern Elnath (Beta Tauri), der offiziell jetzt zum Sternbild Stier (Taurus) gehört, aber unter dem Namen Gamma Aurigae auch dem benachbarten Sternbild Fuhrmann (Auriga) zugeordnet war (von Johann Bayer, deutscher Astronom im 16. Jhdt.). Allerdings sind diese Konstellationen sehr selten, da sie in den modernen Sternenlisten immer noch über ihren gemeinsamen Stern aufgeführt werden.

Etwa ein Drittel des Weges entlang der Linie zwischen den tiefer liegenden Sternen des Pegaus-Quadrats, Markab und Algenib, liegt ein Objekt, welches mit bloßem Auge überhaupt nicht wahrgenommen werden kann. Dies ist die bemerkenswerte (aber nicht unbedingt spektakuläre) Pegasus-Zwerggalaxie. Das ist eine mit dem nahegelegenen Andromeda-Spiralnebel M31 verbundene Galaxie und als solche eine Nachbarin unserer Milchstraße. Mit einer Helligkeit von nur +13,2 mag. ist die Galaxie ein sehr blasses Objekt, das sich über eine ansehnliche Himmelsfläche ausdehnt und somit nur mit Hilfe der Langzeitfotografie wirklich zu entdecken ist. Zwerggalaxien sind oft (aber nicht immer) älter und einfacher als Galaxien unserer Art. Aber obwohl sie im herkömmlichen visuellen Sinne nicht besonders brilliant sind, so sind Zwerggalaxien, wie hier die Pegasus-Zwerggalaxie, Oasen für die dunkle Materie. Die Galaxie liegt 3 Millionen Lichtjahre von der Milchstraße entfernt und ist mit dem Andromedanebel M31 zyklisch interaktiv.

Bedeutend leichter zu observieren und auch besser bekannt ist ein Objekt auf der anderen Seite von Pegasus: der große Kugelsternhaufen M15. Er liegt 4 Grad nordöstlich des Sterns Enif (arabisch für "Nase") bzw. Epsilon Pegasi, und er bietet in allen Teleskopen oder Ferngläsern einen gloriosen Anblick; mit einer Helligkeit von +6,2 mag. kann er sogar, von einer geeigneten Stelle aus, mit dem bloßen Auge gesehen werden. Dieser Kugelsternhaufen wurde im September 1746 vom französisch-italienischen Astronomen Giovanni Domenico Maraldi entdeckt und 18 Jahre später von Charles Messier im Jahre 1764 katalogisiert. M15 liegt ungefähr 33.600 Lichtjahre von uns entfernt und beinhaltet um die 100.000 Sterne. Als ein sehr bekanntes Objekt ist M15 erschöpfend erforscht und studiert worden, und dabei wurde herausgefunden, dass der Sternhaufen den ersten entdeckten außergalaktischen Planetarischen Nebel enthält: Pease 1, zuerst identifiziert im Jahre 1928 vom amerikanischen Astronomen Francis G. Pease. Zusätzlich zu Pease 1 beinhaltet M15 ein Paar mitumkreisender Neutronensterne, 8 Pulsars (ein schnell rotierender Neutronenstern) und zwei starke Röntgenquellen. Es wird angenommen, dass eine dieser Röntgenquellen in Wirklichkeit ein Schwarzes Loch ist, dem der erst kürzlich erfolgte Kernkollaps zugeschrieben worden ist. Kugelsternhaufen sind sowohl wunderschöne als auch erstaunliche Objekte, und es ist beinahe sicher, dass M15 noch mehr unentdeckte Eigenschaften beinhaltet.

M15

M15, Aufnahme von Hubble Space Telescope HST (Pease 1, oberes linkes Zentrum). Bildrechte: NASA/ESA, Public Domain.

