Besonderheiten des Himmels für den Monat Oktober

Sky Guide

Bild kreiert mit SkySafari for Mac OS X, ©2010-2012 by Southern Stars, www.southernstars.com.

Wir befinden uns jetzt mitten in der herbstlichen Beobachtungszeit. Mit Ende der Mitteleuropäischen Sommerzeit am 30. Oktober und der Herbst-Tag und Nachtgleiche Ende September, gibt es keinen Zweifel mehr, dass der Sommer nun zur Vergangenheit gehört. Am ersten Tag des Monats geht die Sonne gegen sieben Uhr morgens auf, im  mittleren Norden geht sie gegen sechs Uhr dreißig auf, und gibt insgesamt für elfeinhalb Stunden volles Tageslicht. Im Laufe des Monats verändert sich dies. Am 31. Oktober geht die Sonne schon um sechs Uhr fünfzig auf und schon um sechzehn Uhr sechsunddreißig unter. Somit gibt es nur noch zehn Stunden und 14 Minuten lang volles Tageslicht. Dies bezieht sich auf die nördliche Hemisphäre. Im Gegensatz hierzu, steigen die Stunden des Tageslichts in der südlichen Hemisphäre im Laufe des Oktobers an. Wo immer Sie sich auch befinden, schauen Sie in den Himmel, denn auch dort gibt es Vieles zu sehen.

Der Mond

Der Mond

Die Mondphasen

Der Neumond erscheint  am 1. Oktober im  Sternbild Jungfrau ( Virgo). Dies ist dies die perfekte Zeit, um Deep-Sky-Objekte unter  Verwendung von Schmalbandfiltern zu betrachten. Am Ende des dritten Oktobers steht  der um 6,7% erleuchtete Halbmond  vier Grad über der hell  scheinenden Venus, und dies schon kurz nach  Sonnenuntergang. Um beide Ziele,  Deep-Sky-Objekte und den Mond, in der nördlichen Hemisphäre sehen zu können, benötigen Sie einen klaren Himmel und einen freien Blick zum  südwestlichen Horizont. 

Der Mond erreicht die erste Quartalsphase in Sternbild Schütze am 9. Oktober, indem er innerhalb von drei Tagen nördlich hinter den Saturn und den Mars rückt.

Am 16.Oktober erreicht der Mond die Grenze der Sternbilder Pisces-Cetus (Sternbild Fisch-Walfisch) und hat sich zu einem Vollmond entwickelt. Drei Tage später, wenn der Mond seine übliche Bahn durch die Hyaden, ein Sternhaufen im Sternbild Stier durchläuft, wird ein großes Ereignis sichtbar. Dies ist der erste „Supermoon“, genannt Perigäumsmond zum Ende des Jahres 2016. Der Grund für diesen Super-Mond ist, dass zu diesem Zeitpunkt unser Satellit die kürzeste Annäherung an die Erde auf seiner leicht exzentrischen Bahn erreicht. Der Mond erscheint an diesem Tag größer, was durch die atmosphärische Lichtbrechung bei Auf- und Untergang verstärkt wird. Eigentlich hat der Super-Mond keine wichtige Bedeutung, doch der Name ruft bei Interessierten ein Bild hervor, das sie miterleben möchten. 

Der Mond erreicht sein letztes Viertel am 22. Oktober, während er im Sternbild Zwilling ist. Im Laufe der folgenden Tage steht  unser Satellit als Halbmond  in der nördlichen Hemisphäre sehr hoch am  morgendlichen Himmel , dessen Sichel immer dünner und unser Mond somit „älter“ wird während er sich durch die Sternbilder Krebs und Löwe bewegt. 

Der Mond erreicht nun die Neumondphase am 30.Oktober, so wie zu Anfang am  ersten Oktober im Sternbild Jungfrau zu sehen war.

Die Planeten

Merkur

Für jene Beobachter, die sich in der nördlichen Hemisphäre befinden, ist der Merkur im Oktober ein tolles Objekt für den Morgen, da er sich zu dieser Zeit in einer exzellenten Lage befindet. Er besitzt eine Helligkeit von -0,7 mag, einen Durchmesser von 6,6 Bogensekunden und befindet sich wenn die Sonne aufsteigt in einer Höhe von 15°über dem Horizont, was das Auffinden des Merkurs in der Morgendämmerung vergleichbar einfach machen sollte. 

