Sky Guide für Oktober

Sky Guide

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Der Urlaubsmonat August hat uns bei der Terminplanung für die Übersetzung des September-"Newsletter" ein Schnippchen geschlagen. Für die uns allen damit entgangenen Deep Sky-Freuden entschuldigen wir uns. Der Oktober wird uns dafür aber u. a. mit Highlights in den Sternbildern Pegasus und Wassermann mehr als entschädigen. Also, (hin)auf geht's!

Das Sonnensystem

Der Mond

Der Mond beginnt den Oktober als ein zu ca. 79% beleuchteter zunehmender Dreiviertelmond im Sternbild Steinbock (Capricornus). Am 5. Oktober wird er, jetzt im Sternbild Fische (Pisces), zum Vollmond, der um ca. 17.45 Uhr abends aufgeht (beobachtet von 51 Grad Nord) und um kurz vor 06.30 Uhr am nächsten Morgen untergeht. Dieser Verlauf bedeutet aber zwangsläufig, dass sich die ersten Oktober-Tage für eine Deep Sky-Beobachtung nicht besonders gut eignen; beim Fotografieren sollte mindestens ein Schmalband-Filter zum Einsatz kommen.

Am 12. Oktober erreicht der Mond im Sternbild Zwillinge (Gemini) sein letztes Viertel, wobei er sehr hoch am Himmel steht (beobachtet aus der Perspektive der nördlichen Hemisphäre). Wenn er über diesen Punkt hinauskommt, dann präsentiert der Mond den Beobachtern der gemäßigten nördlichen Hemisphäre eine seiner frühmorgendlichen Sichelmondphasen - eine günstige Zeit, um seine westliche Mondrand zu beobachten, wenn Sie Frühaufsteher sind.

Am Morgen des 17. Oktober, vor Tagesanbruch, finden wir den rasiermesserscharfen Altsichelmond, der zu etwa 6% beleuchtet ist, im Osten oberhalb von Mars und Venus; ein sehr schönes Weitwinkel-Motiv noch vor Sonnenaufgang. Am Morgen danach wird es eventuell möglich sein, den Mond, der sich jetzt etwas näher zur Venus hin aufhält, zu beobachten, aber bei einer Illuminierung von nur 2,4% kann das eine heikle Angelegenheit werden.

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Mond, Mars und Venus

Mond, Mars und Venus, Sonnenaufgang, 17. Oktober 2017. Image created with SkySafari for Mac OS X, ©2010-2012 by Southern Stars, www.southernstars.com.

Am nächsten Tag, dem 18. Oktober, ist Neumond, wenn der Mond in der östlichen Hälfte des Sternbildes Jungfrau (Virgo) auf die Sonne trifft. Über diesen Punkt im Monat hinaus wird der Mond zu einem abendlichen Objekt, welches am Abend des 20. Oktober, tief am Himmel stehend, auf Merkur und Jupiter trifft.

Der Mond setzt seine Reise durch den südlichen Teil der Ekliptik fort, wobei er die Sternbilder Waage (Libra), Schlangenträger (Ophiuchus), Skorpion (Scorpius) und Schütze (Saggitarius) durchstreift, bis er am 27. Oktober im Sternbild Steinbock (Capricornus) sein erstes Viertel als zunehmender Halbmond erreicht.

Der Mond beschließt den Oktober im Sternbild Wassermann (Aquarius) als ein zu 85% beleuchteter zunehmender Dreiviertelmond.

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Die Planeten

Merkur

Der geheimste Planet beginnt den Monat Oktober als ein mit -1,3 mag. sehr helles Objekt im Sternbild Jungfrau (Virgo). Merkur ist zu diesem Zeitpunkt gefährlich nahe an der Sonne (knapp über 7 Grad) und ist trotz seiner starken Leuchtkraft nur schwer am morgendlichen Himmel zu entdecken, da er bei Tagesanbruch knapp über 5 Grad hoch steht (beobachtet von 51 Grad Nord).

Merkur eilt sehr schnell auf seine Obere Konjunktion zu, die am 9. Oktober stattfindet. Nach diesem Ereignis taucht er als Abendplanet wieder auf, wobei man ihn allerdings erst in den letzten Oktobertagen beobachten kann. Und selbst im letzten Oktoberteil wird es für die Himmelsleser in der gemäßigten nördlichen Hemisphäre schwierig sein, ihn zu beobachten, da Merkur sehr tief am westlichen Horizont steht und dabei kaum ein paar Grad an Höhe gewinnt (beobachtet von 51 Grad Nord). Für die Beobachter weiter südlich in den Äquatorial-Regionen unserer Erde und in der südlichen Hemisphäre ist Merkur für Beobachtungen jedoch bedeutend besser platziert. 