Zurück im Inneren des Pegasus-Quadrats finden wir die schöne Galaxie NGC 7814, den "kleinen Sombrero" (so genannt aufgrund der Ähnlichkeit mit der Sombrero-Galaxie M104 im Sternbild Jungfrau). Die Spiralgalaxie präsentiert sich unserem Blickwinkel als eine Galaxie in Kantenstellung. Dies enthüllt eine dunkle Staubbahn, die den hellen Kern halbiert. Mit einer Helligkeit von +10,6 mag. ist die Galaxie nicht übermäßig hell, aber aufgrund ihrer kompakten Beschaffenheit kann sie mit kleineren Teleskopen sehr gut beobachtet werden. NGC 7814 ist aufgrund ihrer Nähe zum Stern Algenib (die Flanke) leicht zu finden.

NGC7814

NGC7814. Bildrechte: Hunter Wilson, Creative Commons.

Eine weitere Galaxie in der Nähe eines der "Quadrat-Mitglieder" ist die Galaxie NGC 7479, welche knapp unter 3 Grad südlich des Sterns Markab (der Sattel) liegt. Dies ist eine der fotogensten Balkenspiralgalaxien am Himmel; sie liegt uns beinahe stirnseitig gegenüber. Sie wurde 1784 vom britischen Astronomen William Herschel entdeckt  und ist mit +10,9 mag. nur wenig blasser als NGC 7814. NGC 7479 ist eine sehr aktive Galaxie - eine so genannte "Seyfert-Type-Galaxy", in welcher Sternenformationen in gewaltigem Umfang stattfinden (benannt nach dem amerikanischen Astronomen Carl Keenan Seyfert, 1911 - 1960). Die gewundene Struktur von NGC 7479 wird mittels Langzeitfotografie wunderbar herausgearbeitet - es sieht beinahe so aus, als wenn sich eine Klapperschlange durch das All winden würde!

NGC7479

NGC7479, Aufnahme von HST. Bildrechte: NASA/ESA, Public Domain.

Weiter nördlich gibt es eine faszinierende Ansammlung von Galaxien: die NGC 7331-Gruppe und das Stephans Quintett. Diese beiden Galaxien-Gruppen trennt lediglich knapp ein halbes Grad Himmel voneinander, und sie befinden sich nördlich des Sterns Matar (Eta Pegasi). Die NGC 7331-Gruppe ist dabei die auffälligere und wichtigere der beiden Galaxien-Gruppen und wurde im Jahre 1784 von William Herschel entdeckt. Als eben die wichtigere Gruppe eingestuft, hatte man NGC 7331 in Größe, Masse und Klassifizierung (Taxonomie) unserer eigenen Milchstraße gleichgestellt: nämlich als eine dichte Balkenspiralgalaxie. Allerdings weisen neueste Milchstraßen-Beobachtungen darauf hin, dass unsere Milchstraße nur zwei massive Spiralarme haben könnte, wohingegen NGC 7331 mehr Arme hat (die Spiralgalaxie NGC 6744 im Sternbild Pfau [Pavo] wird nun als der unserer Milchstraße ähnlichsten Galaxie angesehen). Hinter NGC 7331 liegen die Galaxien NGC 7340, 7336, 7335, 7327 und 7338 - von denen einige mit indirektem Sehen in geeigneten Teleskopen erkennbar sind. Mit einer Helligkeit von +9,5 mag. ist NGC 7331 die bei weitem hervorstechendste Galaxie der Gruppe und kann mit Hilfe kleinerer Teleskope beobachtet werden. Die gesamte Gruppe ist ein wirklich großartiges Ziel für die Astrofotografie.

NGC7331 und Stephans Quintett

NGC7331 und Stephans Quintett. Bildrechte: Mark Blundell.

