Sky Guide für November

SkySafari

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Das Sonnensystem

Der Mond

Der Mond eröffnet den November im Sternbild Walfisch (Cetus) als zunehmender Dreiviertelmond, ungefähr zu 92% beleuchtet. Am 4. November wird er zum Vollmond und befindet sich jetzt an der Grenze zwischen den Sternbildern Walfisch und Widder (Aries), wobei er gegen 16.45 Uhr am Spätnachmittag aufgeht (beobachtet von 51 Grad Nord) und am folgenden Morgen kurz nach 07.45 Uhr untergeht. Diese Ausgangslage bedeutet allerdings zwangsläufig, dass die ersten Novembertage für Deep Sky-Beobachtungen oder die Astrofotografie ohne den Einsatz von zumindest Schmalbandfiltern nicht sehr gut geeignet sind.

Am 10. November wird der Mond zum abnehmenden Halbmond, wobei er im Sternbild Löwe (Leo) ziemlich hoch am Himmel steht (beobachtet aus der Perspektive der nördlichen Hemisphäre). Obwohl er sich zu diesem Zeitpunkt im Jahr bereits über dem Punkt hinaus befindet, an dem er sich den Beobachtern der gemäßigten nördlichen Hemisphäre als der morgens am höchsten stehende herbstliche Sichelmond präsentiert, so ist dieser Zeitpunkt jedoch immer noch eine gute Gelegenheit, die westlichen Mondausläufer zu beobachten, sofern Sie Frühaufsteher sind.

Am Morgen des 15. November, vor Tagesanbruch, finden wir den schmalen Altsichelmond knapp 3 1/3 Grad östlich von Mars im Südosten, zu etwa 10% beleuchtet. Und am Morgen des 17. November, kurz vor Sonnenaufgang, finden wir den Mond tief im Südosten, zusammen mit Jupiter und Venus ein Dreieck bildend.

Der Mond

Der Mond und umgebende Planeten, vor der Dämmerung, 15. November. Image created with SkySafari for Mac OS X, ©2010-2012 by Southern Stars, www.southernstars.com.

Am 19. November zeigt sich die Mondsichel erstmals als Neumond tief in der Abenddämmerung, wenn sie in der östlichen Hälfte des Sternbildes Jungfrau (Virgo) auf die Sonne trifft. Nach diesem Zeitpunkt im Monat wird der Mond zum Abendobjekt, das am 20. November, kurz nach Sonnenuntergang und tief am Himmel stehend, mit den Planeten Merkur und Saturn zusammenkommt.

Der Mond setzt seine Reise durch die südlichen Teile der Ekliptik fort und wandert dabei durch die Sternbilder Waage (Libra), Schlangenträger (Ophiuchus), Skorpion (Scorpius), Schütze (Sagittarius) und Steinbock (Capricornus), wobei er dann am 26. November im Sternbild Wassermann (Aquarius) zum zunehmenden Halbmond wird.

Der Mond beendet den November an der Grenze der Sternbilder Walfisch (Cetus) und Fische (Pisces) als zunehmender Dreiviertelmond, der zu 84% beleuchtet ist.

Die Planeten

Merkur

Unser innerster Planet beginnt den November als ein mit -0,4 mag. doch relativ helles Objekt im Sternbild Waage. Obwohl Merkur mit knapp über 14 Grad ziemlich weit von der Sonne entfernt ist, so steht der Planet bei Sonnenuntergang doch recht tief am Himmel und ist in der Abenddämmerung ein schwierig aufzufindender Fleck, der bei Sonnenuntergang knapp über zwei Grad hoch am Himmel steht (beobachtet von 51 Grad Nord).

Merkur bewegt sich im weiteren Monatsverlauf auf seinen größten östlichen Abstand von der Sonne zu, den er am 24. November erreicht. Dadurch aber, dass sich die Sonne und Merkur im Süden der Ekliptik befinden, auch während des letzten Teils des Monats, steht für die Beobachter in der gemäßigten nördlichen Hemisphäre Merkur sehr tief am westlichen Horizont, wobei der Planet bei Sonnenuntergang am 15. November nur eine Höhe von 4 Grad erreicht (beobachtet von 51 Grad Nord). Für Beobachter der südlicheren äquatorialen Regionen der Erde und in der südlichen Hemisphäre ist der Planet allerdings besser platziert. Zum Zeitpunkt des größten östlichen Abstandes von der Sonne steigt der Planet auf knapp über 5 Grad Höhe an (erneut beobachtet von 51 Grad Nord).

Merkur beendet den November mit einer Helligkeit von -0,0 mag. im Sternbild Schütze, wobei er sich bei Sonnenuntergang knapp unter dem Saturn befindet.

Merkur und Saturn

Merkur und Saturn, Sonnenuntergang, 30. November. Image created with SkySafari for Mac OS X, ©2010-2012 by Southern Stars, www.southernstars.com.

Venus

Mit einer Helligkeit von -3,9 mag. am 1. November ist Venus nach wie vor ein leicht zu erkennendes Objekt am Morgenhimmel. Beleuchtet zu 96%, befindet sich unser Nachbarplanet bei Sonnenaufgang knapp über 13 Grad hoch am Himmel (beobachtet von 51 Grad Nord), was ihn zu einem niedrigstehenden aber immer noch ziemlich unkompliziert zu beobachtenden Objekt macht, gesehen aus der Perspektive der gemäßigten nördlichen Hemisphäre. Am 1. November sind Venus und die Sonne ungefähr 17 Grad voneinander entfernt.

Am Morgen des 13. November kommt Venus in eine sehr nahe Konjunktion mit Jupiter, wobei die Planeten ungefähr 1/4 Grad voneinander entfernt sind. Beide Objekte können leicht zusammen in einem Bildausschnitt mit einem Teleskop kleinerer Brennweite mit einem Standardokular beobachtet werden, wobei dieser Anblick auch mit Ferngläsern gut zu beobachten ist. Jupiter ist mit einer Helligkeit von -1,7 mag. und einer Größe von 30,8 Bogensekunden weniger hell, hat aber eine höhere Winkelgröße als Venus. Den Moment die dritt- und viertgrößten Objekte am Himmel so nahe beieinander zu finden sollte nicht verpasst werden.

Venus und Jupiter

Venus und Jupiter in Konjunktion, 13. November – simulierter Blick durchs Teleskop. Image created with SkySafari for Mac OS X, ©2010-2012 by Southern Stars, www.southernstars.com.

Mitte November hat Venus bei Sonnenaufgang ein wenig an Höhe verloren (der Planet steht noch knapp über 10 Grad hoch, beobachtet von 51 Grad Nord), jedoch nicht an Helligkeit, die immer noch die gleiche ist wie am Monatsanfang.

