Besonderheiten des Himmels für den Monat November

Unser zweiter Sky Guide - diesmal mit den Besonderheiten des Monats November. Wir wünschen Clear Skies!

Die Besonderheiten des Monats November

Die Besonderheiten des Monats November

Der Winter hat uns nun fest im Griff, wenigstens uns, die wir in der nördlichen Hemisphäre wohnen. Die Uhren sind zurückgestellt worden, doch gewähren sie dem Rest der Bevölkerung nur eine kurze Atempause, bevor der unvermeidliche Ansturm der Dunkelheit sich eines Großteils des Tageslichtes bemächtigt.

Aber ist es nicht gerade die Dunkelheit, nach der wir Astronomen uns sehnen? Und es gibt zu dieser Jahreszeit jede Menge an Dunkelheit, an der wir uns erfreuen können.

Allerdings spielt das Wetter im November in der nördlichen Hemisphäre oft nicht mit, wenn es um ungestörte Himmelsbeobachtungen geht, obwohl die ersten starken Winterfröste durchaus in der Lage sind, die ansonsten im November vorherrschenden Feuchtigkeitsperioden zu durchbrechen und uns mit guter Transparenz und gutem Seeing zu verwöhnen.   

Für diejenigen jedoch, die in der südlichen Hemisphäre wohnen, ist der Hochsommer nicht mehr weit, und mit ihm das herrlich warme Wetter, das er ihnen hoffentlich beschert.

Das Sonnensystem

Der Mond

Die Mondphasen

Die Mondphasen

Der Mond beginnt den November ein paar Tage nach Neumond. Wir finden unseren beständigen und unaufdringlichen Begleiter (lat.: satelles = Satellit = Begleiter) am 1. November im Sternzeichen Waage (Libra). Am darauffolgenden Abend, am 2. November, finden wir die zu 7,7% beleuchtete Mondsichel im Ophiuchus ("Schlangenträger"), ein Sternbild auf dem Himmelsäquator. Sie zieht ihre Bahnebene in loser Formation zusammen mit Saturn und Venus durch die Ekliptik, die  3 1/4 Grad bzw. 8 1/2 Grad südwestlich bei Sonnenuntergang gefunden werden können.

Der Mond, Saturn und Venus

Der Mond, Saturn und Venus at bei Sonnenuntergang, 2. November 2016. Bild erzeugt mit SkySafari for Mac OS X, ©2010-2012 by Southern Stars, www.southernstars.com.

Am Abend des 6. Novembers gleitet der Mond um ca. 5 Grad nördlich am Mars vorbei und erreicht, am folgenden Abend,  als zunehmender Mond das Sternzeichen Steinbock (Capricornus). 

Am 14. November wird es Vollmondwährend  er hoch am Himmel steht, betrachtet aus der Perspektive der nördlichen Hemisphäre. Naturgemäß ist das nicht die produktivste Zeit des Monats für  Deep-Sky-Beobachtungen wobei   die sogenannte Schmalbandfotografie hier an dieser Stelle gewiss helfen kann. Dies ist der zweite der in den letzten Monaten des Jahres 2016 erscheinenden  Vollmond-"Supermonde" – korrekter bezeichnet als  Perigäumsmond (Erdnähe), die dann vorkommen, wenn der Mond auf seiner geringfügig exzentrischen Umlaufbahn der Erde am nächsten  ist. 

Es sieht so aus, als erscheine der Mond zu dieser Zeit etwas größer als sonst, ein Effekt, der noch verstärkt wird durch die atmosphärische Lichtbrechung bei Mondaufgang und bei Monduntergang. Die Bedeutung des "Supermondes" sollte nicht überbewertet werden, aber es ist interessant mitzuerleben, wie dieser Begriff die allgemeine Vorstellungskraft erfasst zu haben scheint. 

Am 21. November erreicht der abnehmende Mond sein letztes Viertel im Sternbild Löwe (Leo). Am Morgen des 25. November treffen sich Jupiter und der Mond in einer angemessen engen Verbindung, wobei beide Himmelskörper bei ihrem Aufgang am frühen Morgen knapp unter 2 Grad auseinanderliegen . Der nun abnehmende Mond im letzten Viertel wird zu 15,5% beleuchtet sein, und dieses Pärchen bietet sich für eine ganz besonders fotogene Bildreihe an.

Am 29. November wird der Mond zum Neumond, er befindet sich zu diesem Zeitpunkt im Sternbild Skorpion (Scorpius).

Merkur

Der Merkur beginnt den November als ein abendliches Objekt, das gerade aus einer höheren Konjunktion hervorgetreten ist, obwohl es gegen Monatsende extrem schwierig sein wird ihn  zu beobachten, wenn sich der Trennungswinkel unseres Muttersterns und dieser winzigen Welt etwas vergrößert hat.