Mercury bei Sonnenaufgang

Mercury bei Sonnenaufgang, 15. Oktober 2016. Bild kreiert mit SkySafari for Mac OS X, ©2010-2012 by Southern Stars, www.southernstars.com.

Üblicherweise bleiben die Bedingungen zum Beobachten des Merkurs nicht über längere Zeit gleich, da sich der Merkur um die Sonne bewegt. Am Morgen des 11. Oktobers befinden sich Merkur und Jupiter in naher Distanz zueinander und sind weniger als 1° voneinander am Himmel entfernt, sodass sie durch Ferngläser und Teleskope mit geringer Vergrößerung schon gut sichtbar sind. Merkur scheint im Vergleich zu Jupiter zu dieser Zeit mit einer Magnitude Unterschied schwächer, besitzt aber dennoch eine Helligkeit  von -1,1 Magnituden. Dies macht es einfach, ihn am Himmel bei astronomischer Dämmerung zu erkennen.

Ab der Mitte des Monats wird es immer schwieriger den Merkur am morgendlichen Himmel zu erkennen und das, obwohl er durch seine zunehmende Helligkeit immer besser sichtbar  wird. Der Grund hierfür ist, dass sich der Winkel zwischen dem Planeten und dem Mutterstern ( unserer Sonne) verkleinert. Am 27. Oktober erreicht der Merkur eine obere Konjunktion, da er sich dann auf der entgegengesetzten Seite von der Sonne zur Erde befindet und somit für uns unsichtbar ist.

Venus

Zu Beginn des Monats Oktober besitzt die Venus eine Magnitude von -3,9 und befindet sich im Sternbild Waage. Außerdem besitzt sie einen Durchmesser von 12,2 Bogensekunden und eine beleuchtete Phase von 85,3%. Zu diesem Zeitpunkt im Monat erscheint der Planet von unserem Zentralgestirn 31° entfernt. Von der nördlichen Hemisphäre aus gesehen, ist durch den flachen Ekliptikbogen zu erkennen, dass sowohl die Sonne, als auch die Venus zu diesem Zeitpunkt in gleicher Höhe über Horizont  lokalisiert werden können. Der Höhenwinkel des Planeten liegt beim Sonnenuntergang (Standort ca. 51 Grad Nord) bei enttäuschenden sieben Grad. Beobachter in Äquatornähe und der südlichen Hemisphäre der Erde  haben zu dieser Zeit eine viel bessere Sicht auf die Venus. 

Bis zum 15. Oktober steigert sich die Leuchtkraft der Venus auf eine Magnitude von -4,0 und die erreicht einen Scheibendurchmesser von 12,9 Bogensekunden da sie sich uns nähert. Venus erreicht einen Winkelabstand von 34° zur Sonne. Im Gegensatz hierzu vermindert sich ihre Phase auf 82%.

Venus bei Sonnenuntergang

Venus bei Sonnenuntergang, 1. Oktober 2016. Bild kreiert mit SkySafari for Mac OS X, ©2010-2012 by Southern Stars, www.southernstars.com.

Am 29. Oktober liegen Venus und Saturn im Abendhimmel drei Grad voneinander entfernt. Jedoch sind beide Planeten, ausgehend von der nördlichen Hemisphäre, schwer zu beobachten (je nördlicher Sie wohnen, desto schwieriger wird es). Obwohl die Venus ein bisschen in der Horizonthöhe steigt (betrachtet von der nördlichen Hemisphäre Ende Oktober), ist die Entfernung von 37,5 Grad von der Sonne vorteilhaft für diejenigen, die weiter südlich wohnen. 

Mars

Der Mars besitzt Anfang Oktober eine Magnitude von +0,1 im Sternbild Schütze. Er ist zu diesem Zeitpunkt unter 13 Grad über Horizont und durchläuft nach Sonnenuntergang den Meridian. Der Planet zeigt aktuell eine sehr kleine Scheibe, die einige Besonderheiten enthält. Diese werden jedoch nur mit einer hohen Vergrößerung im Teleskop sichtbar. Somit ist die Erfassung von Details zu der Zeit in der nördlichen Hemisphäre  nur durch die Aufnahme empfindlicher Kamerasensoren möglich. Je südlicher Sie sich auf der Erde befinden, desto höher steht der Mars am Himmel und desto besser können Sie ihn beobachten. Am 15. Oktober besitzt der Mars eine Magnitude von +0,2 und zeigt einen Scheibchendurchmesser von 8,1 Bogensekunden. 