Im November verliert Venus beständig an Höhe während seines Abgleitens hin zur Sonne. Zum Monatsende hin hat der Planet zwar nicht an Helligkeit verloren, steht jedoch jetzt bei Tagesanbruch ungefähr 6 Grad hoch am Himmel (beobachtet von 51 Grad Nord). Zu diesem Zeitpunkt sind Venus und die Sonne knapp unter 10 Grad voneinander entfernt.

Mars

Mars beginnt den November als morgendliches Objekt im Sternzeichen Löwe. Mit einer Helligkeit von +1,8 mag und mit einer Größe von gerade einmal 3,9 Bogensekunden im Durchmesser ist der Planet zu dieser Zeit allerdings kein besonders ansehnliches Beobachtungsziel. Die Nachbarschaft zur Sonne, am 1. November knapp unter 33 Grad Entfernung, macht es zwar relativ einfach, Mars aufzufinden, auch unterstützt durch die nahe, südöstlich liegende helle Venus; wenn der Planet dann allerdings einmal gefunden ist, so ist sein Anblick durch ein Teleskop aufgrund seiner geringen Größe und seiner relativ niedrigen Helligkeit doch eher enttäuschend.

Mars

Mars wird begleitet durch die hellere Venus, Dämmerung, 1. November. Image created with SkySafari for Mac OS X, ©2010-2012 by Southern Stars, www.southernstars.com.

Auf unserer schnelleren inneren Umlaufbahn holen wir Mars langsam ein, aber das ist doch ein ziemlich langwieriger Prozess. Die Opposition mit Mars, unsere nächste engste Annäherung an den Planeten, wird nicht vor Ende Juli 2018 stattfinden. Wir müssen noch einen langen Weg gehen, bevor der Rote Planet ein wirklich interessantes Beobachtungsobjekt für uns wird.

Zur Monatsmitte hin hat sich, was Mars betrifft, nicht viel geändert. Seine Helligkeit hat sich nach +1,7 mag. erhöht und sein Winkeldurchmesser beträgt nun 4,1 Bogensekunden.

Ende November steht Mars bei Sonnenaufgang knapp über 28 Grad hoch am Himmel (beobachtet von 51 Grand Nord), wobei der Planet immer noch eine Helligkeit von +1,7 mag. aufweist und eine Größe von 4,2 Bogensekunden im Durchmesser hat.

Jupiter

Jupiter ist dabei, von seiner Oberen Konjunktion wieder am Morgenhimmel zu erscheinen, und es ist deshalb bis zum Ende der ersten Novemberwoche schwierig, ihn zu beobachten.

Wie vorher schon angedeutet, kommen Jupiter und Venus am Morgen des 13. November in eine sehr enge Konjunktion, was ein außergewöhnlicher Anblick in jedem Instrument sein wird. 

Zur Monatsmitte hin steht Jupiter bei Sonnenaufgang 11 1/2 Grad hoch am Himmel (beobachtet von 51 Grad Nord), bei einer Helligkeit von -1,7 mag.

Ende November hat der Planet immer noch die gleiche Helligkeit, steht jedoch jetzt, als Resident des Sternbildes Waage, bei Sonnenaufgang knapp über 18 Grad hoch am Himmel (erneut beobachtet von 51 Grad Nord).

Saturn

Während des gesamten Novembermonats ist der Herr der Ringe ein abendliches Objekt. Obgleich Saturn tief im Süden des Himmels steht, gesehen aus der Perspektive der nördlichen Hemisphäre, ist der Planet doch immer ein erfreulicher Anblick in Teleskopen, wobei natürlich Beobachter der südlichen Hemisphäre den Planeten unzweifelhaft besser sehen als wir hier.

Saturn bei Sonnenuntergang

Saturn bei Sonnenuntergang, 1. November. Image created with SkySafari for Mac OS X, ©2010-2012 by Southern Stars, www.southernstars.com.

Mit einer Helligkeit von +0,5 mag. und einer Größe von 15,5 Bogensekunden im Durchmesser am 1. November ist Saturn schwerlich ein umwerfender Anblick für das bloße Auge, ist aber immer noch heller als jeder andere Stern in diesem Teil des Himmels - in diesem Fall die Region der Sternzeichen Schlangenträger und Schütze. Der Planet geht ungefähr 2 1/2 Stunden nach der Sonne unter (beobachtet von 51 Grad Nord).

Mitte des Monats hat der Planet immer noch die gleiche Größe und Helligkeit und geht jetzt knapp zwei Stunden nach der Sonne unter (erneut beobachtet von 51 Grad Nord).

Zum Monatsende hin hat Saturn immer noch eine Helligkeit von +0,5 mag. und geht jetzt ungefähr 1 1/4 Stunden nach der Sonne unter. Zu diesem Zeitpunkt kann man Saturn nur noch flüchtig beobachten, da er seiner Oberen Konjunktion im Dezember zueilt.

Uranus und Neptun

Während des gesamten Novembers sind sowohl Uranus als auch Neptun für abendliche Observationen sehr günstig positioniert, und zwar in den Sternzeichen Fische (Uranus) und Wassermann (Neptun).

Der zunehmende Mond

Der zunehmende Mond erscheint zwischen Uranus und Neptun, früher Abend, 1. November. Image created with SkySafari for Mac OS X, ©2010-2012 by Southern Stars, www.southernstars.com.

Mit einer Helligkeit von +5,7 mag. und einer Größe von 3,7 Bogensekunden im Durchmesser ist Uranus, wie immer, von beiden der hellere und am leichtesten aufzufindende Planet. Uranus liegt im zentralen "V" der Sterne im Sternzeichen Fische und kann relativ leicht, von einer günstigen Position aus, gefunden werden. Am Abend des 2. November dient der Mond als angenehmer Wegweiser hin zur Position von Uranus, wenn nämlich beide Objekte beinahe gleichzeitig den Himmel durchqueren, gesehen von sowohl einer europäischen als auch afrikanischen Beobachtungsperspektive. Der Mond steht dabei ungefähr 5 1/4 Grad südlich des Uranus.

An den Abenden des 26. und 27. November kann der Mond auch als nützlicher Wegweiser zur Lokalisierung des Neptun dienen. Am 26. steht der Mond 6 3/4 Grad westlich von Neptun, und am nächsten Abend steht der Mond im gleichen Abstand östlich von Neptun.