Merkur

Merkur bei seiner oberen Konjunktion, Mittags, 9. Oktober 2017. Image created with SkySafari for Mac OS X, ©2010-2012 by Southern Stars, www.southernstars.com.

Merkur beendet den Oktober im Sternbild Waage (Libra) bei einer Helligkeit von -0,4 mag.

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Venus

 Mit einer Helligkeit von -3,9 mag. am 1. Oktober ist Venus immer noch ein großartig zu beobachtendes Objekt am Morgenhimmel. Zu 91% beleuchtet, steht unser Nachbarplanet bei Sonnenaufgang 20 1/2 Grad hoch am Himmel (beobachtet von 51 Grad Nord) und gibt so für alle Beobachter ein unkompliziertes Ziel ab.

Am Morgen des 5. und des 6. Oktobers kommt Venus in eine sehr enge Konjunktion mit dem bedeutend blasseren Mars, wobei die Planeten knapp 1/3 Grad voneinander entfernt sind. Beide Objekte können zusammen leicht mit Weitwinkel-Teleskopen mit gering vergrößernden Okularen beobachtet werden, wobei auch die Observation mit Ferngläsern kein Problem darstellt. Im Vergleich zum sehr viel helleren und größeren Planeten Venus ist Mars mit einer Helligkeit von +1,8 mag. und einer Größe von knapp 3,7 Bogensekunden im Durchmesser ein eher enttäuschender Anblick.

Venus

Venus und Mars in Konjunktion, Sonnenaufgang, 6. Oktober 2017. Image created with SkySafari for Mac OS X, ©2010-2012 by Southern Stars, www.southernstars.com.

Zur Monatsmitte hin hat Venus bei Sonnenaufgang ein wenig an Höhe verloren (jetzt noch auf knapp 17 Grad Höhe, beobachtet von 51 Grad Nord); die Helligkeit ist jedoch in etwa noch die gleiche wie zu Beginn des Monats Oktober.

Aber, je mehr sich Venus der Sonne zuneigt, desto mehr nimmt der Planet an Höhe ab. Gegen Ende des Oktobers hat Venus zwar nicht an Helligkeit verloren, steht aber bei Tagesanbruch jetzt nur noch knapp unter 14 Grad hoch am Himmel (beobachtet von 51 Grad Nord).

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Mars

Mars beginnt den Oktober als ein morgendliches Objekt im Sternbild Löwe (Leo). Bei einer Helligkeit von +1,8 mag. und einer Größe von knapp 3,7 Bogensekunden im Durchmesser bietet der Planet zu dieser Zeit nicht gerade einen umwerfenden Anblick. Die Nähe von Mars zur Sonne, am 1. Oktober bei knapp unter 23 Grad, stellt dabei nicht unbedingt ein größeres Beobachtungshindernis dar, besonders mit dem helleren Planeten Venus in der Nähe, aber, wenn man Mars erst einmal lokalisiert hat, dann stellen die kleine Planetenscheibe und die relativ niedrige Höhe am Himmel eine besondere Herausforderung für starke Vergrößerungen dar.

Wie bereits an vorheriger Stelle ausgeführt, kommen sich Mars und der bedeutend hellere Planet Venus am Morgen des 5. und 6. Oktober sehr nahe, und dieser sehr interessante Anblick sollte mit Teleskopen oder Ferngläsern unbedingt betrachtet werden. Das Treffen dieser beiden Welten in einer Blickachse bedeutet jedoch nicht, dass die beiden Planeten innerhalb des gesamten Sonnensystems sehr nahe beieinander sind. Venus liegt 226,4 Millionen km von uns entfernt, wohingegen Mars in einer Entfernung von 379,5 Millionen km liegt.

Zur Monatsmitte hin hat sich, was Mars betrifft, nichts geändert. Sowohl seine Helligkeit, seine Höhe bei Sonnenaufgang, als auch seine Größe haben sich nicht entscheidend verändert.

Wenn der Oktober endet, steht Mars bei Sonnenaufgang knapp über 26 Grad hoch am Himmel, wobei seine Helligkeit immer noch bei +1,8 mag. liegt und seine Größe sich minimal auf 3,9 Bogensekunden im Durchmesser erhöht hat.

Jupiter

Für uns in den gemäßigten nördlichen Gefilden stellt sich Jupiter zu Beginn des Monats Oktober als ein schwierig zu beobachtendes Abendobjekt dar, denn trotz seiner Helligkeit von -1,7 mag. steht der Planet mit knapp über 5 Grad bei Sonnenuntergang doch sehr tief am Himmel (beobachtet von 51 Grad Nord).

Jupiter strebt seiner Oberen Konjunktion am 26. Oktober zu, nach welcher er als ein morgendliches Objekt von der anderen Seite der Sonne (gesehen von der Erde aus) wieder auftauchen wird.