Die zweite dieser beiden Galaxien-Gruppen ist das berühmte Stephans Quintett (Stephan's Quintet). Es wurde im Jahre 1877 am Marseiller Observatorium vom französischen Astronomen Edouard Stephan entdeckt und besteht aus den Galaxien NGC 7317, 7318, 7318A, 7318B, 7319 und 7320 (technisch gesehen bilden diese Galaxien ein Sextett, da 7318A und 7318B separate Galaxienkerne haben). Stephans Quintett bedeckt eine kleine Fläche von 3,5 x 3,5 Bogenminuten am Himmel und ist gleichzeitig ein Gebiet von sowohl gewaltiger Zerstörung, da die zusammengesetzten Galaxien sich buchstäblich gegenseitig auseinanderreißen, als auch ein Gebiet von enormer Schöpfung und Erzeugung, wo die aus der Zerstörung heraus entstandenen gasreichen Materien-Schleifen zur Geburt neuer Sterne führen. 

Das Innere von Stephans Quintett

Das Innere von Stephans Quintett, Aufnhame von Hubble Space Telescope. Bildrechte: NASA/ESA, Public Domain.

Ein Mitglied des Quintetts, NGC7320, scheint allerdings eine so genannte Galaxie im Vordergrund zu sein, die eigentlich in keinem Zusammenhang mit den anderen Galaxien steht – ein Beweis dafür wäre die mit 39 Millionen Lichtjahre Entfernung zur Erde doch große Diskrepanz zu den 210 – 350 Millionen Lichtjahren der anderen Mitglieder des Quintetts.

In den beiden vorherigen Abschnitten haben wir die relativen Positionen und die Größenordnungen beider Gruppen angeführt. Es ist offensichtlich, dass NGC7331 das größte und hellste Mitglied einer jeden Gruppe ist und mit Teleskopen durchschnittlich hoher Blendenweiten beobachtet werden kann.

Das Stephan's Quintett kann dagegen nur mit Instrumenten von 10 Zoll-Blenden und höher beobachtet werden, da die Helligkeit der Gruppenmitglieder zwischen +12,5 und 13,6 mag. variiert. Es ist allerdings der Astrofotografie vorbehalten, das Quintett in seiner ganzen destruktiven und kreativen Pracht aufzuzeigen. 

Wir überqueren die Grenze hin zum Sternbild Andromeda, und dort gilt unser Interesse zunächst einer zwar weniger bekannten aber doch auffälligen und leicht aufzufindenden Galaxie in dieser Konstellation: der wunderbaren Spiralgalaxie NGC 891. Sie liegt 11 1/2 Grad südöstlich von M76 und wurde 1784 vom britischen Astronomen Sir William Herschel entdeckt. NGC 891 präsentiert sich unserer Perspektive als eine hochkant stehende Spiralgalaxie, unter Umständen wie unsere eigene Galaxie. Mit einer Helligkeit von +9,89 mag. ist sie zwar nicht sehr hell, aber doch sehr stark verdichtet. Ihre Achse wird durch eine dunkle Staubbahn halbiert und teilt somit das Objekt in zwei Teile. In Teleskopen mit gemäßigter Blendeneinstellung erscheint uns NGC 891 als eine Scherbe - oder vielmehr als zwei parallele Lichtscherben, die eine sehr kleine Wölbung des Galaxienkerns im Zentrum aufweisen. Es ist ein sehr schönes Objekt, das vielleicht nicht den Glanz seines Nachbarn M31 (die Andromedagalaxie) hat (NGC 891 ist 30 Millionen Lichtjahre von uns entfernt), aber ein lohnenswertes Objekt zur Beobachtung und zum Fotografieren darstellt.