Mit einer Helligkeit von +7,9 mag. und einer Größe von 2,3 Bogensekunden im Durchmesser ist Neptun doch bedeutend blasser als Uranus, und man benötigt schon ein geeignetes Fernglas, um Neptun positiv zu identifizieren. Der Anblick in größeren Teleskopen zeigt den Planeten als eine deutlich blau gefärbte Scheibe, die einem Planetarischen Nebel ähnelt. Es stellt jedoch immer noch eine große Herausforderung dar, den Planeten ohne den Gebrauch von Teleskopen mit einer "Goto"-Vorrichtung (eine automatische Zielvorrichtung) und exakten Sternenkarten aufzufinden. Aber wenn man Neptun einmal gefunden hat, dann ist der Planet unverkennbar. Sie schauen dann auf den am entferntesten liegenden echten "Planeten" (der Planet Pluto wurde ja zurückgestuft) in unserem Sonnensystem. Es gibt sicher Hinweise darauf, dass es angemessen große Planeten gibt, die außerhalb der Reichweite von Pluto, Eris, Sedna und den Zwergplaneten unseres äußeren Sonnensystems liegen, aber die Tatsache, dass diese Planeten bisher unentdeckt geblieben sind (falls sie existieren), trotz Einsatzes der größten in Menschenhand befindlichen Teleskope, bedeutet doch, dass Neptun, soweit es unser Sonnensystem betrifft, auch die Grenze unseres planetarischen Sonnensystems darstellt. Falls es da draußen große unentdeckte Planeten geben sollte, so werden Sie diese sicher nicht mit Ferngläsern sehen können - geben Sie also der Entdeckung von Neptun eine Chance!

Kometen

Der Komet C/2017 O1 (ASASSN) ist während des gesamten Novembers für Observationen sehr gut platziert, während er nordwärts durch die Sterne des blassen Sternbildes der Giraffe (Camelopardalis) reist. Der Komet hat die Grenzen seiner visuellen Sichtbarkeit (eine sehr gute Beobachtungsposition vorausgesetzt) im letzten Oktober-Drittel wahrscheinlich erreicht, aber mit der Vorhersage betreffend die visuelle Sichtbarkeit von Kometen tun sich die Experten immer schwer. Es sieht so aus, als ob der Komet kürzlich einen Helligkeitsausbruch hatte, der seine ursprüngliche Helligkeit etwas erhöht hat. Die neuesten Beobachtungen (bei Erstellung dieses Berichtes) siedeln den Kometen jedenfalls in den oberen Bereich der Helligkeitseinschätzungen an. Falls man nicht weiterkommt in seinen visuellen Betrachtungen, dann sollte man auf ein gutes Fernglas zurückgreifen. Der Anblick von C/2017 O1 wird sich lohnen.

Nach dem 15. November überquert der Komet die Grenze hin zum nördlichen Sternbild Kepheus (lat. Cepheus) und befindet sich am Monatsende einige Grade vom Sternbild Polaris entfernt.

Meteore

Es gibt zwei bemerkenswerte Meteorschauer im November: zum einen die Südlichen Tauriden (Southern Taurids) und zum anderen die besser bekannten Leoniden. Während beide Meteorschauer ihren ZHR-Höchststand bei 10 - 20 Meteoren haben (ZHR = die Anzahl der sichtbaren Meteore pro Stunde), wird der Meteorschauer der Südlichen Tauriden, der um den 5. November herum im Sternbild Stier (Taurus) sein Maximum erreicht, noch stark vom Mondlicht beeinflusst, das als abnehmender Dreiviertelmond im benachbarten Sternbild Zwillinge gerade über den Vollmond-Status hinaus ist.

Eine bessere Beobachtungsperspektive ist der Meteorschauer der Leoniden, dessen Maximum am 17. und 18. November erreicht wird und mit dem Neumond zusammenfällt.

Die Leoniden sind berühmt für ihre Helligkeitsausbrüche, welche ihre Maximum gewöhnlich alle 33 Jahre haben, und damit zeitlich gekoppelt an die Wiederkehr ihres Ursprungskometen, dem 55/P Tempel Tuttle, der dann das orbitale Schuttfeld wieder auffüllt, welches den Meteorschauer füttert. Diese Ausbrüche können im besten Falle zu Höchstwerten von Tausenden von Meteoren pro Stunde führen.

In diesem Jahr scheinen wir allerdings, was die Leoniden angeht, in einer Art Talsohle zu liegen, denn wir können höchstens mit einem ZHR-Höchststand von 10 - 20 Meteoren rechnen. Da wir aber ungefähr in der Mitte des 33-Jahr-Zyklus' liegen, konnte mit diesem eher mäßigen ZHR-Wert gerechnet werden, obgleich dieser Wert an die Ausbrüche der Perseiden- und Geminidenschauer der Jahre 2009 und 2012 heranreicht. Diese Höchstwerte rührten von der Begegnung der Erdbahn mit verdampftem Material her, welches von früheren Durchgängen des Kometen Tempel Tuttle abgelagert worden waren. Und in der Tat, der wohl verblüffendste Meteorsturm, der je aufgezeichnet wurde, nämlich der von 1833, der in der erstaunlichen ZHR-Anzahl von geschätzten 250.000 Meteoren resultierte, hatte nichts mit der Wiederkehr des Tempel Tuttle zu tun, sondern mit dem enormen Schuttfeld aus dem Jahre 1800.

Wie bereits erwähnt, ist der ZHR-Ausstoß der Leoniden in diesem Jahr sicher nicht der höchste, aber die Beobachtungsbedingungen, gutes Wetter an ihrem Beobachtungsplatz vorausgesetzt, sollten ideal sein, da sich der Mond zu diesem Zeitpunkt nicht zeigt.

Leoniden-Radiant

Leoniden-Radiant – 17.-18. November 2016. Image created with SkySafari for Mac OS X, ©2010-2012 by Southern Stars, www.southernstars.com.

Deep Sky-Höhepunkte in den Sternbildern Perseus, Andromeda und Triangulum

Perseus, Andromeda und Triangulum

Perseus, Andromeda und Triangulum. Image created with SkySafari for Mac OS X, ©2010-2012 by Southern Stars, www.southernstars.com.

Wir beginnen den November im südlichen Teil des Sternbildes Perseus, in welchem der Offene Sternhaufen M34 beheimatet ist. M34 ist ein originärer Teil des Messier-Kataloges und wurde Mitte des 16. Jahrhunderts zuerst vom italienischen Astronomen Giovanni Battista Hodierna entdeckt. Hodierna wurde 1597 in Ragusa, Sizilien, geboren, und verbrachte die meiste Zeit für seine Observierungen am Hofe des Herzogs von Montechiaro auf Sizilien. Hodierna war zu seiner Zeit ein führender visuellerBeobachter, der einen Vorläufer des Messier-Kataloges über Deep Sky-Objekte erstellte. M34 war auch Teil seines Kataloges, obwohl Messier den Sternhaufen, unabhängig von Hodierna, 1764 entdeckte und in seinen Katalog mit aufnahm. Der Sternhaufen kann mit Ferngläsern leicht ausgemacht werden; er bedeckt eine Himmelsfläche, die ungefähr der Fläche des Vollmondes entspricht. Der Sternhaufen ist mit +5,19 mag. relativ hell, und er beinhaltet zwischen 80 und 100 mit mittleren Teleskopen beobachtbare Sterne (eigentlich gibt es ca. 400 Sterne, die aber größtenteils mit Amateur-Teleskopen nicht beobachtet werden können). Präzise professionelle Beobachtungen der Sternhaufenbewegungen von M34 lassen darauf schließen, dass es sehr wahrscheinlich ist, dass M34, die benachbarten Pleiaden sowie eine weitere Anzahl von nahegelegenen Sternhaufen, eine gemeinsame Winkelbewegung aufweisen, was wiederum auf einen gemeinsamen Ursprung hinweist. M34 liegt ca. 1400 - 1500 Lichtjahre von uns entfernt.