Jupiter

Jupiter bei seiner oberen Konjunktion, 26. Oktober 2017. Image created with SkySafari for Mac OS X, ©2010-2012 by Southern Stars, www.southernstars.com.

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Saturn

Zu Beginn des Monats stellt der "Herr der Ringe" ein hervorragendes Beobachtungsobjekt dar. Obgleich der Planet tief am Südhimmel steht, beobachtet aus der Perspektive der nördlichen Hemisphäre, gibt Saturn jederzeit einen ansprechenden Anblick in Teleskopen ab, wobei Beobachter der südlichen Hemisphäre natürlich eine noch bessere Sicht auf ihn haben.

Bei einer Helligkeit von +0,5 mag. und einer Größe von 16,1 Bogensekunden im Durchmesser am 1. Oktober, bietet Saturn für die Sicht mit bloßem Auge zwar keine ganz hervorstechenden Bedingungen, seine Helligkeit ist aber immer noch höher als bei allen anderen Sternen in der gleichen Himmelsumgebung - in diesem Falle die Gefilde der Sternbilder Schlangenträger (Ophiuchus) und Schütze (Saggitarius).

Mitte des Monats hat sich bei Saturn hinsichtlich Größe und Helligkeit nichts verändert; der Planet geht knapp drei Stunden nach der Sonne unter (beobachtet von 51 Grad Nord).

Saturn

Saturn bei Sonnenuntergang, 15. Oktober 2017. Image created with SkySafari for Mac OS X, ©2010-2012 by Southern Stars, www.southernstars.com.

Ende Oktober hat Saturn immer noch seine Helligkeit von +0,5 mag., geht jetzt aber ca. 2 1/2 Stunden nach der Sonne unter. So langsam schließt sich das Beobachtungsfenster für Saturn; machen Sie also noch das Beste daraus, so lange es noch geht.

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Uraus und Neptun

Von beiden Planeten war Neptun aufgrund seiner Opposition im September klar im Fokus unserer Aufmerksamkeit gewesen; in diesem Monat steht Uranus im Vordergrund.

Am 19. Oktober hat Uranus seine Opposition im Sternbild Fische (Pisces), und der Planet präsentiert sich für den größten Teil des Monats als eine +5,7 mag. helle und mit 3,7 Bogensekunden im Durchmesser große Scheibe. Anders als bei vielen der inneren Planeten gibt es bei den beiden äußeren Gasriesen kaum nennenswerte Schwankungen bezüglich der Helligkeitswerte, selbst zur Zeit der Opposition nicht. Es ist von einem sehr dunklen Beobachtungsstandpunkt aus sicher möglich, Uranus mit bloßem Auge zu sehen, allerdings sind für eine korrekte Bestimmung des Planeten in dieser entlegenen Welt Ferngläser oder ein Teleskop besser geeignet. Und es ist wirklich eine große Entfernung - selbst in der Nacht seiner Opposition liegt Uranus überwältigende 2,83 Milliarden km von uns entfernt. Selbst bei einer Geschwindigkeit von ca. 186.000 Meilen / Sekunde benötigt das Licht des Uranus 157 Minuten, um zu seiner Opposition zu gelangen.

Uranus

Uranus in Pisces, Oppositionsnacht. Image created with SkySafari for Mac OS X, ©2010-2012 by Southern Stars, www.southernstars.com.

Neptun hat gerade seine September-Opposition hinter sich und ist fast während der gesamten Oktober-Dunkelheit für Observationen immer noch sehr gut platziert. Allerdings stellt es schon eine größere Herausforderung dar, den +7,8 mag. hellen und gerade einmal 2,3 Bogensekunden großen Planeten zu finden - obwohl es doch so einfach sein kann! Neptun liegt ungefähr ein halbes Grad südöstlich des Sterns Hydor, oder auch genannt Lambda Aquarii, ein Objekt mit einer Helligkeit von +3,75 mag. Hydor ist dabei einer von fünf Sternen, welche den "Hauptkörper" des Sternbildes Aquarius bilden. Obwohl keiner dieser Sterne heller als die dritte Helligkeitsstufe ist, kann man sie trotzdem von einem geeigneten dunklen Standort gut wahrnehmen. Und Neptun sitzt mittendrin in diesem deformierten Sternen-Pentagon, dem Stern Hydor dabei am nächsten. Zur korrekten Bestimmung von Neptun sind jedoch mindestens Ferngläser nötig, da der Planet mit bloßem Auge nicht zu sehen ist. Um die blasse Scheibe des Planeten zu erkennen, wird allerdings ein Teleskop mit hoher Vergrößerung benötigt.

Neptun

Neptun im Aquarius, 15.Oktober 2017 . Image created with SkySafari for Mac OS X, ©2010-2012 by Southern Stars, www.southernstars.com.