Drei Grad westlich von NGC 891 finden wir Gamma Andromedae, oder auch Almach - ein leicht aufzufindender Anhaltspunkt zur gesamten Galaxie, aber ein ebenso interessantes Objekt, das auch für sich selbst spricht. Almach (auch geschrieben Alamak, Almak) ist einer der besten Doppelsterne am Himmel: ein Sternenpaar, einmal in den Farben gelb-orange und dann in auffälligem grün-blau, mit Helligkeiten von +2,17 mag. und +4,75 mag.  Der Hauptstern des Systems (genannt Gamma And A) ist ein roter heller Riese der Spektralklasse K3, der sich langsam seinem Ende nähert. Der zweite, blassere, grün-blaue Stern (genannt Gamma And B und C) stellt in sich wiederum einen Doppelstern dar - wenn auch einen sehr schwierig zu erkennenden. Man benötigt ein Teleskop von mindestens 30 Zoll+, um diesen zweiten Stern als Doppelstern aufzuteilen. In den kommenden Jahren wird es allerdings nach und nach einfacher werden, den "B"-Stern auch mit kleineren Instrumenten aufzuteilen, da die beiden Elemente sich im Bereich ihres gemeinsamen Gravitationszentrums voneinander entfernen. Es wird aber wohl bis in die Mitte der 2020iger Jahre dauern, bevor man diese Auflösungen mit Teleskopen der 8-Zoll-Klasse durchführen kann. 

Die beiden Hauptelemente von Gamma Andromedae sind allerdings glorreich aufgeteilt in fast allen kleineren Teleskopen. Selbst Beobachter mit nur sehr kleinen Teleskopen sollten den Versuch der Aufteilung auf jeden Fall wagen.

Das Andromeda-Sternbild beheimatet, natürlich, die bekannteste Galaxie am Himmel - die Spiralgalaxie M31 und ihre dazugehörenden Begleit-Galaxien M32 und M110. Als ein Hauptmitglied unserer lokalen Gruppe von Galaxien, hat das M31 Galaxien-System den größten gravitativen Einfluss auf unsere Milchstraße, und in knapp unter 4 Milliarden Jahren werden die beiden Spiralgalaxien vermutlich kollidieren und schließlich eine riesige spheroide elliptische Galaxie bilden. M31, die sich unserer Milchstraße mit einer Geschwindigkeit von etwa 300 km/s nähert, ist schon jetzt eine Galaxie mit einer riesigen Winkelgröße, deren Ausdehnung am Himmel sich über die 6-fache Größe des Vollmondes erstreckt. Mit einer Helligkeit von +3,4 mag. war M31 wahrscheinlich eines der ersten von Menschen entdeckten Deep Sky-Objekte, mit Sicherheit aber die erste entdeckte Galaxie. Der große persische Astronom Abdul al-Rahman al-Su notierte die Galaxie zuerst im Jahre 962 n. Chr. in seinem "Buch der Fixsterne" und beschrieb M31 als "kleine Wolke". Seine Aufzeichnungen sind zwar die ersten zu diesem Objekt, man kann jedoch davon ausgehen, dass diese Galaxie zweifelsohne bereits früher beobachtet und wahrgenommen wurde, ist sie doch, zusammen mit den Pleiaden und den Hyaden im Sternbild Stier (Taurus), sowie M42 (der Orionnebel) im Sternbild Orion, das berühmteste Deep Sky-Objekt am Himmel.

M31

M31 von Mark Blundell. Mit freundlicher Genehmigung.