Der Rote Planet verschwindet ungefähr vier Stunden nach  Sonnenuntergang aus dem Blickfeld, wenn man  vor 22 Uhr (Standort ca.51 Grad Nord) beobachtet.

Mars bei Sonnenuntergnag

Mars bei Sonnenuntergnag, 15. Oktober 2016. Bild kreiert mit SkySafari for Mac OS X, ©2010-2012 by Southern Stars, www.southernstars.com.

Am Ende des Monats ist der Mars auf eine Helligkeit von +0,4 Mag verblasst und auf einen Scheibendurchmesser von 7,5 Bogensekunden geschrumpft. Außerdem ist er nördlich in die Richtung der Ekliptik gewandert und ist nun bei Sonnenuntergang auf  einer Höhe von 15 Grad über Horizont (Standort ca.  51 Grad Nord).

Jupiter

Der Jupiter ist im Monat Oktober großteils unsichtbar, da er bei seiner oberen Konjunktion am 26. September neu erscheint. Zur Mitte des Monats besitzt Jupiter eine Magnitude von minus 1,7 und sein Scheibchendurchmesser ist bei Sonnenaufgang 30,7 Bogensekunden groß. Des Weiteren steht Jupiter im Osten, wenn die Morgendämmerung beginnt, weniger als 12,5 Grad hoch (Standort ca. 51 Grad N).

Gegen Ende des Monats hat sich die Situation ein bisschen gebessert. Jupiter hat seinen Winkel zur Sonne vergrößert und ist um 27 Grad von der Sonne entfernt, wodurch er bei Sonnenaufgang 22 Grad hoch steht (Standort ca. 51 Grad N). Zu dieser Zeit besitzt Jupiter aber dennoch eine Helligkeit  von -1,7mag und einen Durchmesser von 31,2 Bogensekunden und belohnt Frühaufsteher weltweit. 

Jupiter bei Sonnenaufgang

Jupiter bei Sonnenaufgang, 31.Oktober 2016. Bild kreiert mit SkySafari for Mac OS X, ©2010-2012 by Southern Stars, www.southernstars.com.

Saturn

Am Monatsanfang steht der Saturn im Sternbild Schlangenträger und scheint durchgehend mit +0,5mag. Dies ist heller, als alle anderen Sterne, die ihn umgeben. Möchte man den Saturn von der nördlichen Hemisphäre betrachten, ist das Zeitfenster kurz, da sich der Planet am ersten Oktober zweieinhalb Stunden nach Sonnenaufgang untergeht. In Äquatornähe   und auf der südlichen Hemisphäre kann der Saturn besser betrachtet werden, da er dort noch unter 63 Grad von der Sonne entfernt ist. 

Saturn (Mars and Venus) bei Sonnenuntergang

Saturn (Mars and Venus) bei Sonnenuntergang, 1.Oktober 2016. Bild kreiert mit SkySafari for Mac OS X, ©2010-2012 by Southern Stars, www.southernstars.com.

Für die Bewohner der nördlichen Erdhalbkugel ist der Saturn am ersten Oktober bei Sonnenuntergang im südlichen Teil der Ekliptik in einer Höhe von 14,5 Grad sehr tief (Standort ca. 51 Grad N) zu sehen. Jedoch ist es trotzdem möglich einen zufriedenstellenden Blick auf den Saturn zu erhaschen, vorausgesetzt Sie besitzen ein gutes Teleskop. 

Am 15. Oktober geht  Saturn etwas mehr als zwei Stunden nach der Sonne (von 51 Grad N)  unter, ändert sich aber kaum in  Helligkeit und Winkelöffnung seiner Ringe.

Am 31. Oktober besitzt der Saturn eine Magnitude von +0,5 und geht nun 1 ¾ Stunden nach der Sonne unter und erreicht  eine Höhe von weniger als elf Grad (Standort ca. 51 Grad N) über Horizont. In der nördlichen  Hemisphäre ist es schwierig den Planeten bei Abenddämmerung zu finden. Dennoch kann die helle Venus hierbei als Zeichen für die weiter entfernten Planeten in den letzten Tagen des Monats helfen (am nächsten ist die Venus dem Saturn am 29. Oktober mit einer Entfernung von drei Grad). Zu dieser Zeit im Monat verringert sich der Abstand von Saturn und Sonne auf unter 36 Grad  und ist über einen Monat entfernt von seiner oberen Konjunktion.