In den Nächten des 3. und 31. Oktober kommt der zunehmende Dreiviertelmond in diesen Teil des Himmels, und er dient dabei als nützlicher Wegweiser zur Identifizierung von Neptun - kurz nach Mitternacht, in den beiden Nächten, wird sich der Mond ungefähr 1 1/2 Grad südöstlich von Neptun aufhalten.

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Kometen

Der Komet C/2017 O1 (ASASSN) ist während des gesamten Oktobers für Observationen sehr gut platziert. Während seiner Reise nordwärts durch das Sternbild des Perseus wird er sich am Abend des 2. Oktober um den Polar herum aufhalten (beobachtet von 51 Grad Nord). Um den 16. Oktober passiert der Komet die nördliche Grenze von Perseus und kommt in die etwas blasse Konstellation des Sternbildes Giraffe (Camelopardalis). Mit der Vorhersage betreffend die visuelle Sichtbarkeit von Kometen tun sich die Experten immer schwer. C/2017 O1 liegt hierbei hart an der Grenze, wobei es so aussieht, als ob der Komet kürzlich einen Helligkeitsausbruch hatte, der seine ursprüngliche Helligkeit etwas erhöht hat. Die neuesten Beobachtungen (bei Erstellung dieses Berichtes) siedeln den Kometen jedenfalls in den oberen Bereich der Helligkeitseinschätzungen an. Falls man nicht weiterkommt in seinen visuellen Betrachtungen, dann sollte man auf ein gutes Fernglas zurückgreifen. Der Anblick von C/2017 O1 wird sich lohnen.

Comet ASSASN

Comet ASSASN – Standort für den 15. Oktober 2017. Image created with SkySafari for Mac OS X, ©2010-2012 by Southern Stars, www.southernstars.com.

Meteore

Im Oktober kommt die Erde in den Einzugsbereich des Orioniden-Meteorstroms, der dann am 21. Oktober seinen Höchststand erreicht. Er ist zwar nicht so bedeutend wie der Perseiden- Meteorschauer im August oder der Geminiden-Meteorschauer im Dezember, aber auch der Orioniden-Meteorstrom bietet einen sehr ordentlichen Anblick. In der Nacht des Höchststandes des Meteorstroms, wenn der Mond gerade über Neumond hinaus ist, müsste es für alle Beobachter möglich sein, einige der 10 bis 20 Meteore pro Stunde zu sehen, hervorgerufen durch Trümmerteile des Schuttfeldes, das übriggeblieben ist, nachdem der berühmteste aller Kometen, der Comet Halley, hier durchgezogen ist. Da ja der Mond als Lichtquelle nicht mehr stört, sollte die Gelegenheit ergriffen werden, diesen besonderen Meteorschauer zu beobachten.

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Deep Sky-Highlights in den Sternbildern Pegasus und Wassermann (Aquarius)

Pegasus und Aquarius.

Pegasus und Aquarius. Image created with SkySafari for Mac OS X, ©2010-2012 by Southern Stars, www.southernstars.com.

Von den September-Highlights, den Sternbildern Kepheus (lat. Cepheus) und Kassiopeia (lat. Cassiopeia), bewegen wir uns in südlicher Richtung und kommen zu den Konstellationen von Pegasus und Wassermann, welche eine gemeinsame Grenze haben und etliche Objekte beherbergen, die entweder "leicht" oder "nicht-so-leicht" zu beobachten sind. Obwohl sich im Sternbild Pegasus keine Hauptnebel befinden, so ist es doch eine Oase für Galaxien - vielleicht nicht in dem Ausmaß, wie sie in den Regionen der Sternbilder Jungfrau (Virgo) und Löwe (Leo) vorkommen, aber Pegasus bietet doch einige galaktische Besonderheiten, die es wert sind, näher betrachtet zu werden.

Das wohl bekannteste Merkmal von Pegasus ist auch ohne ein Teleskop sogleich zu erkennen, nämlich das berühmte Pegasus-Quadrat (auch "Herbstviereck"). Das Quadrat besteht aus den Sternen Sirrah (auch Alpheratz, arabisch für Bauchnabel), Scheat (arabisch: das Bein), Algenib (arabisch: die Flanke) und Markab (arabisch: der Sattel) und dominiert diesen Teil des Himmels, wobei es als ein nützlicher Ausgangspunkt für das Starhopping dient. Das Pegasus-Quadrat ist jedoch keine reine "Pegasus-Angelegenheit", da der Stern Sirrah (Alpheratz) genau genommen jetzt offiziell zum benachbarten Andromeda-Sternbild gehört. Wir haben hier eine ähnliche Situation wie beim Stern Elnath (Beta Tauri), der offiziell jetzt zum Sternbild Stier (Taurus) gehört, aber unter dem Namen Gamma Aurigae auch dem benachbarten Sternbild Fuhrmann (Auriga) zugeordnet war (von Johann Bayer, deutscher Astronom im 16. Jhdt.). Allerdings sind diese Konstellationen sehr selten, da sie in den modernen Sternenlisten immer noch über ihren gemeinsamen Stern aufgeführt werden.