Der deutsche Astronom Simon Marius war der erste, der 1612 ein Teleskop auf M31 richtete, meldete seine Entdeckung jedoch nicht an; er wusste von früheren Sternenaufzeichnungen, in denen das Objekt als ein holländischer Beitrag aus dem Jahre 1500 schon gezeigt worden war. Während des 17. und 18. Jahrhunderts wurde die Galaxie, unabhängig voneinander, von vielen Astronomen "wiederentdeckt". Während hinsichtlich des Zeitalters von M31 zwischen den Astronomen Einigkeit herrschte, so schrieben viele von ihnen, einschließlich des britischen Astronomen Edmund Halley, die Entdeckung der Galaxie fälschlicherweise unterschiedlichen Personen zu. Charles Messier schrieb die Entdeckung Simon Marius zu, als er seinen berühmten Katalog 1764 etablierte. Theorien über die wahre Natur von M31 gab es im Überfluss: u. a., die Bildung eines im Entstehen begriffenen Sonnensystems; eine Wolke glühender, sternenbildender Gase; ein sterbender, sich zersetzender Stern. Mittels Spektroskopie kam die wahre Natur von M31 zutage. Der britische Astronom William Huggins, ein früher Anwender der teleskopischen Spektroskopie, fand heraus, dass, anders als bei vielen anderen Nebeln, M31 eine umfassende, beständige spektrale Empfindlichkeit aufweist, anstatt der bestimmten vorgesäumten Spektren eines Gasnebels, ein Umstand, welcher M31 klar von den Nebeln wie z. B. M42 (Orionnebel) abgrenzt. 1887 wurde eines der vielen, vielen Fotos der Galaxie vom walisischen Astronomen Isaac Roberts aus Crowborough in Sussex (nicht weit entfernt vom Telescope House in Edenbridge, der englischen Vertretung von Fa. Bresser) aufgenommen. Roberts' wunderschönes Foto zeigt ganz deutlich Staubbahnen in den äußeren Spiralarmen von M31 und in deren Begleitgalaxien M32 und M110, so wie dies auch auf dem obigen moderneren Foto von Mark Blundell zu sehen ist.

M31

M31 von Isaac Roberts, Aufnahme aus dem Jahre 1887. Public Domain.

Roberts hatte der Theorie beigepflichtet, dass M31 ein Sonnensystem im frühen Stadium des Entstehens war. Diese Theorie wurde jedoch "begraben", als Beweise für das Auftreten neuer Sterne aufkamen, welche innerhalb der Grenzen von M31 beobachtet und fotografiert worden waren. Der amerikanische Astronom Heber Curtis entdeckte seinen ersten neuen Stern in der M31-Galaxie 1917, und er entdeckte danach noch weitere elf neue Sterne. Diese Sterne waren im Durchschnitt 10 Helligkeitsklassen blasser als jene Sterne, die in unserer eigenen Galaxie beobachtet worden waren. Dies führte Curtis zu der Annahme, dass M31 beträchtlich weiter von uns entfernt liegen musste als zunächst angenommen. Curtis gehörte zu den Astronomen, die die Theorie vertraten, dass Objekte vom Typ M31 unabhängige "Weltinseln" sind. In der so genannten "Großen Debatte" vom 26.04.1920 wurden die unterschiedlichen Standpunkte, hauptsächlich die Zugehörigkeit von Objekten und ihre Entfernung zur Milchstraße, zwischen Curtis und dem Astronomen Harlow Shapely kontrovers diskutiert.

Die Angelegenheit wurde 1925 durch Edwin Hubble aufgeklärt, der in M31 die ersten Cepheid Variablen entdeckte (Cepheiden = Sterne, bei denen die Schwankungen in der Helligkeit streng periodisch erfolgen). Vergleiche zwischen diesen Variablen und denen in unserer Galaxie haben bewiesen, dass M31 eine eigenständige Ansammlung von Sternen ist, im Unterschied zu unserer Milchstraße. Obwohl Hubble mit einem Faktor von "2" die Entfernung von M31 völlig unterschätzt hatte, hatte er doch bewiesen, dass das Universum ein größerer und rätselhafterer Ort war als bisher angenommen.

Der deutsche Astronom Walter Baade, der einen 200-Zoll Palomar Reflektor einsetzte,  entdeckte zwei unterschiedliche Arten von Cepheid Variablen in der Sternenpopulation von M31, mit dem Effekt, dass die vorher von Hubble 1943 geschätzte Entfernung sich verdoppelte. Aktuelle Schätzungen über die Entfernung von M31 liegen bei ca. 2,5 Millionen Lichjahre. Darüberhinaus wurde entdeckt, dass es  in M31 starke Blauverschiebungen in den Spektrallinien gibt, die bewirken, wie der Doppler-Effekt bewiesen hat, dass M31, im Gegensatz zu der großen Mehrheit der Galaxien, sich in der Tat unserer Galaxie nähert (oder, genaugenommen, beide Galaxien bewegen sich aufeinander zu).