Um den 15. November findet man den Merkur im Skorpion (Scorpius), um ungefähr 10 Grad von der Sonne getrennt. Er scheint mit einer Helligkeit von -0,6 mag. und ist zu 95,6% beleuchtet, obgleich er, beobachtet aus 51 Grad Nord, gerade einmal unter zwei Grad über dem Horizont steht. Aufgrund des flachen Ekliptik-Winkels, den der Merkur und die Sonne in den nördlichen Klima-Gefilden zu diesem Zeitpunkt im Jahr vorfinden, sind es die Beobachter in den äquatorialen und südlichen Teilen der Hemisphäre, die diese am Abend zu beobachtende Erscheinung am besten sehen werden.

Ende November hat der Merkur seine Entfernung von der Sonne um knapp über 18 ½ Grad ausgeweitet, obgleich er, bei Sonnenuntergang, für Beobachter der nördlichen Hemisphäre immer noch hoffnungslos tief steht. Diejenigen, die sich in südlicheren Gefilden befinden, werden eine gute Sicht auf den Planeten haben. Zu diesem Zeitpunkt im Monat wird der Merkur eine Helligkeit von -0,5 mag. haben und eine zu 85,2% beleuchtete Scheibe  mit einem Bogendurchesser von 5,6 Sekunden zeigen. 

Merkur

Merkur, Sonnenuntergang am 30. November. Bild erzeugt mit SkySafari for Mac OS X, ©2010-2012 by Southern Stars, www.southernstars.com.

Venus

Die Venus beginnt den November als ein abendliches Objekt, das aber für jene von uns in der nördlichen Hemisphäre, noch lange nach Sonnenuntergang erfolgreich beobachtet werden kann, sehr tief am Himmel steht. Jene "Himmelsleser" jedoch, die in der südlichen Hemisphäre und den äquatorialen Regionen der Erde wohnen, werden die Venus sehr gut sehen, so wie sie mit knapp unter 38 Grad von der Sonne entfernt ist. Am 1. November hat die Venus eine Helligkeit von -0,4 mag, einen Scheibendurchmesser von 14,1 Bogensekunden und eine Beleuchtungsphase von 77,6%. Zu diesem Zeitpunkt ist sie immer noch in einer losen Verbindung mit dem Saturn, wobei sie alsr  nützlicher Wegweiser des lichtschwächeren Gasplaneten dient.

Im fortschreitenden Monat nimmt die Venus an Helligkeit und Größe zu. Um den 15. November herum liegt die Helligkeit bei -4,1 mag. und der Bogendurchmesser bei 15,2 Sekunden; die Beleuchtungsphase ist jedoch auf 73,6% gesunken, so wie wir dies von unserer Erdperspektive aus wahrnehmen, während ihrer weiteren Flugbahn durch den Weltraum.

Zu diesem Zeitpunkt im Monat ist die Venus 40 Grad von der Sonne entfernt, und sie steht bei Sonnenuntergang über 10 Grad hoch (beobachtet von 51 Grad Nord).

Zum Ende des Monats verharrt die Venus zwar immer noch bei einer Helligkeit von -4,1 mag., hat jedoch ihre Winkelgröße auf 16,8 Bogensekunden erhöht und ihre Beleuchtungsphase auf 68,8% vermindert. Zu diesem Zeitpunkt residiert der Planet im Sternbild Schütze (Sagittarius), wo er bei Sonnenuntergang bei knapp unter 13 ½ Grad hoch zu finden ist (beobachtet von 51 Grad Nord). Obgleich die Venus jetzt um 43 Grad von der Sonne entfernt ist, wird dies dennoch eine äußerst gute Position sein für weiter südlich wohnende Beobachter.

Venus

Venus, Abendhimmel, 30.November 2016. Bild erzeugt mit SkySafari for Mac OS X, ©2010-2012 by Southern Stars, www.southernstars.com.

Mars

Der Mars beginnt den November in den östlichen Regionen des Sternbildes Schütze (Sagittarius), wobei er bei Sonnenuntergang knapp über 15 Grad hoch steht (beobachtet von 51 Grad Nord). Bei einer Helligkeit von +0,4 mag. ist er immer noch heller als jeder andere Stern in diesem Teil des Himmels, obgleich er mit 7,5 Bogensekunden ein ziemlich enttäuschend kleines Ziel ist.

Mars

Mars, früher Abend, 1. November 2016. Bild erzeugt mit SkySafari for Mac OS X, ©2010-2012 by Southern Stars, www.southernstars.com.