Uranus and Neptun

Die äußeren Planeten Uranus und Neptun können in den benachbarten Tierkreis-Konstellationen gefunden werden: Neptun kann in dem Fall im früher aufgehenden Sternbild Wassermann und Uranus danach im Sternbild Fisch gefunden werden.

Während Neptun im September im Fokus stand, steht im Oktober Uranus im Blickfeld. Neptun ist mit dem bloßen Auge erkennbar und das obwohl er 2835 Millionen Kilometer von uns entfernt ist. Neptun besitzt eine Magnitude von +5,7 und einen Scheibchendurchmesser von 3,7 Bogensekunden.  

Uranus, Neptun und Mond

Uranus, Neptun und Mond, in der Nacht der Uranus Opposition 2016. Bild kreiert mit SkySafari for Mac OS X, ©2010-2012 by Southern Stars, www.southernstars.com.

Möchte man die äußeren Planeten betrachten, so ist dies immer ein guter Test für das  eigene Sehvermögen. Doch mit ein bisschen Zeit, Geduld und einem Zugang zu guten Sternkarten, kann man es schaffen. Uranus ist viel einfacher zu identifizieren, wenn ein Fernglas oder ein Teleskop benutzt wird.

Neptun hingegen ist ein viel schwierigeres Objekt und ist ausschließlich mit der Hilfe von Ferngläsern oder Teleskopen zu erkennen. Er hat eine Magnitude von +7,8 und einen Durchmesser von 3,2 Bogensekunden. Mit einer angemessenen Vergrößerung zeigt sich der äußerste Planet als eine blässliche blaue Scheibe.

Meteore

Die Orioniden sind besonders berühmte Meteorströme, welche zwischen dem 15./16. und dem 27.Oktober zu sehen sind. Diese Ströme sind das Äquivalent der Eta-Aquariiden im April/Mai, da sie beide aus der Materiedes Halleyschen Kometen entstehen.  

Die Orioniden erreichen ihr Aktivitätsmaximum am 21.Oktober (dieses Datum kann durch den Gravitationseinfluss von großen Körpern, wie Jupiter, variieren). Sie geben uns eine sog. zenitale stündliche Rate von ungefähr 20, nicht zu vergleichen mit den beiden größten Meteorströmen, den Perseiden und Geminiden mit 60-120 Schnuppen pro Stunde ( ZHR ). Leider befindet sich zu diesem Zeitpunkt der zu 60% beleuchtete zunehmende Mond nördlich des Radianten im Sternbild Zwillinge. Einige der am hellsten aufleuchtenden Meteore können am frühen Abend vor dem Mondaufgang gesehen werden, jedoch schaffen es, sobald der Mond aufgegangen ist, ausschließlich die hellsten Meteore dem Mondlicht Paroli zu bieten. Des Weiteren kann man mit Sicherheit sagen, dass das Jahr 2016 kein klassisches Jahr zum Beobachten von Orioniden sein wird.

Deep Sky Beobachtung in Pegasus

Wandern wir weiter nördlich von den Deep-Sky Besonderheiten des Monats September in den Sternenbildern Wassermann und Steinbock, gelangen wir zu dem Sternbild Pegasus. In diesem Sternbild können sowohl einfach zu findende Objekte aufgespürt werden, als auch schwierig zu entdeckende. Weiter unten befindet sich eine Übersicht dieser interessanten Region.

Weitere Sternbilder in der Umgebung von Pegasus

Weitere Sternbilder in der Umgebung von Pegasus. Bild kreiert mit SkySafari for Mac OS X, ©2010-2012 by Southern Stars, www.southernstars.com.

Auch wenn in Pegasus zu beobachtende Nebel fehlen, ist das Sternbild ein Hafen für Galaxien. Vielleicht nicht in dem Ausmaß, wie wir es schon früher in diesem Jahr in den Sternbildern Jungfrau und Löwe gesehen haben, aber dennoch befinden sich dort viele galaktische Ziele, die es Wert sind erwähnt zu werden. Die bekannteste Besonderheit des Sternbilds Pegasus, das Quadrat, ist ohne Teleskop leicht zu erkennen. Es besteht aus den Sternen Alpheratz (arabisch für Nabel), Scheat (arabisch für Bein), Algenib (arabisch für Flanke/Seite) und Markab (arabisch für Schulter). Das Quadrat des Pegasus kann in diesem Bereich des Himmels als Orientierung gut für das sog. Starhopping verwendet werden. Jedoch gehört das Quadrat des Pegasus‘ nicht ausschließlich nur zu ihm. Zum Beispiel gehört der Stern Alpheratz ebenso zu dem benachbarten Sternbild Andromeda. Ein weiteres Beispiel wäre der Stern Elnath, der zu dem Sternbild Stier und dem Sternbild Fuhrmann gehört. Diese Konstellationen sind eher selten und werden auf modernen Sternkarten mit ihren verbundenen Sternen angezeigt.