Etwa ein Drittel des Weges entlang der Linie zwischen den tiefer liegenden Sternen des Pegaus-Quadrats, Markab und Algenib, liegt ein Objekt, welches mit bloßem Auge überhaupt nicht wahrgenommen werden kann. Dies ist die bemerkenswerte (aber nicht unbedingt spektakuläre) Pegasus-Zwerggalaxie. Das ist eine mit dem nahegelegenen Andromeda-Spiralnebel M31 verbundene Galaxie und als solche eine Nachbarin unserer Milchstraße. Mit einer Helligkeit von nur +13,2 mag. ist die Galaxie ein sehr blasses Objekt, das sich über eine ansehnliche Himmelsfläche ausdehnt und somit nur mit Hilfe der Langzeitfotografie wirklich zu entdecken ist. Zwerggalaxien sind oft (aber nicht immer) älter und einfacher als Galaxien unserer Art. Aber obwohl sie im herkömmlichen visuellen Sinne nicht besonders brilliant sind, so sind Zwerggalaxien, wie hier die Pegasus-Zwerggalaxie, Oasen für die dunkle Materie. Die Galaxie liegt 3 Millionen Lichtjahre von der Milchstraße entfernt und ist mit dem Andromedanebel M31 zyklisch interaktiv.

Bedeutend leichter zu observieren und auch besser bekannt ist ein Objekt auf der anderen Seite von Pegasus: der große Kugelsternhaufen M15. Er liegt 4 Grad nordöstlich des Sterns Enif (arabisch für "Nase") bzw. Epsilon Pegasi, und er bietet in allen Teleskopen oder Ferngläsern einen gloriosen Anblick; mit einer Helligkeit von +6,2 mag. kann er sogar, von einer geeigneten Stelle aus, mit dem bloßen Auge gesehen werden. Dieser Kugelsternhaufen wurde im September 1746 vom französisch-italienischen Astronomen Giovanni Domenico Maraldi entdeckt und 18 Jahre später von Charles Messier im Jahre 1764 katalogisiert. M15 liegt ungefähr 33.600 Lichtjahre von uns entfernt und beinhaltet um die 100.000 Sterne. Als ein sehr bekanntes Objekt ist M15 erschöpfend erforscht und studiert worden, und dabei wurde herausgefunden, dass der Sternhaufen den ersten entdeckten außergalaktischen Planetarischen Nebel enthält: Pease 1, zuerst identifiziert im Jahre 1928 vom amerikanischen Astronomen Francis G. Pease. Zusätzlich zu Pease 1 beinhaltet M15 ein Paar mitumkreisender Neutronensterne, 8 Pulsare (schnell rotierende Neutronensterne ) und zwei starke Röntgenquellen. Es wird angenommen, dass eine dieser Röntgenquellen in Wirklichkeit ein Schwarzes Loch ist, dem der erst kürzlich erfolgte Kernkollaps zugeschrieben worden ist. Kugelsternhaufen sind sowohl wunderschöne als auch erstaunliche Objekte, und es ist beinahe sicher, dass M15 noch mehr unentdeckte Eigenschaften beinhaltet.

M15

M15, Aufnahme Hubble Space Telescope (Pease 1, oben links mittig). Bildrechte: NASA/ESA, Public Domain.

Zurück im Inneren des Pegasus-Quadrats finden wir die schöne Galaxie NGC 7814, den "kleinen Sombrero" (so genannt aufgrund der Ähnlichkeit mit der Sombrero-Galaxie M104 im Sternbild Jungfrau). Die Spiralgalaxie präsentiert sich unserem Blickwinkel als eine Galaxie in Kantenstellung. Dies enthüllt eine dunkle Staubbahn, die den hellen Kern halbiert. Mit einer Helligkeit von +10,6 mag. ist die Galaxie nicht übermäßig hell, aber aufgrund ihrer kompakten Beschaffenheit kann sie mit kleineren Teleskopen sehr gut beobachtet werden. NGC 7814 ist aufgrund ihrer Nähe zum Stern Algenib (die Flanke) leicht zu finden.

NGC7814

NGC7814. Bilderechte: Hunter Wilson, Creative Commons.