In der Novembermitte wird der Mars die Grenze hin zum Sternzeichen Steinbock (Capricornus) überschritten haben und wird minimal verblasst sein auf eine Helligkeit von +0,5 mag. Er ist jetzt eine Scheibe von 7 Bogensekunden und steht bei Sonnenuntergang knapp über 17 Grad hoch im Süden.

Zum Monatsende hin wird der Mars noch weiter auf eine Helligkeit von +0,6 mag. verblassen  und zu einem Bogendurchmesser von 6,5 Sekunden schrumpfen; bei Sonnenuntergang steht er jetzt fast 21 Grad hoch im Sternbild Steinbock (beobachtet von 51 Grad Nord).

Jupiter

Der größte Planet im Sonnensystem beginnt den November als morgendliches Objekt im Sternzeichen Jungfrau (Virgo), wobei seine Helligkeit am 1. November -1,7 mag. erreicht und sein Winkeldurchmesser 31,2 Bogensekunden. Da er ca. 2 ½ Stunden vor der Sonne aufgeht, vergrößert sich im Laufe des Monats auch das Beobachtungszeitfenster.

Um den 15. November steht der Jupiter bei Sonnenaufgang knapp unter 29 Grad hoch (beobachtet von 51 Grad Nord) und hat seinen Durchmesser minimal auf 31,9 Bogensekunden erhöht, obgleich er am Himmel nicht heller erscheint als zu Beginn des Novembers. Der Jupiter geht jetzt knapp unter 4 Stunden früher auf als die Sonne, und bietet somit Frühaufstehern ein komfortables Beobachtungszeitfenster vor Tagesanbruch an.

Um den 30. November hat der Jupiter seine Helligkeit auf -1,8 mag. und die Winkelgröße auf 32,8 Bogensekunden erhöht. Der Planet geht jetzt kurz vor 3.00 Uhr auf (beobachtet von 51 Grad Nord) und steht dann bei Sonnenaufgang knapp über 32 Grad hoch, unter einer Stunde entfernt von seinem höchsten Durchgangspunkt (Kulminationspunkt) am Himmel. Falls Sie Bewohner der nördlichen Hemisphäre sind, werden Sie bei der Beobachtung des Jupiters selten enttäuscht, obgleich Sie der morgendlichen November-Kühle vor Sonnenaufgang die Stirn bieten müssen. Den Beobachtern in der südlichen Hemisphäre mag es in dieser Beziehung besser ergehen.  

Jupiter

Jupiter, kurz vor Sonnenaufgang, 30. November. Bild erzeugt mit SkySafari for Mac OS X, ©2010-2012 by Southern Stars, www.southernstars.com.

Saturn

Der Saturn beginnt den November als ein ziemlich schwierig zu fassendes Objekt für alle Beobachter in der nördlichen Hemisphäre, obgleich die Venus, mit wenig über 4 ¼ Grad hin zum Südosten, im frühen Abendhimmel als nützlicher Führer zur Standortbestimmung des Saturns dienen wird. Mit einer Helligkeit von +0,5 mag. wird es nicht ganz einfach werden, den Saturn in der Abenddämmerung auszumachen, und er wird ca. 1 ¾ Stunde nach der Sonne untergehen. Der Saturn, jetzt getrennt von unserem Mutterstern um knapp unter 34 Grad, wird dadurch aber besser gesehen von den Beobachtern der äquatornahen und südlichen Regionen unserer Erde, obwohl, was den Saturn zu diesem Zeitpunkt betrifft, die allgemeine Tendenz hin zu einer Verschlechterung der Beobachtungsbedingungen geht, da er in den ersten Dezembertagen auf eine obere Konjunktion zusteuert.

Saturn

Saturn bei Sonnenuntergang, 1. November 2016. Bild erzeugt mit SkySafari for Mac OS X, ©2010-2012 by Southern Stars, www.southernstars.com.

Von der Mitte des Monats an wird es sehr schwierig werden, den Saturn von der nördlichen Hemisphäre aus zu beobachten, wobei es den Beobachtern weiter südlich für eine kurze Zeitspanne besser ergehen wird. Zum Monatsende hin wird der Saturn um knapp 8 Grad von der Sonne getrennt sein und knapp 10 Tage entfernt von einer oberen Konjunktion; während dieser Zeit wird daher keine Beobachtung durchgeführt werde können.

Uranus and Neptun

Beide Planeten haben ihren jeweiligen Oppositionen zwar schon im Oktober und im September erreicht, Uranus und Neptun sind jedoch immer noch sehr gut auffindbar für abendliche Beobachtungen. 