M34

M34. Image Credit: Ole Nielsen - Creative Commons.

Östlich von M34 liegt ein anspruchsvolleres Objekt, NGC 1275, oder die Perseus-A-Galaxie. Mit einer Helligkeit von +11,89 mag. ist sie eigentlich keine helle Galaxie, aber ein sehr kompaktes Objekt, das in mittleren bis größeren Teleskopen gut zu sehen ist. Dieses Objekt ist eigentlich ein Galaxien-Paar, welches sich durch eine Kollision zu einer größeren Galaxie geformt hat, die übersät ist mit Sternen und dunkler Materie, die höchstwahrscheinlich ausgestoßen wurden von dem supermassereichen Schwarzen Loch im Herzen des System. Perseus-A ist eine Seyfertgalaxie (Spiralgalaxie, vom amerikanischen Astronomen C. K Seyfert in den 1940iger Jahren entdeckt), die eine starke Strahlung über weite Teile des elektromagnetischen Spektrums aussendet, u. a. auch Radiowellen; dies läßt auf eine große Menge an Sternenformation schließen. NGC 1275 liegt ca. 235 Millionen Lichtjahre von uns entfernt und ist eines der berühmtesten Mitglieder des Perseus Galaxienhaufens, der diese Himmelsregion bedeckt und zu den ausgedehntesten Strukturen im uns bekannten Universum gehört.

Fünf Grad westlich von M34 liegt der wohl berühmteste bedeckungsveränderliche (verändert innerhalb von wenigen Tagen seine scheinbare Helligkeit) Doppelstern am Himmel, Algol, oder auch Beta Persei. Algol stellt das Auge im Kopf der Medusa (eine der Gorgonen) dar, deren Blick all diejenigen zu Stein verwandelte, die sie angeblickt hatten. Nach der Legende hielt Perseus das strenge Gesicht Medusas hoch zu dem Seemonster Cetus (griech. Sage) und rettete dadurch Andromeda, denn Cetus wurde zu Stein verwandelt, und Perseus konnte Andromeda von dem Felsen befreien, an dem sie angekettet war. Algols Name stammt aus dem Arabischen, "ra's al-ghul", und bedeutet soviel wie "Kopf des Dämon". Allerdings gibt es noch weitere unglücklich klingende Namen. Im Hebräischen ist Algol als "Rosh ha Satan", "Satans Kopf", bekannt, und ein Text aus dem 16. Jahrhundert bezeichnet Algol als "Caput Larvae", was soviel wie "Gespensterkopf" bedeutet. Aber der Preis für den wohl unglücklichsten Namen sollte an die alte chinesische Bezeichnung "Tseih She" oder "Jishi" gehen, welche "Leichenberg" bedeutet, obgleich diese Bezeichnung jetzt dem Stern Pi Persei zugeschrieben wird. Trotzdem, Algol war Teil der alten chinesischen Konstellation des Grabes bzw. des Mausoleums. Aber welche Kultur auch immer Algol versucht zu beschreiben, der gefundene Name scheint doch immer einen dunklen Unterton zu haben. Das ist ein bisschen unfair, denn der Doppelstern ist ein faszinierendes Himmelsobjekt.

Der bedeckungsveränderliche Doppelstern bedeckt einen erstaunlich kleinen Himmelsraum - gerade einmal 0,062 AE (Astronomische Einheiten), oder rund 5,76 Millionen Meilen (9,26 Millionen km), trennen die beiden Sterne. Diese beiden Sterne sind Beta Persei A und Beta Persei B (es gibt noch einen dritten Stern innerhalb dieses Systems, Beta Persei C, welcher aber in der Ekliptik keine Rolle spielt). Beta Persei A ist der hellste dieser Sterne, der von dem blasseren Stern Beta Persei B alle 2 Tage, 20 Stunden und 49 Minuten jeweils für ungefähr 10 Stunden verfinstert wird. Der Stern verfinstert sich während dieser Periode von +2,1 mag. nach +3,4 mag. Es gibt auch eine weniger starke Verfinsterung, wenn nämlich Perseus A Perseus B verfinstert, was allerdings sehr schwierig ist zu beobachten. Auf jeden Fall ist die Hauptverfinsterung mit bloßem Auge sichtbar, und dies ist wahrscheinlich der Grund dafür, dass die antiken Astronomen diesem Stern mit einem so großen Misstrauen begegnet sind. Nichtsdestotrotz ist der Algol ein gutes Beispiel für die im Orbit stattfindende stellare Dynamik, und der Stern selbst, verdächtig oder unverdächtig, bleibt so ein sehr interessantes Objekt. Es lohnt sich immer, die Helligkeiten von Algol und Almach (im Sternbild Andromeda) zu vergleichen, da sie in etwa die gleichen Helligkeiten haben; falls dies nicht der Fall sein sollte, dann befindet sich Algol zu dieser Zeit in der Verfinsterungsphase.

Neuneinhalb Grad östlich von Algol liegt der +2,91 mag. helle Stern Adid Australis, auch Epsilon Persei, welcher hell genug ist, als Wegweiser zum California Nebel (NGC 1499) zu dienen, der auf einer Linie liegt zwischen Epsilon Persei und dem benachbarten, +4,40 mag. hellen Stern Xi Persei, oder auch genannt Menkib ("Schulter"), der als erster Kandidat für eine Supernova gilt (er liegt allerdings in einer sicheren Entfernung von 1200 Lichtjahren entfernt). Der California Nebel befindet sich knapp unter einem Grad nördlich des Menkib.

