Sky Guide für Juli

Monatliche Himmelsschau Juli 2018

Sky Guide

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Es ist Juli - und die Nächte auf der Nordhalbkugel sind immer noch „weiß“, wenn es um Deep-Sky-Beobachtungen geht, aber dies ist normalerweise eine der angenehmeren Zeiten des Jahres, um Nachts draußen zu beobachten. Diejenigen von Ihnen auf der Südhalbkugel werden genau das Gegenteil erleben, nachdem sie kürzlich die Mittwintersonnenwende gefeiert haben.  Mit Mars in Opposition und einer totalen Mondfinsternis in der selben Nacht, sowie Jupiter und Saturn gut positioniert für frühe Abendbeobachtungen, ein ziemlich heller Komet für ihre Teleskope - wo auch immer Sie sich auf der Welt befinden, es gibt viel zu sehen.... 

Bitte beachten Sie die Zeitangaben: 

BST  British Summer Time (Sommerzeit) + 1 Stunde = MESZ  Mitteleuropäische Sommerzeit

00:00 – 12:00 Uhr = AM

12:00 – 00:00 Uhr = PM

Das Sonnensystem

Der Mond

Kurz nach seiner Vollmondphase steht der abnehmende Mond zu Monatsbeginn im Sternbild Steinbock (Capricornus) ziemlich tief in der südlichen Ekliptik, beobachtet aus der Perspektive der nördlichen Hemisphäre. Bei seinem frühen Aufgang am Morgen des 1. Juli steht er ungefähr 4 Grad nördlich des markanten Planeten Mars. So kurz nach Vollmond ist das natürlich nicht die beste Zeit für Deep Sky-Beobachtungen oder für das Ablichten von blasseren Himmelsobjekten ohne entsprechende Schmalbandfilter.

Der Mond erreicht als abnehmender Halbmond sein letztes Viertel am 06. Juli; er befindet sich jetzt im Sternbild Walfisch (Cetus), das nicht zu den 12 Zodiak-Tierkreiszeichen gehört.

Um den Neumondzeitpunkt am 13. Juli steht der Mond im Sternbild Zwillinge nahe an der Sonne und wird im Anschluss daran zu einem abendlichen Objekt. Am Abend des 14. Juli kann man den äußerst dünnen Neusichelmond kurz nach Sonnenuntergang ungefähr 2 1/3 Grad westlich von Merkur beobachten, auf der Sternbildgrenze von Löwe (Leo) und Krebs (Cancer); allerdings ist das Sichtfenster für das Auffinden des Planetenpaares doch sehr schmal, und eine Beobachtung kann nur mit starken Ferngläsern oder mittels eines Teleskopes gelingen. Weniger schwierig wird das Auffinden eines anderen Planetenpärchens sein, welches am folgenden Abend zu beobachten sein wird. Dann findet man nämlich den dünnen Sichelmond kurz nach Sonnenuntergang im Sternbild Löwe an der Seite von Venus, wobei die beiden Himmelskörper ungefähr 5 Grad voneinander entfernt sind (beobachtet von einem europäischen Standpunkt aus).

Der Mond, Merkur und Venus

Der Mond, Merkur und Venus, Sonnenuntergang, 15.Juli. Image created with SkySafari 5 for Mac OS X, ©2010-2016 Simulation Curriculum Corp., skysafariastronomy.com.

Am 19. Juli erreicht der Mond als zunehmender Halbmond sein 1. Viertel im Sternbild Jungfrau (Virgo); am folgenden Abend findet man ihn im Sternbild Waage (Libra) neben Jupiter, ca. 5 1/2 Grad nord-westlich des berühmten Planeten. 

Am 27. Juli verzeichnen wir die Vollmondstellung im Sternbild Steinbock. Er trifft dabei auf Mars, der an diesem Tag in Opposition steht, sowie auf eine totale Mondfinsternis. Die Halbschattenphase dieser Finsternis beginnt ca. um 18.17 Uhr (BST). Dem Mondaufgang kann man von vielen europäischen und afrikanischen Beobachtungspunkten ca. 1 Stunde und zwanzig Minuten nach Beginn der dunkleren Schattenphase beiwohnen.