M31 kann mit (oder auch ohne) einer Vielzahl von optischem Gerät beobachtet werden. Die Galaxie ist wahrscheinlich am besten zu sehen in großen Ferngläsern (mit Objektiven von 70 mm+), von einer ansprechend dunklen Stelle aus. Ergiebige Instrumente mit kurzer Brennweite wie die Dobsonians, sowie kürzere Refraktoren, zeigen M31 ebenfalls sehr prägnant, aber aufgrund der riesigen Winkelgröße der Galaxie sollte mit der Energie gehaushaltet werden, um die Andromeda-Galaxie in all ihrer Schönheit bewundern zu können. Ebenfalls leicht zu entdecken sind die beiden Begleit-Galaxien M32 und M110, wobei M32 etwas leichter zu entdecken ist. Mit größeren Instrumenten, die eine geegnete Filtrierung aufweisen, ist es möglich, nebulöse Regionen in M31 zu beobachten - ähnliche Gebilde wie beim Orion Nebel in der Milchstraße. Die Beobachtung von M31 bleibt eine Herausforderung, aber eine sehr lohnenswerte! Wir können ja leider nicht die Schönheit unserer eigenen Galaxie von außen her betrachten, und so können wir uns zumindest an dem phantastischen Anblick erfreuen, den M31 uns bietet. Einige der Kugelsternhaufen von M31, einschließlich des bemerkenswert großen G1, sind ebenso sichtbar, allerdings mit Instrumenten, die eine Blendeneinstellung von mindestens 10 Zoll haben.

Es ist jedoch die Langzeitfotografie, die die wahre Ausdehnung und Größe von M31 enthüllt. Eine ungesteuerte 30-Sekunden-Aufnahme mit einer Weitwinkellinse zeigt uns M31 mühelos, obgleich ein kleiner, hochqualifizierter Refraktor, aufgesetzt auf einer parallaktischen Montierung (engl. equatorial mount), dazu ideal geeignet ist, die ganze Bildeinstellung auf einen Standard DSLR-Chip zu bringen (DSLR = engl. Abkürzung für Digitale Spiegel-Reflex-Kamera). Mehrfach-Aufnahmen, z. B. über den Deep Sky Stacker, zeigen die riesigen Staubbahnen und verknotete, wasserstoffreiche Gebiete von Nebulosität. M31 ist die erste Adresse für Anfänger in der Deep Sky-Fotografie, aber die Galaxie ist gleichzeitig ein so lohnenswertes fotografisches Objekt, dass Astrofotografen sich verpflichtet fühlen, immer wieder darauf zurückzukommen. Dass die Galaxie für uns in der nördlichen Hemisphäre gerade jetzt in den Wintermonaten so gut für Beobachtungen platziert ist, ist tatsächlich rein zufällig. Aber obwohl die Galaxie während des gesamten Jahres beobachtet werden kann, so sollten wir doch jetzt die Zeit nutzen, um dieses phantastische Deep Sky-Wunder zu genießen.