Kalifornianebel

Kalifornianebel, Bildrechte Telescope House's Mark Blundell

Der California Nebel wurde 1884 vom amerikanischen Astronomen Edward Barnard entdeckt. Er ist ein sehr verwirrendes Objekt. Eigentlich ist es mit +5,0 mag. ein helles Objekt, aber durch seine riesige Größe von 145 x 40 Bogenminunten im Durchmesser (nur wenig kleiner als M31, die Andromeda Galaxie) hat der Nebel eine sehr geringe Flächenhelligkeit. Er kann relativ leicht aufgenommen werdenmit Kameras und mittleren Belichtungszeiten, aber um ihn sehen zu können, benötigt man zwei Dinge: einen geeigneten Himmel und einen Hydrogen Beta Filter (H-Beta Filter). Viele Beobachter betrachten die Belichtungszeit als sehr wichtig, wenn es darum geht, Objekte mit geringer Flächenhelligkeit aus dem Himmelshintergrund herauszupicken. Dies ist auch normalerweise ein sehr vernünftiger Standpunkt, aber mit so großen Objekten wie dem California Nebel muss man hier relativieren, was die Darstellung durch Teleskope mit geringer Vergrößerung angeht und das sichtbare Himmelsfeld betrifft, die sie aufnehmen können. Es ist darauf hingewiesen worden, dass NGC 1499 in etlichen Fällen besser mit kleineren Teleskopen und kleinerer Brennweite sowie geringerer Vergrößerung und H-Beta Filtern gesehen werden kann.

Größere Instrumente zeigen den Lichtschleier am Rande des Nebels sehr gut unter Verwendung von Filtern, sowie undeutliche Details der inneren Struktur, aber ein kleineres Weitwinkel-Teleskop kann unter Umständen den gesamten Nebel in ein einziges Sichtfeld packen - ein möglicherweise besserer Blick von ästhetischen Standpunkt aus gesehen.

Wiederum andere Himmelsleser haben den Nebel mit bloßem Auge gesehen, von einem sehr dunklen Standpunkt aus, und haben dabei einfach einen H-Beta Filter vor das Auge gehalten und in die betreffende Himmelsrichtung geschaut. Der H-Beta Filter, anders als die populäreren UHC- und OIII-Optionen, ist wirklich nur für die Betrachtung des California-Nebels von großer Hilfe, sowie für die benachbarten Nebel "Horsehead" (Pferdekopf) im Sternbild Orion und "North America" im Sternbild Schwan (Cygnus), sowie weiterer weniger Objekte. Aber für diejenigen, die versuchen, diese berühmten Ziele zu erkunden, ist es wirklich ein Muss.

Es wird angenommen, dass die Strahlung des nahe gelegenen Sterns Xi Persei für das Anregen der Gase des California-Nebels verantwortlich ist und so den Nebel zum Glühen bringt. Die reichen Gas- und Materie-Vorkommen im Bereich der Milchstraße haben bei der Geburt von vielen massereichen Sternen Pate gestanden, von denen die vorher genannten Sterne Menkib und Adid Australis die besten Beispiele sind. Der California-Nebel liegt ungefähr 1000 Lichtjahre von unserer Position in der Galaxie entfernt und ist ca. 100 Lichtjahre breit.

Wenn wir uns vom California Nebel an das gegenüberliegende Ende von Perseus begeben, dann kommen wir zu den nahe beieinander liegenden Sternhaufen NGC 869 und NGC 884, den großartigen Doppelsternhaufen, auch Schwertgriff genannt. Es scheint als ein Beweis für das unkomplizierte Auffinden und Beobachten des Doppelsternhaufens zu dienen, dass sie nie in den Messier-Katalog aufgenommen wurden. Diese Zwillings-Sternhaufen - und es gibt keinen Zweifel an ihrem gemeinsamen Ursprung - haben eine scheinbare Helligkeit von +5,9 mag. und können mit Ferngläsern jeglicher Größe hervorragend beobachtet werden; aber richtig "lebendig" werden sie beim Einsatz von Weitwinkel-Teleskopen. Von den beiden Sternhaufen ist der NGC 869 mit 3700 Sonnenmassen etwas dichter besiedelt als der NGC 884, der 2800 Sonnenmassen aufweist. Das Alter der Doppelsterne wird auf zwischen 3,2 und 12,8 Millionen Jahre geschätzt (die verschiedenen Quellen differieren bei der Altersangabe) - und sind damit beträchtlich jünger als selbst die 75 Millionen Jahre der Pleiaden. Beide Sternhaufen beinhalten mehr als 150 heiße blaue Sterne, die mit Amateur-Teleskopen gesehen werden können und die ebenfalls ganz hervorragende Ziele für die Astrofotografie abgeben. Beide Elemente des Doppelsternhaufens liegen zwischen 7500 und 9600 Lichtjahre von uns entfernt; sie nähern sich uns mit einer Geschwindigkeit von ca. 39 km / sek.

Doppelsternhaufen

Doppelsternhaufen. Bildrechte: ESO, S Bruner - Creative Commons

Das letzte Objekt, das wir im Sternbild Perseus näher untersuchen wollen, ist M76, auch bekannt unter dem Namen "Kleiner Hantelnebel" (Little Dumbbell), so genannt wegen seiner physischen Ähnlichkeit mit M27, dem Hantelnebel im Sternbild Fuchs (lat. Vulpecula). Wir finden den Nebel 3 Grad nördlich des Sterns "51 Andromedae" (ein heller Riese vom K-Typ), der, wie auch der Stern Almach, einen Fuß von Andromedas Füßen bildet. M76 ist ein sehr dichtes Objekt und mit einer Helligkeit von +10,10 mag. auch eines der trübsten Objekte im Messier-Katalog. Wie aber bei vielen anderen Planetarischen Nebeln auch, ist M76 ein sehr attraktives Objekt. Anders als beim Ringnebel, M57, präsentiert sich M76 von seiner Seite, so dass wir ganz klar die beiden zackenbarschähnlichen Lappen sehen können, die vom Zentralstern herausgeschleudert wurden. Wenn sich uns dieses Objekt, wie etwa der Ringnebel, hochkant präsentiert hätte, dann würden wir das unverwechselbare Scheiben- oder ringähnliche Muster sehen, anstatt die Form des Stundenglases, dem M76 sehr änlich ist. Wie bei den meisten Planetarischen Nebeln, so spricht auch M76 außerordentlich gut auf OIII-Filter an. 

M76

M76 von Telescope House's Mark Blundell

Es gibt stark auseinandergehende Meinungen betreffend der Entfernung von M76 zur Erde. Einige Quellen geben eine Distanz von 1500 Lichtjahren an, andere Quellen sprechen von mehr als 15.000 Lichtjahren. Spektroskopie-Analysen zeigen auf, dass sich M76 mit einer Geschwindigkeit von 19 km / sek. unserem Sonnensystem nähert.