Der Uranus zeigt eine +5,7 mag. Helle Scheibe von ungefähr 3,7 Bogensekunden im Sternbild Fische (Pisces), während der Neptun bei einer Helligkeit von +7,9 mag. und 2,3 Bogensekunden im  Nachbar-Sternbild Wassermann (Aquarius) aufweist und zunehmendschwächer und schwieriger zu Beobachten ist. Während beide Planeten mühelos mittels Ferngläsern und kleineren Teleskopen sehr gut beobachtet werden können, werden geübte Beobachter ermutigt, den Uranus ohne optische Hilfe zu lokalisieren – falls der Himmel schwarz genug ist und das erforderliche Augenlicht vorhanden ist, um es zu versuchen.  

Uranus und Neptun

Uranus und Neptun, 15. November 15th 22Uhr30 MEZ. Bild erzeugt mit SkySafari for Mac OS X, ©2010-2012 by Southern Stars, www.southernstars.com.

Die fotografische Abbildung beider Planeten ist lange nicht so kompliziert wie dies bei den  helleren Planeten der Fall ist – dabei spielt die Blendenöffnung des Teleskops eine ganz entscheidende Rolle, genauso wie die Brennweite, die wesentlich dazu beiträgt für die passende Abbildung einer jeden Planentenscheibe zu sorgen. Auf jeden Fall können empfindliche Kamerasensoren, zusammen mit CH4-Methanband-Filtern sicher etliche Einzelheiten aus beiden Planeten herauskitzeln – obwohl sich, verständlicherweise, der hellere und größere Uranus für Abbildungen dieser Art besser eignet.

Meteore

Die Leoniden bilden einen bedeutenden Meteoritenstrom (Sternschnuppenstrom), der im November zu beobachten ist, und der immer dann regelmäßig in größere Meteor-Stürme ausbricht, wenn sein Ursprungs-Komet 55P / Temple-Tuttle zurückkehrt, um den Strom der zahllosen Bruchstücke aufzusammeln, welche die Leoniden versorgen. Die Spitzenwerte der Ausbrüche werden in einem Zyklus von 33 Jahren beobachtet, wobei der letzte bedeutende Ausbruch der unglaubliche Sturm vom 17. / 18. November 1999 war. In den Jahren dazwischen zeigen diese Höchstwerte beachtlich gestiegene ZHRs Zenithal Hourly Rates (etwa: zenitale stündliche Rate; kurz: Anzahl der Meteore, die ein Beobachter innerhalb einer Stunde sieht; Genaueres siehe Internet), welche mit den regelmäßigen Meteorströmen sowohl konkurrieren als sie auch übertreffen können. Für 2016 sieht es jedoch leider so aus, als könnten wir für die Leoniden keine klassisch bedeutenden Ausbrüche erwarten, abgesehen von einem ziemlich schwachen Spitzenwert von 10-20 ZHR, der für den 17. / 18. November vorausgesagt wird. Hinzu kommt, dass der zu 83% beleuchtete Mond im dritten Viertel  sich scheinbar nicht weit vom Radianten des Sternbild Zwillinge zeigt. Die hellsten Meteore werden zwar durch die Himmelsaufhellung durch den Mond  hindurchdringen, aber es werden sich in den kommenden Jahren bessere Möglichkeiten ergeben, um diesen faszinierenden und wechselhaften Meteorenstrom zu beobachten.

Radiant der Leoniden

Radiant der Leoniden – 17.-18. November 2016. Bild erzeugt mit SkySafari for Mac OS X, ©2010-2012 by Southern Stars, www.southernstars.com.

Die Deep Sky-Beobachtung

Beobachtung von Himmelsobjekten außerhalb des Sonnensystems

Der Teil der Deep Sky-Beobachtung vom letzten Monat betraf eine Wanderung rund um die vielen reizvollen Objekte  im Sternbild Pegasus. In diesem Monat werden wir am Nordhimmel die nahe gelegenen Konstellationen von Camelopardalis (Sternbild der Giraffe), Auriga (Sternbild des Fuhrmannes) sowie den östlichen Teil des Perseus (Sternbild, benannt nach dem griechischen Helden i. d. Mythologie) untersuchen.  

Camelopardalis, Perseus und Auriga

Camelopardalis, Perseus und Auriga. Bild erzeugt mit SkySafari for Mac OS X, ©2010-2012 by Southern Stars, www.southernstars.com.

Wir starten ganz oben – bzw. sehr nahe am Nordpol (mit einer angemessenen Entschuldigung für die Beobachter in der südlichen Hemisphäre) und beginnen mit der eher langweiligen Konstellation von Camelopardalis. 