 Eine weitere Galaxie in der Nähe eines der "Quadrat-Mitglieder" ist die Galaxie NGC 7479, welche knapp unter 3 Grad südlich des Sterns Markab (der Sattel) liegt. Dies ist eine der fotogensten Balkenspiralgalaxien am Himmel; sie liegt uns beinahe stirnseitig gegenüber. Sie wurde 1784 vom britischen Astronomen William Herschel entdeckt und ist mit +10,9 mag. nur wenig blasser als NGC 7814. NGC 7479 ist eine sehr aktive Galaxie - eine so genannte "Seyfert-Type-Galaxy", in welcher Sternenformationen in gewaltigem Umfang stattfinden (benannt nach dem amerikanischen Astronomen Carl Keenan Seyfert, 1911 - 1960). Die gewundene Struktur von NGC 7479 wird mittels Langzeitfotografie wunderbar herausgearbeitet - es sieht beinahe so aus, als wenn sich eine Klapperschlange durch das All winden würde!

NGC7479

NGC7479, Aufnahme :HST. Bilderechte: NASA/ESA, Public Domain.

Weiter nördlich gibt es eine faszinierende Ansammlung von Galaxien: die NGC 7331-Gruppe und das Stephans Quintett. Diese beiden Galaxien-Gruppen trennt lediglich knapp ein halbes Grad Himmel voneinander, und sie befinden sich nördlich des Sterns Matar (Eta Pegasi). Die NGC 7331-Gruppe ist dabei die auffälligere und wichtigere der beiden Galaxien-Gruppen und wurde im Jahre 1784 von William Herschel entdeckt. Als eben die wichtigere Gruppe eingestuft, hatte man NGC 7331 in Größe, Masse und Klassifizierung (Taxonomie) unserer eigenen Milchstraße gleichgestellt: nämlich als eine dichte Balkenspiralgalaxie. Allerdings weisen neueste Milchstraßen-Beobachtungen darauf hin, dass unsere Milchstraße nur zwei massive Spiralarme haben könnte, wohingegen NGC 7331 mehr Arme hat (die Spiralgalaxie NGC 6744 im Sternbild Pfau [Pavo] wird nun als der unserer Milchstraße ähnlichsten Galaxie angesehen). Hinter NGC 7331 liegen die Galaxien NGC 7340, 7336, 7335, 7327 und 7338 - von denen einige mit indirektem Sehen in geeigneten Teleskopen erkennbar sind. Mit einer Helligkeit von +9,5 mag. ist NGC 7331 die bei weitem hervorstechendste Galaxie der Gruppe und kann mit Hilfe kleinerer Teleskope beobachtet werden. Die gesamte Gruppe ist ein wirklich großartiges Ziel für die Astrofotografie, wie auch das von Mark Blundell, der regelmäßig für uns arbeitet, eingereichte Bild unten eindeutig belegt.

NGC7331

NGC7331 und Stephans Quintett. Bilderechte: Mark Blundell.

Die zweite dieser beiden Galaxien-Gruppen ist das berühmte Stephans Quintett (Stephan's Quintet). Es wurde im Jahre 1877 am Marseiller Observatorium vom französischen Astronomen Edouard Stephan entdeckt und besteht aus den Galaxien NGC 7317, 7318A, 7318B, 7319 und 7320. Stephans Quintett bedeckt eine kleine Fläche von 3,5 x 3,5 Bogenminuten am Himmel und ist gleichzeitig ein Gebiet von sowohl gewaltiger Zerstörung, da die zusammengesetzten Galaxien sich buchstäblich gegenseitig auseinanderreißen, als auch ein Gebiet von enormer Schöpfung und Erzeugung, wo die aus der Zerstörung heraus entstandenen gasreichen Materien-Schleifen zur Geburt neuer Sterne führen. 

Stephans Quintett

Der Innenbereich von Stephans Quintett, Aufnahme: Hubble Space Telescope. Bildrechte: NASA/ESA, Public Domain.

NGC 7320 wurde ursprünglich von Stephan zu Stephans Quintett gerechnet, jedoch handelt es sich bei dieser Galaxie aufgrund einer deutlich niedrigeren heliozentrischen radialen Relativgeschwindigkeit um eine nicht verwandte Vordergrundgalaxie in nur 35 Millionen Lichtjahren Entfernung, die lediglich durch die Projektion mit Stephans Quintett zusammenfällt. Zum Vergleich: die anderen Gruppenmitglieder liegen zwischen 210 und 350 Millionen Lichtjahre entfernt. Stattdessen wird heute NGC 7320C zum Quintett hinzugezählt, so dass es weiterhin fünf Galaxien sind.