Wenn wir uns von M76 entfernen, dann überqueren wir die Grenze hin zum Sternbild Andromeda, und dort gilt unser Interesse zunächst einer zwar weniger bekannten aber doch auffälligen und leicht aufzufindenden Galaxie in dieser Konstellation: der wunderbaren Spiralgalaxie NGC 891. Sie liegt 11 1/2 Grad südöstlich von M76 und wurde 1784 vom britischen Astronomen Sir William Herschel entdeckt. NGC 891 präsentiert sich unserer Perspektive als eine hochkant stehende Spiralgalaxie, unter Umständen wie unsere eigene Galaxie. Mit einer Helligkeit von +9,89 mag. ist sie zwar nicht sehr hell, aber doch sehr stark verdichtet. Ihre Achse wird durch eine dunkle Staubbahn halbiert und teilt somit das Objekt in zwei Teile. In Teleskopen mit mittler Öffnung erscheint uns NGC 891 als eine Scherbe - oder vielmehr als zwei parallele Lichtscherben, die eine sehr kleine Wölbung des Galaxienkerns im Zentrum aufweisen. Es ist ein sehr schönes Objekt, das vielleicht nicht den Glanz seines Nachbarn M31 (die Andromedagalaxie) hat (NGC 891 ist 30 Millionen Lichtjahre von uns entfernt), aber ein lohnenswertes Objekt zur Beobachtung und zum Fotografieren darstellt.

NGC891

NGC891 von Telescope House's Mark Blundell

Drei Grad westlich von NGC 891 finden wir Gamma Andromedae, oder auch Almach - ein leicht aufzufindender Anhaltspunkt zur gesamten Galaxie, aber ein ebenso interessantes Objekt, das auch für sich selbst spricht. Almach (auch geschrieben Alamak, Almak) ist einer der besten Doppelsterne am Himmel: ein Sternenpaar, einmal in den Farben gelb-orange und dann in auffälligem grün-blau, mit Helligkeiten von +2,17 mag. und +4,75 mag. Der Hauptstern des Systems (genannt Gamma And A) ist ein roter heller Riese der Spektralklasse K3, der sich langsam seinem Ende nähert. Der zweite, blassere, grün-blaue Stern (genannt Gamma And B und C) stellt in sich wiederum einen Doppelstern dar - wenn auch einen sehr schwierig zu erkennenden. Man benötigt ein Teleskop von mindestens 30 Zoll+, um diesen zweiten Stern als Doppelstern aufzuteilen. In den kommenden Jahren wird es allerdings nach und nach einfacher werden, den "B"-Stern auch mit kleineren Instrumenten aufzuteilen, da die beiden Elemente sich im Bereich ihres gemeinsamen Gravitationszentrums voneinander entfernen. Es wird aber wohl bis in die Mitte der 2020iger Jahre dauern, bevor man diese Auflösungen mit Teleskopen der 8-Zoll-Klasse durchführen kann. 

Die beiden Hauptelemente von Gamma Andromedae sind allerdings prächtigh aufgeteilt in fast allen kleineren Teleskopen sichtbar. Selbst Beobachter mit nur sehr kleinen Teleskopen sollten den Versuch der visuellen Trennung auf jeden Fall wagen.

Das Andromeda-Sternbild beheimatet, natürlich, die bekannteste Galaxie am Himmel - die Spiralgalaxie M31 und ihre dazugehörenden Begleit-Galaxien M32 und M110. Als ein Hauptmitglied unserer lokalen Gruppe von Galaxien, hat das M31 Galaxien-System den größten gravitativen Einfluss auf unsere Milchstraße, und in knapp unter 4 Milliarden Jahren werden die beiden Spiralgalaxien vermutlich kollidieren und schließlich eine riesige spheroide elliptische Galaxie bilden. M31, die sich unserer Milchstraße mit einer Geschwindigkeit von ca. 300 km / sek. nähert, ist schon jetzt eine Galaxie mit einer riesigen Winkelgröße, deren Ausdehnung am Himmel sich über die 6-fache Größe des Vollmondes erstreckt. Mit einer Helligkeit von +3,4 mag. war M31 wahrscheinlich eines der ersten von Menschen entdeckten Deep Sky-Objekte, mit Sicherheit aber die erste entdeckte Galaxie. Der große persische Astronom Abdul al-Rahman al-Su notierte die Galaxie zuerst im Jahre 962 n. Chr. in seinem "Buch der Fixsterne" und beschrieb M31 als "kleine Wolke". Seine Aufzeichnungen sind zwar die ersten zu diesem Objekt, man kann jedoch davon ausgehen, dass diese Galaxie zweifelsohne bereits früher beobachtet und wahrgenommen wurde, ist sie doch, zusammen mit den Pleiaden und den Hyaden im Sternbild Stier (Taurus), sowie M42 (der Orionnebel) im Sternbild Orion, das berühmteste Deep Sky-Objekt am Himmel.

Der deutsche Astronom Simon Marius war der erste, der 1612 ein Teleskop auf M31 richtete, meldete seine Entdeckung jedoch nicht an; er wusste von früheren Sternenaufzeichnungen, in denen das Objekt als ein holländischer Beitrag aus dem Jahre 1500 schon gezeigt worden war. Während des 17. und 18. Jahrhunderts wurde die Galaxie, unabhängig voneinander, von vielen Astronomen "wiederentdeckt". Während hinsichtlich der Bekanntheit von M31 zwischen den Astronomen Einigkeit herrschte, so schrieben viele von ihnen, einschließlich des britischen Astronomen Edmund Halley, die Entdeckung der Galaxie fälschlicherweise unterschiedlichen Personen zu. Charles Messier schrieb die Entdeckung Simon Marius zu, als er seinen berühmten Katalog 1764 etablierte. Theorien über die wahre Natur von M31 gab es im Überfluss: u. a., die Bildung eines im Entstehen begriffenen Sonnensystems; eine Wolke glühender, sternenbildender Gase; ein sterbender, sich zersetzender Stern. Mittels Spektroskopie kam die wahre Natur von M31 zutage. Der britische Astronom William Huggins, ein früher Anwender der teleskopischen Spektroskopie, fand heraus, dass, anders als bei vielen anderen Nebeln, M31 eine umfassende, beständige spektrale Empfindlichkeit aufweist, anstatt der bestimmten vorgesäumten Spektren eines Gasnebels, ein Umstand, welcher M31 klar von den Nebeln wie z. B. M42 (Orionnebel) abgrenzt. 1887 wurde eines der vielen, vielen Fotos der Galaxie vom walisischen Astronomen Isaac Roberts aus Crowborough in Sussex (nicht weit entfernt vom Telescope House in Edenbridge, der englischen Vertretung von Fa. Bresser) aufgenommen. Roberts' wunderschönes Foto zeigt ganz deutlich Staubbahnen in den äußeren Spiralarmen von M31 und in deren Begleitgalaxien M32 und M110, so wie dies auch auf dem obigen moderneren Foto von Mark Blundell zu sehen ist.