Camelopardalis stellt eine Giraffe am Himmel dar; der Name ist ein ziemlich wörtlicher Zusammenschluss von "Leopard" und "Camel". Diejenigen von uns, die eine Giraffe schon von Nahem gesehen haben, werden die Größe und Erhabenheit dieses friedlichen und bescheidenen Tieres bewundern, während man dies von seiner  himmlischen Darstellung allerdings nicht sagen kann. Der maßgebende Stern in einer Konstellation – in diesem Falle Beta Camelopardalis – hat nur eine Helligkeitsgröße von +4 mag. Das Sternbild des Camelopardalis ist als Konstellation relativ neu und wurde 1612 vom holländischen Astronomen Petrus Plancius dem Himmelsbild hinzugefügt; es gehört nicht zur Liste der 88 Sternbildoriginale nach Ptolemäus.

Möglicherweise ist es der relativen Dunkelheit und dem Mangel an Helligkeit des Sternbildes Camelopardalis zu schulden, dass zwei sehr wertvolle Beobachtungsobjekte von Messier und seinen Berichterstattern bei der Aufstellung seiner ursprünglichen Liste übersehen wurden. Das erste dieser beiden Objekte ist die wunderbare Galaxie NGC2403, die Wilhelm Herschel erstmals 1788 katalogisierte. Das ist eigentlich verwunderlich, da dieses Ziel mit großen Ferngläsern von einem angemessenen Standort aus leicht zu sehen ist. Die Galaxie NGC2403 ist eine Spiralgalaxie, die sich nicht voll von vorne präsentiert, jedoch in einem reizvollen Winkel, von dem sowohl die Oberflächen-Helligkeit als auch ein klarer Blick auf ihre Architektur profitieren. Die Winkelausdehnung beträgt 23,4 x 11,8 Bogenminuten – ungefähr die gleiche Größe wie M81 (Erklärung siehe nachstehend) – und die Helligkeitsgröße ist 8,5 mag.

Die Galaxie NGC2403 kann mit kleinen Teleskopen klar gesehen werden, während größere Instrumente eine Andeutung der Spiral-Struktur zeigen und Knoten von nebelartiger Materie in ihren Spiral-Armen. Dadurch gleicht NGC2403 einer Mini-M33, der Dreiecksnebel-Galaxie – und stellt ein "Zusatzbonbon" dar, sowohl für die visuellen Beobachter als auch für alle Deep Sky Astrofotografen. NGC2403 ist Teil der so genannten M81-Galaxiengruppe in der Nachbarschaft zur Ursa-Major-Gruppe (auch: Bärengruppe) und liegt ungefähr 10 Millionen Lichtjahre von uns entfernt.

Bild Telescope House-Kunde Mark Blundell / NGC2408.

Bild Telescope House-Kunde Mark Blundell / NGC2408.

Knapp unter 23 Grad westlich von NGC2403 liegt das zweite Objekt der Camelopardalis Deep Sky-Schätze, die wunderschöne, von vorne sichtbare Balken-Spiralgalaxie IC342. Dieses Objekt ist ein echtes Opfer der galaktischen Position, da es nahe an der Ebene unserer Milchstraßen-Galaxie liegt, und – wie viele andere Objekte im Sternbild des Camelopardalis – von Sternen-Staubschleiern verdunkelt wird, die die Hauptspiral-Strukturen unserer Galaxie umgeben. Es gibt unterschiedliche Schätzungen, aber dieser Staub hat es immerhin geschafft, die Helligkeitsgröße von IC342 um 2,5 mag. zu mindern. Mit einer Größe +8,39 mag. ist die Helligkeit von IC342 ganz passabel, aber IC342 wäre bedeutend einfacher zu beobachten, wenn wir sie nicht durch den Schleier unserer eigenen Galaxie sehen müssten.  

Mit einer Winkelausdehnung von 24,4 x 20,9 Bogenminuten ist IC342 eine der größeren zu beobachtenden Galaxien am Himmel und damit ein fantastisches Beobachtungsobjekt für Astrofotografen. Was die Sichtbarkeit angeht, so spielt IC342 allerdings nicht in der gleichen Liga wie die benachbarte Spiralgalaxie NGC2403, da sie sie nur über eine geringere Flächenhelligkeit verfügt. Beobachter, die über passabel ausgelegte Teleskope verfügen, werden zwar den glühenden Kern des Zielobjektes erkennen, aber sonst sehr wenig. Es werden also bedeutend größere Instrumente benötigt – zusammen mit einem dunklen Himmel – um etwas von der ausgedehnten Spiral-Struktur von IC342 zu sehen. - Langzeitaufnahmen vermitteln uns eine gute Vorstellung davon , wie schön dieses Objekt wirklich ist – von vielen wird sie auch als die Entsprechung unserer eigenen Milchstraße bezeichnet. Da IC342 knapp 7 Millionen Lichtjahre entfernt liegt, gehört er nicht wirklich zu unserer lokalen Galaxie-Gruppe, aber ist gewiss immer noch nah genug, um eine gewisse gravitative Wechselwirkung auf unsere Galaxie-Gruppe auszuüben.