Wenn wir uns südlich halten, dann kommen wir in das Sternbild des Wassermanns (Aquarius, der Wasserträger), und werden hier mit einer zwar sehr großen, jedoch ziemlich kargen Himmelsfläche konfrontiert. Obgleich sich das Sternbild des Wassermannes in Bezug auf helle Sterne äußerst bedeckt hält, so ist es doch eine Oase für Deep Sky-Objekte. Das nördlichste dieser Objekte ist der sehr schöne Kugelsternhaufen M2. Mit einer Helligkeit von +6,46 mag. ist M2 eines der helleren all dieser interessanten Objekte; M2 liegt 37.500 Lichtjahre von uns entfernt und hat eine Größe von ungefähr 175 Lichtjahren im Durchmesser. Von der Erde aus gesehen scheint M2 eine Größe von 2,1 Bogenminuten im Durchmesser zu haben und hat damit die ungefähre Größe und Helligkeit wie der benachbarte (im Sternbild Pegasus) Kugelsternhaufen M15 und dem Kugelsternhaufen M92, dem zweiten bekannten Kugelsternhaufen im Sternbild Herkules. M2 wurde 1746 von dem französisch- italienischen Kometen-Jäger Giovanni Domenico Maraldi entdeckt. Allerdings fristete M2 dann lange Jahre ein Schattendasein, bis ihn 1760, unabhängig von Maraldi, Charles Messier entdeckte und ihn in seinen Katalog mit aufnahm, wobei er ihn als einen "Nebel ohne Sterne" beschrieb. Moderne Instrumente zeigen ihn jedoch definitiv "mit Sternen", und es gibt in der Tat etliche wundervolle Sternenketten, die sich im Teleskop zeigen, sowie einige tiefe, dunkle Bahnen und Flecken, die zu der Dreidimensionalität des Objektes beitragen; man kann sie insbesonders in größeren Teleskopen erkennen. Es gibt darüberhinaus noch einen ganzen Mix von alten orangefarbenen und neuen blauen Sternen innerhalb von M2, die sich im Teleskop ganz wundervoll präsentieren.

M2

M2, Aufnahme Hubble Space Telescope. Image Credit: NASA/ESA, Public Domain.

Wenn wir uns von M2 weiter südwestlich bewegen, kommen wir zu drei schnell aufeinanderfolgenden Objekten: NGC 7009, der Saturnnebel; die Sterngruppe M73, sowie ein weiterer Kugelsternhaufen, M72. Der Saturnnebel ist ein faszinierender Planetarischer Nebel, der mit einer ansprechenden Helligkeit von +7,8 mag. und einer dabei aber kompakten Größe von 0,5 Bogenminuten in jedem Teleskop ein lohnenswertes Objekt ist. Teleskope mit einer Öffnung von 6 - 8 Zoll werden jedoch benötigt, um die zwei seitlich heraustretenden Überstände (Jets) zu erkennen, welche dem Objekt seinen bekannten Namen gegeben haben. Entdeckt wurde der Nebel am 07. September 1782 von William Herschel; es war jedoch der irische Astronom Lord Rosse, der, bei der Beobachtung von NGC 7009 im Jahre 1850, den beiden Ausbuchtungen an jeder Seite des Nebels den Namen "Saturnnebel" gab, da sie ihn an den Saturn erinnerten, wenn sich dessen Ringe uns hochkant stehend präsentieren. Obwohl sich der blau-grüne Farbton von NGC 7009 deutlich von der Farbe des Saturns unterscheidet, was man am besten per Langzeitfotografie herausfinden kann, so hat der Saturnnebel doch etwas mit einigen anderen Planeten, einschließlich des "blinkenden Planeten" (Saturn), gemeinsam: es sieht bei ihnen so aus, als ob sie auf- und abblinken würden, wenn man sie eine längere Zeit beobachtet. Das ist natürlich eine Augentäuschung, die durch den relativ hellen Zentralstern in NGC 7009 hervorgerufen wird, der das Auge des Beobachters, welches an die Dunkelheit gewöhnt ist, überfordert. Wenn der Beobachter dann seinen Blick leicht abwendet, kommt auch der Saturnnebel wieder klar zum Vorschein. Obgleich der Saturn, als "blinkender Planet", für dieses Phänomen als Paradebeispiel dient, so ist der Saturnnebel, nach Ansicht des Verfassers, in der Tat das beste Beispiel für einen "blinkenden Planetarischen Nebel". Um die feineren Details von NGC 7009 mit einer Optik zu erfassen (besonders die Ausbuchtungen), so ist mehr Öffnung sehr hilfreich, aber der Saturnnebel sollte auf jeden Fall per Teleskop ausfindig gemacht werden; er ist hell genug, um selbst mit den kleinsten Teleskopen gesehen zu werden.

Saturn Nebula

Saturn Nebula, Aufnahme: Hubble Space Telescope. Image Credit: NASA/ESA, Public Domain.