An der westlichen Seite von Andromeda, 2,5 Grad westlich des Sterns Iota Andromedae, liegt der schöne Nebel NGC 7662, auch bekannt unter dem Namen Blauer Schneeball-Nebel (Blue Snowball Nebula). Dieser Planetarische Nebel ist ein großes, wenn auch mit 0,5 Bogenminuten kompaktes Objekt, das in Teleskopen jeglicher Blendeneinstellungen sehr gut zu sehen ist. Ein 6 - 8 Zoll großes Teleskop zeigt den Nebel ganz deutlich als einen blau-grünen Lichtball. Und mit noch größeren Teleskopen werden auch die Feinheiten von NGC 7662 herausgearbeitet - man kann deutlich die internen Ringe und die leicht ausgedehnten Ausbuchtungen erkennen. Der Schneeball-Nebel zeigt ebenfalls ein "Blinken", so wie es auch der bekannte "Blinking Planetary" und der Saturn-Nebel produzieren. Der Zentralstern im Blauen Schneeball, ein Weißer Zwerg, zeigt eine individuelle Variabilität: seine Maximal-Helligkeit von +12,0 mag. schwächt sich des öfteren auf +16,0 mag. ab. Aktuelle Schätzungen betreffend die Entfernung zu uns liegen bei 5600 Lichtjahren und bei einem Durchmesser von 0,8 Lichtjahren.

NGC 7662, Blauer Schneeball Nebel.

NGC 7662, Blauer Schneeball Nebel. Aufnahme von Tom Wildoner, Creative Commons. Kompositaufnahme aus 32 Aufnahmen à 15s bei ISO 3200 mit Dunkelbildabzug und Weißablgeich, Meade 12“ LX90, Antares Focal Reducer, Canon 6D Kamera.

Wenn wir östlich hinter M31 und seine Begleiter zurückgehen, dann kommen wir zu zwei sehr ungewöhnlichen Objekten. Mirach (arab. Schürze) ist die Bezeichnung für den Stern Beta Andromedae, und "Mirachs Geist" ist der Name der komprimierten elliptischen Galaxie NGC 404. Die Blickachse unserer Perspektive von der Erde aus stellen diese beiden völlig unverbundenen Objekte in eine sehr enge Paarbildung - sie sind nur knapp unter 7 Bogenminuten voneinander entfernt, was ein schnelles Auffinden dieser Galaxie zwar erleichtert, aber nicht unbedingt auch gut sichtbar macht. Denn Unterschiede in der Helligkeit versetzen Mirach in die Lage, seinen Nachbarn in dieser Beziehung auszustechen. NGC 404 kann bei klaren und ruhigen Beobachtungsbedingungen mit großen Ferngläsern ausgemacht werden, wobei eine Beobachtung per Teleskop schon wieder ein kleines bisschen kniffliger sein kann. Eine höhere Vergrößerung sowie Blendenöffnung können hier helfen. Auch die Astrofotografie von NGC 404 stellt eine Herausforderung dar, aber eine, die sich lohnt. Mirach und Mirachs Geist sind eines dieser interessanten "seltsamen Paare" des Nachthimmels, dem wir mit zielgerichteter Perspektive und Glück begegnen könnten. Es wäre allerdings sehr schade, wenn die empfundene Schwierigkeit, dieses Objekt beobachten zu können, einem Anblick im Wege stünde.

Mirach und Mirachs Geist.

Mirach und Mirachs Geist. Image created with SkySafari 5 for Mac OS X, ©2010-2016 Simulation Curriculum Corp., skysafariastronomy.com.

Ein weiterer undurchsichtiger Resident Andromedas ist der Offene Sternhaufen NGC 752. Bestehend aus über 70 Sternen der Helligkeitsklasse 9, kommt NGC 752 immerhin noch auf einen kumulierten Helligkeitswert von +5,7 mag. Der Sternhaufen kann am besten mit sehr großen Ferngläsern gesehen werden und gibt uns so eine Besonderheit preis, nämlich das Vorhandensein von sehr alten Sternen, eigentlich unüblich für einen Sternhaufen: seine A2-Klassen Sterne weisen ein Alter von über einer Milliarde Jahren auf. NGC 752 ist voller Sternenketten und bedeckt eine Fläche von über 75 Bogenminuten am Himmel. Der Sternhaufen ist über 1500 Lichtjahre von der Erde entfernt.

Vielen Dank an: Autor (Text aus dem Englischen): Kerin Smith

 

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