M31

M31 von Telescope House's Mark Blundell

Roberts hatte der Theorie beigepflichtet, dass M31 ein Sonnensystem im frühen Stadium des Entstehens war. Diese Theorie wurde jedoch "begraben", als Beweise für das Auftreten neuer Sterne aufkamen, welche innerhalb der Grenzen von M31 beobachtet und fotografiert worden waren. Der amerikanische Astronom Heber Curtis entdeckte seinen ersten neuen Stern in der M31-Galaxie 1917, und er entdeckte danach noch weitere elf neue Sterne. Diese Sterne waren im Durchschnitt 10 Helligkeitsklassen blasser als jene Sterne, die in unserer eigenen Galaxie beobachtet worden waren. Dies führte Curtis zu der Annahme, dass M31 beträchtlich weiter von uns entfernt liegen musste als zunächst angenommen. Curtis gehörte zu den Astronomen, die die Theorie vertraten, dass Objekte vom Typ M31 unabhängige "Weltinseln" sind. In der so genannten "Großen Debatte" vom 26.04.1920 wurden die unterschiedlichen Standpunkte, hauptsächlich die Zugehörigkeit von Objekten und ihre Entfernung zur Milchstraße, zwischen Curtis und dem Astronomen Harlow Shapley kontrovers diskutiert.

Die Angelegenheit wurde 1925 durch Edwin Hubble aufgeklärt, der in M31 die ersten Cepheid Veränderlichen entdeckte (Cepheiden = Sterne, bei denen die Schwankungen in der Helligkeit streng periodisch erfolgen). Vergleiche zwischen diesen Variablen und denen in unserer Galaxie haben bewiesen, dass M31 eine eigenständige Ansammlung von Sternen ist, im Unterschied zu unserer Milchstraße. Obwohl Hubble mit einem Faktor von "2" die Entfernung von M31 völlig unterschätzt hatte, hatte er doch bewiesen, dass das Universum ein größerer und rätselhafterer Ort war als bisher angenommen.

Der deutsche Astronom Walter Baade, der einen 200-Zoll Palomar Reflektor einsetzte, entdeckte zwei unterschiedliche Arten von Cepheid Variablen in der Sternenpopulation von M31, mit dem Effekt, dass die vorher von Hubble 1943 geschätzte Entfernung sich verdoppelte. Aktuelle Schätzungen über die Entfernung von M31 liegen bei ca. 2,5 Millionen Lichjahre. Darüberhinaus wurde entdeckt, dass es in M31 starke Blauverschiebungen in den Spektrallinien gibt, die bewirken, wie der Doppler-Effekt bewiesen hat, dass M31, im Gegensatz zu der großen Mehrheit der Galaxien, sich in der Tat unserer Galaxie nähert (oder, genaugenommen, beide Galaxien bewegen sich aufeinander zu).

M31 kann mit (oder auch ohne) einer Vielzahl von optischem Gerät beobachtet werden. Die Galaxie ist wahrscheinlich am besten zu sehen in großen Ferngläsern (mit Objektiven von 70 mm+), von einer ansprechend dunklen Stelle aus. Ergiebige Instrumente mit kurzer Brennweite wie die Dobsonians, sowie kürzere Refraktoren, zeigen M31 ebenfalls sehr prägnant, aber aufgrund der riesigen Winkelgröße der Galaxie sollte mit der Vergrößerung gehaushaltet werden, um die Andromeda-Galaxie in all ihrer Schönheit bewundern zu können. Ebenfalls leicht zu entdecken sind die beiden Begleit-Galaxien M32 und M110, wobei M32 etwas leichter zu entdecken ist. Mit größeren Instrumenten und dem Einsatz geeigneter Filtern, ist es möglich, nebulöse Regionen in M31 zu beobachten - ähnliche Gebilde wie beim Orion Nebel in der Milchstraße. Die Beobachtung von M31 bleibt eine Herausforderung, aber eine sehr lohnenswerte! Wir können ja leider nicht die Schönheit unserer eigenen Galaxie von außen her betrachten, und so können wir uns zumindest an dem phantastischen Anblick erfreuen, den M31 uns bietet. Einige der Kugelsternhaufen von M31, einschließlich des bemerkenswert großen G1, sind ebenso sichtbar, allerdings mit Instrumenten, die eine Öffnung von mindestens 10 Zoll haben.

Es ist jedoch die Langzeitfotografie, die die wahre Ausdehnung und Größe von M31 enthüllt. Eine ungesteuerte 30-Sekunden-Aufnahme mit einer Weitwinkellinse zeigt uns M31 mühelos, obgleich ein kleiner, hochqualifizierter Refraktor, aufgesetzt auf einer parallaktischen Montierung (engl. equatorial mount), dazu ideal geeignet ist, die ganze Bildeinstellung auf einen Standard DSLR-Chip zu bringen (DSLR = engl. Abkürzung für Digitale Spiegel-Reflex-Kamera). Mehrfach-Aufnahmen, z. B. über den Deep Sky Stacker, zeigen die riesigen Staubbahnen und verknotete, wasserstoffreiche Gebiete von Nebelregionen. M31 ist die erste Adresse für Anfänger in der Deep Sky-Fotografie, aber die Galaxie ist gleichzeitig ein so lohnenswertes fotografisches Objekt, so dass Astrofotografen sich verpflichtet fühlen, immer wieder darauf zurückzukommen. Dass die Galaxie für uns in der nördlichen Hemisphäre gerade jetzt in den Wintermonaten so gut für Beobachtungen platziert ist, ist tatsächlich rein zufällig. Aber obwohl die Galaxie während des gesamten Jahres beobachtet werden kann, so sollten wir doch jetzt die Zeit nutzen, um dieses phantastische Deep Sky-Wunder zu genießen.

An der westlichen Seite von Andromeda, 2,5 Grad westlich des Sterns Iota Andromedae, liegt der schöne Nebel NGC 7662, auch bekannt unter dem Namen Blauer Schneeball-Nebel (Blue Snowball Nebula). Dieser Planetarische Nebel ist ein großes, wenn auch mit 0,5 Bogenminuten kompaktes Objekt, das in Teleskopen jeglicher Öffnung sehr gut zu sehen ist. Ein 6 - 8 Zoll großes Teleskop zeigt den Nebel ganz deutlich als einen blau-grünen Lichtball. Und mit noch größeren Teleskopen werden auch die Feinheiten von NGC 7662 herausgearbeitet - man kann deutlich die inneren Ringe und die leicht ausgedehnten Ausbuchtungen erkennen. Der Schneeball-Nebel zeigt ebenfalls ein "Blinken", so wie es auch der bekannte "Blinking Planetary" und der Saturn-Nebel produzieren. Der Zentralstern im Blauen Schneeball, ein Weißer Zwerg, zeigt eine individuelle Variabilität: seine Maximal-Helligkeit von +12,0 mag. schwächt sich des öfteren auf +16,0 ma. ab. Aktuelle Schätzungen betreffend die Entfernung zu uns liegen bei 5600 Lichtjahren und bei einem Durchmesser von 0,8 Lichtjahren.