Beim nächsten Objekt stellt sich eine interessante Frage: Wann ist ein Offener Sternhaufen kein Offener Sternhaufen? Die Antwort: Wenn es sich um eine Sternengruppe handelt, wie das Objekt M73. Es liegt weniger als 2 Grad südwestlich des Saturnnebels und war seit seiner Entdeckung über die Jahre hinweg Gegenstand zahlreicher kontroverser Diskussionen. Charles Messier bezeichnete es 1780 als "ein Haufen von vier Sternen mit Nebel", obwohl dieser Nebel von anderen Beobachtern nie thematisiert worden ist. Der britische Astronom John Herschel hatte bei Hinzufügen des "Haufens" in seinen allgemeinen Katalog seine Zweifel betreffend die Bezeichnung als einen reinen Offenen Sternhaufen. Während des gesamten 20. Jahrhunderts debattierte man auf das heftigste über die wahre Beschaffenheit des Y-förmigen Objektes und darüber, ob es eine Beziehung zwischen den Sterngruppenmitgliedern gibt (der "richtige" Offene Sternhaufen wird als eine Gruppe von physikalisch gebundenen Sternen betrachtet) oder nicht. Im Jahre 2002 konnte die Angelegenheit "zu den Akten" gelegt werden, da durch Messung der Eigenbewegungen und Radialgeschwindigkeiten nachgewiesen worden war, dass es sich bei M73 weder um einen Offenen Sternhaufen noch um den Überrest eines solchen handelt, sondern um eine zufällige Fluktuation der Sterndichte auf dieser Sichtlinie. M73 ist nicht das einzige kontrovers diskutierte Objekt auf der Messier-Liste, aber es bleibt interessant festzustellen, dass es in diesem Falle so lange gedauert hat, bis man sich über die wahre Beschaffenheit des Objektes im Klaren war.

1,5 Grad westlich von M73 liegt der etwas weniger kontrovers diskutierte Kugelsternhaufen M72. Mit einer Helligkeit von +9,27 mag. ist er bedeutend blasser als M2, obgleich er nur wenig kleiner ist. M72 liegt mit 55.000 Lichtjahren beträchtlich weiter von der Erde entfernt als M2. Aufgrund der geringeren Helligkeit und der großen Entfernung benötigt man große Teleskope, um einzelne Sterne innerhalb des Haufens auflösen zu können. Mit einem 10-Zoll Reflektor macht die Beobachtung richtig Spaß, obwohl William Herschel in seinen Beobachtungsnotizen von 1783 schreibt, dass eine 150-fache Vergrößerung benötigt werden würde, um die einzelnen Sterne "einigermaßen" gut erkennen zu können.

M72

M72, Aufnahme: Hubble Space Telescope. Image Credit: NASA/ESA, Public Domain.

Zu guter Letzt reisen wir 23 Grad östlich von NGC 7252 und treffen auf den der Erde am nächsten liegenden Planetarischen Nebel NGC 7293, den Helixnebel. Warum dieser Nebel von erfahrenen Himmelsbeobachtern und Experten wie Messier und William Herschel übersehen werden konnte, ist nicht schwierig zu verstehen. Obwohl der Nebel mit einer Helligkeit von +7,59 mag. eigentlich ziemlich hell ist, so ist seine Fläche allerdings nur halb so groß wie die des Vollmondes, welcher seine Oberflächenhelligkeit doch beträchtlich ausbreitet. Schließlich wurde der Helixnebel 1824 vom deutschen Astronomen Karl Ludwig Harding entdeckt. Die Beobachtung des Helixnebels erfordert entweder ein großes Fernglas und einen sehr dunklen Standort oder aber Niedrig-Energie-Weitwinkel-Okulare und so viel teleskopische Brennweite wie nur eben möglich. Große Dobson-Teleskope sind ideale Instrumente für die Beobachtungen des Helixnebels, ganz besonders dann, wenn sie mit einem OIII-Filter gekoppelt sind. Von der Erdperspektive aus erkennen wir den Helixnebel so, als wenn wir durch eine Röhre schauen würden. Sein verlängertes Rotationsellipsoid ist beinahe an unserer Achse ausgerichtet, bei einer Distanz von 650 Lichtjahren Entfernung. Der Helixnebel ist 2,5 Lichtjahre breit und hat einen scheinbaren Durchmesser von 14,7 Bogenminuten. Es ist wirklich ein herrliches Objekt, das allerdings nur unter den besten Bedingungen gut beobachtet werden kann; bei Mondlicht sollten sie warten, bis der Mond untergegangen ist, um dann den Helixnebel zu lokalisieren. Das Warten darauf wird sich dann gelohnt haben.

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Der Helixnebel

Der Helixnebel, Bild: Hubble Space Telescope. Image Credit: NASA/ESA, Public Domain.

Ein großer Dank für den Originaltext geht an: Kerin Smith

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