 Ein weiteres Objekt, welches nicht für das bloße Auge sichtbar ist, liegt auf der Linie zwischen den unteren Sternen des Quadrats, Markab und Algenib. Hierbei handelt es sich um die auffallende, wenn auch unspektakuläre Zwerggalaxie des Pegasus. Diese ist mit der Galaxie M31 verbunden, der Andromedagalaxie, und ist daher ein Nachbar unserer Milchstraße. Die Zwerggalaxie ist ein blasses Objekt mit einer Magnitude von +13,2 und zeigt eine mäßig großen Ausdehnung am Himmels. Zwerggalaxien sind oft, aber nicht immer, älter und einfacher aufgebaut als Galaxien, wie die unsere. Während sie visuell nicht so herausragend erscheinen, sind Zwerggalaxien, wie die Galaxie des Pegasus‘, ein Hafen für  dunkle Materie.

Die Zwerggalaxie des Pegasus‘ liegt drei Millionen Lichtjahre von der Milchstraße entfernt und befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft mit M31 . 

Ein einfacher zu entdeckendes und bekannteres Objekt befindet sich auf der anderen Seite des Sternbildes Pegasus: der große Kugelhaufen M15. Gefunden werden kann er vier Grad nord-östlich des Sterns Enif (arabisch für Nase), auch Epsilon Pegasi genannt. M15 ist ein herrliches Objekt in jedem Teleskop oder Fernglas und kann mit einer Magnitude von +6,2 in geeigneter dunkler Beobachtungsumgebung  auch mit dem bloßen Auge wahrgenommen werden. Dieser Kugelhaufen wurde im September 1746 von Maraldi entdeckt und 18 Jahre später von Messier katalogisiert. M15 enthält ungefähr 100.000 Sterne und ist 33.600 Lichtjahre entfernt. Da es sich bei M15 um ein sehr bekanntes Objekt handelt, wurde es schon gründlich untersucht. Hierbei wurde entdeckt, dass es den ersten extragalaktischen planetarischen Nebel, der jemals gefunden wurde, enthält. Dieser heißt Pease 1 und wurde erstmals im Jahr 1928 identifiziert. Zusätzlich besitzt der Kugelhaufen M15 ein Paar sich  umkreisender Neutronensterne, acht Pulsare und zwei starke Röntgenstrahlenquellen. Es wurde vermutet, dass einer dieser beiden Quellen ein Schwarzes Loch ist, das für den letzten Kernzerfall des M15 verantwortlich ist. Kugelhaufen sind sowohl schöne, als auch faszinierende Objekte und der Kugelhaufen M15 enthält noch mehr als die bis jetzt entdeckten Geheimnisse. 

M15, der große Kugelsternhaufen in Pegasus

M15, der große Kugelsternhaufen in Pegasus. Bildrechte: Hubble Space Telescope, NASA/ESA. Image Public Domain.

Zurück zu dem Quadrats des Pegasus, liegt in seinem Inneren die Galaxie NGC7814. Diese wird auch „Little Sombrero“ genannt wird, da sie der Sombrero Galaxy M104 ähnelt. NGC7814 ist eine edge-on Spirale ( man sieht auf den Rand der Galaxie), das bedeutet, dass sie eine hohe Schräglage aufweist. Dies offenbart ein schwarzes Staubband, das einen hellen Kern halbiert. Mit einer Magnitude von +10,6 ist diese Galaxie nicht sehr hell, doch aufgrund ihrer kompakten Erscheinung, kann sie trotzdem in kleinen Teleskopen gut gesehen werden. Des Weiteren kann die Galaxie NGC7814 durch ihre Nähe zu dem Stern Algenib gut gefunden werden. 