IC342

IC342 in Camelopardalis. Bildrechte: Sean Curry, reproduced under Creative Commons license.

Wenn wir die ziemlich diffusen Hinterbeine der Giraffe hinuntergleiten, von IC342 aus, kommen wir zu Mirfak, dem hellsten Stern im Sternbild des Perseus. Wir folgen dann an Perseus' östlicher Flanke ein Stück hinunter zum Stern Epsilon Persei, auch bekannt unter dem Namen "Adid Australis", von der wörtlichen arabischen Beschreibung "Stern des Südens des Oberarms". Der Adid Australis ist ein großer, stark leuchtender blauer Stern mit einer sichtbaren Helligkeitsgröße von ungefähr +2,8 mag. Mit einer Distanz von 540 Lichtjahren ist dieser Stern der Haupt-Kandidat für eine relativ kurzfristig erfolgende Supernova, da er 7 mal mehr Masse als die Sonne hat und durch seinen nuklearen Brennstoff angetrieben wird. Obwohl erst ungefähr 10 – 12 Millionen Jahre alt, wird Adid Australis in weniger als 2 Millionen Jahren der Wasserstoff ausgehen, und dieser Prozess wird unweigerlich zum Kollaps und zur endgültigen Auslöschung des Sterns führen. Aus unserer Perspektive wird das ganz sicher eine große Show werden, aber wir wollen hoffen, dass unser Sonnensystem der polarisierenden Druckwelle von Gamma-Strahlen entgeht, wenn dies passieren wird. Der Epsilon Persei hat wenigstens einen Begleiter, "B", welcher eine Helligkeit von +7,41 mag. hat und von dem Hauptstern 8,8 Bogensekunden entfernt ist; dies bedeutet eine Entfernungsdistanz von 1600 Astronomischen Einheiten (AE) und weist auf eine Umlaufzeit von ungefähr 16.000 Jahren hin. 

Epsilon Persei dient auch als Orientierungshilfe für diejenigen Beobachter, die den Gasnebel NGC1499 – wegen seiner Form auch als "Californianebel" benannt -  versuchen zu lokalisieren. NGC1499 lieg in einer Linie zwischen Epsilon Persei und dem benachbarten, +4,40 mg. hellen Stern Xi Persei, auch benannt als Menkib. Der Menkib ist ein weiterer Supernova-Kandidat (der Ausbruchl wird in einer Entfernung von mehr als 1200 Lichtjahren stattfinden).

Der Californianebel ist knapp 1 Grad nördlich von Menkib zu finden.

Der Kalifornien-Nebel

Der Kalifornien-Nebel. Bildrechte: Oliver Stein, reproduced under Creative Commons license.

Der Californianebel wurde 1884 von Edward Barnard entdeckt (Entdecker des gleichnamigen  "Barnard-Stern" und ist ein rätselhaftes Objekt. Technisch gesehen ist es ein helles Objekt mit +5 mag. von sehr großen Ausmaßen – 145 x 40 Bogenminuten (nur etwas kleiner als M31, die Andromeda Galaxie), aber wegen seiner Größe hat es nur eine geringe  Flächenhelligkeit. Der California-Nebel kann sehr leicht von Kameras mit einer relativ kurzen Belichtungszeit aufgenommen werden; damit man ihn aber bei visueller Beobachtung sehen kann, benötigt man zwei Dinge: einen annehmbaren Himmel und einen Hydrogen Beta Filter. 