Schneeballnebel

Schneeballnebel. Bildrechte: HST/NASA/ESA. Public Domain.

Wenn wir östlich hinter M31 und seine Begleiter zurückgehen, dann kommen wir zu zwei sehr ungewöhnlichen Objekten. Mirach (arab. Schürze) ist die Bezeichnung für den Stern Beta Andromedae, und "Mirachs Geist" ist der Name der komprimierten elliptischen Galaxie NGC 404. Die Blickachse unserer Perspektive von der Erde aus stellen diese beiden völlig unverbundenen Objekte in eine sehr enge Paarbildung - sie sind nur knapp unter 7 Bogenminuten voneinander entfernt, was ein schnelles Auffinden dieser Galaxie zwar erleichtert, aber nicht unbedingt auch gut sichtbar macht. Denn Unterschiede in der Helligkeit versetzen Mirach in die Lage, seinen Nachbarn in dieser Beziehung auszustechen. NGC 404 kann bei klaren und ruhigen Beobachtungsbedingungen mit großen Ferngläsern ausgemacht werden, wobei eine Beobachtung per Teleskop schon wieder ein kleines bisschen kniffliger sein kann. Eine höhere Vergrößerung sowie Blendenöffnung können hier helfen. Auch die Astrofotografie von NGC 404 stellt eine Herausforderung dar, aber eine, die sich lohnt. Mirach und Mirachs Geist sind eines dieser interessanten "seltsamen Paare" des Nachthimmels, dem wir mit zielgerichteter Perspektive und Glück begegnen könnten. Es wäre allerdings sehr schade, wenn die empfundene Schwierigkeit, dieses Objekt beobachten zu können, einem Anblick im Wege stünde.

Ein weiterer undurchsichtiger Mitbewohner Andromedas ist der Offene Sternhaufen NGC 752. Bestehend aus über 70 Sternen der Helligkeitsklasse 9, kommt NGC 752 immerhin noch auf einen kumulierten Helligkeitswert von +5,7 mag. Der Sternhaufen kann am besten mit sehr großen Ferngläsern gesehen werden und gibt uns so eine Besonderheit preis, nämlich das Vorhandensein von sehr alten Sternen, eigentlich unüblich für einen Sternhaufen: seine A2-Klassen Sterne weisen ein Alter von über einer Milliarde Jahren auf. NGC 752 ist voller Sternenketten und bedeckt eine Fläche von über 75 Bogenminuten am Himmel. Der Sternhaufen ist über 1500 Lichtjahre von der Erde entfernt.

Knapp unter 9 Grad südwestlich von NGC 752, und gerade über die Grenze Andromedas hinweg im Sternbild Dreieck (Triangulum) liegend, finden wir die Spiralgalaxie M33, welche mit den bereits vorher besprochenen Objekten Mirach und Mirachs Geist ein beinahe rechtwinkliges Dreieck am Himmel bildet und das drittgrößte Mitglied unserer lokalen Gruppe (nach Milchstraße und Andromedanebel) ist. M33 wird auch der Dreiecksnebel oder Dreiecksgalaxie oder Triangulumnebel genannt (im Englischen wird der Nebel auch "Pinwheel", Feuerrad, genannt, eine Bezeichnung, die sich der Dreiecksnebel mit der Spiralgalaxie M101 im Sternbild des Großen Bären teilen muss). Während sich M31 uns perspektivisch eher in geneigter Form zeigt, so zeigt sich uns M33 von vorne. Die Galaxie ist kleiner und weniger massiv als ihre Nachbar-Galaxie und bedeckt auch weniger Fläche am Himmel: Die Hauptausdehnung von M33 ist so breit wie die kleinste Ausdehnung von M31. Allerdings ist M33 immer noch so groß, dass sich die an und für sich akzeptable Helligkeit auf dieser so großen Fläche so verteilt, dass die Galaxie dadurch schwieriger zu entdecken ist.

M33

M33 von Telescope House's Mark Blundell

Mit einer Helligkeit von +5,69 mag. ist M33 theoretisch mit dem bloßen Auge sichtbar, aber dafür muss man sich an einer besonders dunklen Beobachtungsposition aufhalten und auch physisch ganz besonders "dunkel-angepasst" sein, um die Galaxie ohne zusätzliche Hilfe zu entdecken. Die Galaxie wurde 1654 vom italienischen Astronomen Giovanni Battista Hodierna entdeckt und danach, unabhängig von Hodierna, von Charles Messier wiederentdeckt und seinem Katalog hinzugefügt. Mit großen Ferngläsern und von einem geeigneten Standort aus kann man M33 sehr gut sehen, wobei man mit einer größeren Öffnung auch einige der helleren nebulösen Regionen erkennen kann. Die größte und bekannteste dieser Regionen wurde von William Herschel 1784 aufgezeichnet und ist uns jetzt bekannt als NGC 604, einem so genannten H-II Gebiet (Sternentstehungsgebiet). Wie bereits angedeutet, so sind M33 und M31 (nicht mitgezählt sind die Magellanischen Wolken unserer eigenen Milchstraße) die einzigen beiden externen Systeme, in welchen es möglich ist, nebulöse Gebiete mit ausreichend großen Teleskopen zu sehen, wobei H-Alpha- und H-Beta-Filter die Bemühungen ganz beträchtlich unterstützen können. Allerdings sind ein geeigneter Himmel und eine große Öffnung der Schlüssel zum Erfolg. Beobachter, die Zugriff auf Teleskope der 16-Zoll+-Klasse haben, können etliche der Kugelsternhaufen von M33 entdecken, die in einem Lichthof rund um die Galaxie angeordnet sind, so wie sie sich auch in unserer Milchstraße darstellen.

Aktuelle Messungen geben die Distanz von M33 zur Erde mit rund 3 Millionen Lichtjahre an - 500.000 Lichtjahre weiter von uns entfernt als M31. M33 beinhaltet ungefähr 30 bis 40 Milliarden Sterne, weniger als die 200 - 400 Millarden Sterne unserer eigenen Galaxie und auch weniger als die Billionen Sterne von M31. Möglicherweise ist der Dreiecksnebel gravitativ an den Andromedanebel gebunden, von dem er etwa eine Million Lichtjahre entfernt ist. Und möglicherweise bewegt sich die Galaxie sowohl auf die unserige als auch auf M31, der Andromeda-Galaxie, zu. Ob sich allerdings daraus eine Kollision ergibt, wie sie für die Milchstraße und für M31 vorhergesagt wird, ist bislang ungewiss.

Vielen Dank an den Originaltext von Kerin Smith!

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