NGC7814

NGC7814. Bildrechte: Hubble Space Telescope, NASA/ESA. Image Public Domain

Eine weitere Galaxie, welche nah zu dem Quadrat des Pegasus liegt, ist die Galaxie NGC7479. Sie liegt weniger als  drei Grad südlich des Sterns Markab. Diese ist eine der fotogensten Balkenspiralgalaxien im Himmel. Sie wurde 1784 von William Herschel entdeckt und ist mit einer Magnitude von +10,8 ein bisschen blasser als die Galaxie 7814. NGC7479 ist eine sehr aktive Galaxie, in der viele Sternbildungsprozesse stattfinden. Die gewundene Struktur der Galaxie NGC7479 kann sehr schön in langzeitbelichteten Fotos aufgenommen werden. Es sieht fast so aus, als würde sie wie eine Klapperschlange durch das Weltall gleiten! 

NGC7479

NGC7479. Bildrechte: Hunter Wilson, Creative Commons.

Weiter nördlich befindet sich eine faszinierende Ansammlung von Galaxien: die NGC7331 Gruppe und Stephans Quintett. Diese beiden Gruppen von Galaxien sind nur  ein halbes Grad voneinander entfernt und können nördlich des Sterns Matar gefunden werden. Die NGC7331 Gruppe ist die auffälligere von den beiden und ihre wichtigsten Mitglieder wurden im Jahr 1784 von William Herschel zuerst entdeckt. Die wichtigste Galaxie NGC7331 wurde im Vergleich zu unserer eigenen Milchstraße als sehr klein und mit geringer Masse klassifiziert. Zusammengefasst handelt es sich um eine sog. Balkenspirale. Die meisten neuen Untersuchungen der Milchstraße deuten an, dass es eventuell nur zwei Spiralarme gibt, wohingegen NGC7331 mehr besitzt (NGC6744 im Sternbild Pfau wird nun als das nächste Gegenstück zur Milchstraße angesehen). Hinter NGC7331 liegen die NGCs 7340, 7336, 7335, 7327 und 7338, welche durch indirektes Sehen ( eine Blicktechnik) in Teleskopen mit einer angemessenen Größe entdeckt werden können. Die Galaxie NGC7331 ist mit Abstand die bekannteste Galaxie aus der Gruppe und kann mit einer Magnitude von +9,5 auch in kleineren Teleskopen gesehen werden. Dennoch ist die gesamte Gruppe ein großes Ziel in der Astrophotographie.   

NGC7331 Gruppe und Stephan's Quintett.

NGC7331 Gruppe und Stephan's Quintett. Bildrechte: Mark Blundell

Die zweite Galaxie der beiden Gruppen ist das bekannte Stephans Quintett. Diese wurde im Jahr 1877 in der Sternwarte in Marseille von Eduard Stephan entdeckt. Das Quintett besteht aus den NGCs 7317, 7318, 7318A, 7318B, 7319 und 7320 (genau genommen handelt es sich also um ein Sextett, da 7318A und 7318B getrennte Galaxie-Kerne besitzen). Stephans Quintett nimmt einen kleinen Bereich von 3,5’ x 3,5‘ am Firmament ein. Hierbei handelt es sich um einen  eine Region mit großer Zerstörungskraft, da sich die einzelnen Galaxien gegeneinander auseinander reißen wollen und gleichzeitig handelt es sich um einen gewaltigen Bereich der Schöpfung, wobei stark erhitzte dynamische Materie und Gase freigesetzt werden und zur Geburt neuer Sterne beitragen. Die Galaxie NGC7320 erscheint als ein unabhängiges Objekt im Vordergrund, das mit 39 Millionen Lichtjahren Distanz viel näher zu uns liegt, als die anderen Mitglieder des Quintetts, die 210-350 Millionen Lichtjahre entfernt liegen.

Oben stehen die relativen Positionen und Skalen der beiden Gruppen. NGC7331 ist eindeutig das größte und hellste Mitglied der beiden Gruppen und kann bereits mit einer geringen Teleskopöffnung entdeckt werden. Dahingegen kann das Stephan Quintett, bestehend aus Mitgliedern mit einer Magnitude von +12,5 bis +13,6 ab einer Öffnung  von 10 Zoll ( 25,4 cm) oder mehr beobachtet werden.

Jedoch zeigt nur die Astrophotographie die wirkliche zerstörerische und erschaffende Großartigkeit des Quintetts.

Stephan's Quintet.

Stephan's Quintet. Bildrechte: Hubble Space Telescope, NASA/ESA. Image Public Domain.

Vielen Dank für den Originaltext aus dem Englischen von: Kerin Smith

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