Viele Himmelsbeobachter halten es für wichtig, beim Hervorheben von Objekten aus dem Himmelshintergrund mit einer geringen Flächenhelligkeit große Öffnungen  zu benutzen. Für ausgedehnte Objekte wie den California-Nebel ist das normalerweise ein sehr solider Ratschlag, der jedoch durch die Menge an Himmelsfläche, die ein Teleskop bei geringerer Vergrößerung noch angemessen zeigen kann, abgeschwächt werden muss. Es ist darauf hingewiesen worden, dass NGC1499 in manchen Fällen mit kleineren Teleskopen, kürzerer Brennweite und geringerer Vergrößerung und mit einem Hydrogen Beta Filter besser zu sehen ist. Größere Instrumente zeigen den Lichtvorhang am Rande des Nebels sehr gut mit Einsatz eines solchen Filters,  und sie können innerhalb der inneren Nebelstruktur mehr Filamentstrukturen und Details entdecken, aber ein kleineres kurzbrennweitiges Teleskop kann eventuell den kompletten Nebel in sein Gesichtsfeldpacken –  möglicherweise die beste Darstellungvon einem ästhetischen Standpunkt aus gesehen. Andere Beobachter haben den Nebel mit bloßem Auge aus der Dunkelheit heraus entdeckt, und das nur mit Hilfe eines Hydrogen Beta Filters, den sie in den entsprechende Himmelsareal gehalten haben. Anders als die populäreren UHC- und OIII-Filter, ist ein Hydrogen-Beta-Filter für die Beobachtung dieses Nebels von großem Nutzen, ebenso wie für die Beobachtung des angrenzenden Pferdekopfnebels-Nebels im Sternbild Orion, dem Nordamerikanebel im Sternbild Schwan, und einigen anderen Objekten. Für alle diejenigen, die diese berühmten Objekte sehen möchten, ist der Hydrogen-Beta-Filter wirklich ein Muss!

Es wird angenommen, dass die Strahlung des nahegelegenen Sterns Xi Persei dafür verantwortlich ist, daß Gas des California-Nebels zu stimulieren und es dadurch zum Glühen zu bringen. Die reichen Gas- und Stoffvorkommen in diesem Bereich der Milchstraße haben vielen massiven Sternen zu ihrer Geburt verholfen, von denen die bereits genannten Sterne Menkib und Adid Australis die wahrscheinlich hervorstechendsten Beispiele sind. Es wird angenommen, dass der  California-Nebel etliche 1000 Lichtjahre von unserer Position in der Galaxie entfernt liegt und an seiner breitesten Stelle eine Ausdehnung von ca. 100 Lichtjahren erreicht.

Bewegt man sich östlich vom NGC1499, in die Nachbarschaft des Auriga (das Sternbild des Fuhrmannes, engl. the Charioteer), dann kommen wir zu dem Objekt IC405, einem diffusen Nebel im Sternbild des Fuhrmannes, der auch "Flammender-Stern-Nebel" (Flaming Star Nebula) genannt wird. Er befindet sich beinahe genau 14 ½ Grad östlich des California-Nebels, und dieses Objekt stellt zum einen einen sog. Emissionsnebl und  und zu einem anderen Teil einen  Reflexionsnebel dar. Dies bedeutet, dass ein Teil seiner Struktur durch umgebende Sterne zum Leuchten gebracht wird, während der andere Teil lediglich das Licht der Sterne reflektiert, die im Objekt eingebettet sind sind. IC405, der eine Winkelausdehnung von ca. 30 x 19 Bogenminuten hat, umgibt den SternAE Auriga eine Stern, der vor fast 3 Millionen Jahren vom nahegelegenen Orion-Nebel aus einem Dopplesternsystem entstand. Mit einer Helligkeit von +10 mag. ist IC 405 an sich kein sehr helles Objekt, aber ausreichend hell um von einer geeigneten Beobachtungsstelle aus mit kleinen Teleskopen gesehen zu werden. Es ist nicht ganz sicher, ob die gesamte Materie, aus dem der "Flammender-Stern-Nebel" entstanden ist, einst ein Teil der Orion-Molekülwolke war; es ist wahrscheinlicher, dass es sich hierbei um Materie handelt, die das Objekt lediglich durchquert. Wie bereits erwähnt, ist dieser Bereich der Milchstraße voller Gas und voll von anderer Matterie, die Sterne entstehen lassen. Der IC405 ist ungefähr 1500 Lichtjahre von der Erde entfernt.

Der Flammende Stern-Nebel von Mark Blundell

Der Flammende Stern-Nebel von Mark Blundell

Knapp 3 Grad nord-östlich des "Flammenden-Sterns" liegt der erste von Aurigas drei großen offenen Kugelsternhaufens, der wunderbare M38, auch bekannt als der "Seestern-Haufen". Es ist schwierig zu erkennen, welche Ähnlichkeit diese +6,4 mag helle und 20 Bogenminuten Winkeldurchmesser messende Ansammlung von Sternen mit einem Seepferdchen (Meeres-Wirbellose) hat, aber er ist ganz sicher ein schöner Anblick, durch welches optische Instrument man sie sich auch immer betrachtet.

M38

M38. Bildrechte: Miguel Garcia, reproduced under Creative Commons license.

M38 wurde zuerst im Jahre 1654 von dem herausragenden sizilianischen Astronomen Giovanni Batista Hodierna gesichtet und später vom französischen Astronomen Guillaume Le Gentil 1749 wiederentdeckt. Die Beobachtungen Le Gentils ermunterten Charles Messier zur Entdeckung von M36, und dieser wurde 1764 dem Original-Messier-Katalog hinzugefügt.

Mit einer Ausdehnung von etwa 1/3° Winkeldurchmesser  ist M38 reif für Beobachtungen durch fast alle Teleskope oder Ferngläser. Der Beobachter wird lange Sternenketten erkennen, viele von ihnen in blauer Farbe, aber es gibt auch sehr schöne kontrastierende gelb- und goldgefärbte Sternenketten. M38 umfasst über 100 direkt assoziierte Sterne und liegt ca. 4200 Lichtjahre von der Erde entfernt. Man schätzt ihr Alter auf ca. 200 – 225 Millionen Jahre.

2 1/3 Grad süd-östlich des M38 kommen wir zum zweiten von Aurigas großen Sternenhaufen, dem Objekt M36. Dieser Sternenhaufen ist mit 10 Bogenminuten Winkeldurchmesser bedeutend kompakter als sein Nachbar und mit sich daraus ergebenden +6 mag. auch ein wenig heller. Diese Ansammlung von heißen weißen Sternen erscheint im Vergleich zum M38 durch ein Teleskop besonders glänzend – es wird sogar behauptet, dass M36, wenn er an der Position der Plejaden angesiedelt wäre, diese um den Faktor 3 in Punkto Helligkeit überstrahlen würde. M36 wurde 1654 ebenfalls von Hodierna entdeckt, dann im 18. Jh. durch Le Gentil wiederentdeckt, und 1764 dem Original-Messier-Katalog hinzugefügt.

M36

M36. Bildrechte: Ole Nielsen, reproduced under Creative Commons license.

M36 ist um einiges jünger als sein Nachbar; er enthält viele junge, heiße, blaue Hauptreihensterne der Spektraltypen B2 und B3. Da das Alter von M36 gerade einmal 25 Millionen auf Jahre geschätzt , kann man von einer jungen Sternenpopulationen sprechen. M36 ist ungefähr 4300 Lichtjahren entfernt und ist eines von vielen Objekten, das sich mit anderen Objekten den Spitznamen "das Feuerrad" teilt – aber abgesehen von einer kreisrunden Ansammlung von Sternen im Nordosten des Sternenhaufens ist es schwierig zu verstehen, warum der M36 diesen Spitznamen erhalten hat, besonders im Vergleich zu den anderen "Feuerrädern" am Himmel. Vielleicht sollten wir dem M36 einen neuen, originelleren Spitznamen geben – er verdient Besseres.

Der letzte von Aurigas großartigen offenen Sternenhaufen ist sein bester – der fantastische M37. Es gibt viele große Sternenhaufen in diesem Bereich des Himmels: die sehr nahen Sternenhaufen der Hyaden, den Plejaden, der "Bienenkorb"-Sternenhaufen (Beehive), der nahe gelegene M35 im Sternzeichen der Zwillinge, und der Doppel-Sternenhaufen im Sternbild des Perseus- aber der M37 ist der schönste von all diesen Sternenhaufen und ein wunderschöner Anblick durch jedes Teleskop oder Fernglas. Mit einem Durchmesser von ¼ Grad hat der M37 ungefähr die gleiche Winkelgröße wie der Vollmond am Himmel. Er ist mit +5,9 mag. auch der hellste Sternenhaufen im Auriga-Trio, und der älteste mit geschätzten 300 Millionen Jahren. Wie auch seine Nachbarn enthält der M37 viele heiße, blaue Sterne, aber auch bedeutend mehr ältere gelbe, orange-farbene und rote Riesensterne. Diese entstandene Sternenpopulation ergibt für uns Erd-Astronomen ein ausgezeichnetes Beobachtungsmuster, da die blauen Sterne der neueren, heißeren Population hervorragend mit den wärmeren Farbtönen der älteren Sterne kontrastieren.

M37

M37. Bildrechte: Ole Nielsen, reproduced under Creative Commons license.

Der M37 wurde ebenfalls von Hodierna entdeckt, jedoch, unbegreiflicherweise, von Le Gentil übersehen. Erst Messier hat ihn wiederentdeckt und 1764 katalogisiert. Die gesamte Sternenpopulation von M37 wird auf eine Anzahl von 500+ geschätzt, von denen vielleicht ungefähr 150 mit Amateur-Teleskopen beobachtet werden können. Der M37 ist der mit 4500 Lichtjahren Abstand am weitesten entfernte Sternenhaufen aller im Sternbild des Auriga vorkommenden Sternenhaufen und der größte mit über 25 Lichtjahren. 

Text: Kerin Smith (Übersetzt aus dem Englischen)