Verfinsternder Mond und Mars

Verfinsternder Mond und Mars, bei Aufgang am 27.Juli 10pm (BST). Image created with SkySafari 5 for Mac OS X, ©2010-2016 Simulation Curriculum Corp., skysafariastronomy.com.

Für Beobachter in Großbritannien geht der Mond zur vollen Schattenphase auf – im dunkelsten Teil der Finsternis. Es ist sicher ein faszinierender Anblick, den Mond aus dem Schatten der Erde wieder auftauchen zu sehen, je höher er in den Himmel steigt.

Mond in der Kernschattenphase der Finsternis

Mond in der Kernschattenphase der Finsternis, 10.30pm 27. Juli. Image created with SkySafari 5 for Mac OS X, ©2010-2016 Simulation Curriculum Corp., skysafariastronomy.com.

Die volle Schattenphase läutet ihr Ende kurz vor 22.15 Uhr (BST) ein, wobei sich dann kurz danach die Halbschattenphase des Erdschattens – die Lichtbrechung durchläuft dabei die Erdatmosphäre – zeigt. Das endgültige Aus der Schattenphase ist dann um 23.18 (BST), und die Halbschattenphase kommt zu ihrem Ende am frühen Morgen des 28. Juli kurz vor 00.28 Uhr.

Wenn das Wetter mitspielt, dann könnte dies ein außergewöhnlicher Beobachtungsabend werden – mit dem zusätzlichen Bonus der Mars-Opposition nur ein paar Grad südlich entfernt.

Nach der Mondfinsternis zeigt sich der Vollmond wieder in voller Größe. Aber wie bereits zu Anfang des Monats ist es auch jetzt nicht die beste Zeit für Deep Sky-Beobachtungen und Ablichtungen.

Der Mond beendet den Juli als zunehmender Dreiviertelmond im Sternbild Wassermann (Aquarius), knapp unter 5 Grad südlich von Neptun.

Merkur

Merkur beginnt den Juli als eine +0,0 mag. helle Scheibe, die 6,7 Bogensekunden im Durchmesser groß ist und zu 59,5% beleuchtet. Der Planet steht bei Sonnenuntergang unter 11 Grad hoch am Himmel (beobachtet vom 51. Breitengrad Nord) und ist damit für Beobachtungen aus den nördlichen Teilen der Welt gut platziert – allerdings sehen ihn Beobachter aus den äquatorialen Gefilden unseres Planeten noch besser, da er zu diesem Zeitpunkt 24 Grad von der Sonne entfernt ist.

Merkurs Phase, Sonnenuntergang, 1. Juli

Merkurs Phase, Sonnenuntergang, 1. Juli. Image created with SkySafari 5 for Mac OS X, ©2010-2016 Simulation Curriculum Corp., skysafariastronomy.com.

Merkur erreicht seinen maximalen östlichen Abstand am 12. Juli, wobei der Planet 26 1/3 Grad von der Sonne entfernt ist – mit einer Helligkeit von +0,6 mag., einer Leuchtphase von 40%,  und einer Größe von 8,2 Bogensekunden im Durchmesser allerdings immer noch ein ziemlich enttäuschendes Objekt. Der Planet befindet sich jetzt im Sternbild Krebs und ist bei Sonnenuntergang für Beobachtungen aus der nördlichen gemäßigten Hemisphäre mit knapp unter 9 Grad Höhe noch einigermaßen gut am Himmel positioniert (beobachtet vom 51. Breitengrad Nord). Wie aber auch in diesem Falle, so kann man den Planeten in den tropischen Gebieten unserer Erde viel höher am abendlichen Himmel sehen.

Nach diesem Zeitpunkt startet Merkur seine unausweichliche Rückkehr zur Sonne, und von der Perspektive der nördlichen Hemisphäre sieht es so aus, als ob der Planet bei Sonnenuntergang rasend schnell an Höhe verliert. Das liegt daran, dass unser Mutterstern über den höchsten nördlichen Teil der Ekliptik, zur Zeit der Sommer-Sonnenwende, im späten Juni geglitten ist, und jetzt selbst an Höhe verliert, beobachtet aus der Perspektive der nördlichen Hemisphäre. Merkur selbst bewegt sich zur selben Zeit auf uns zu, wobei sich seine Leuchtphase perspektivisch verkürzt, verbunden mit einem dazugehörenden Helligkeits-Rückgang.

Zum Monatsende hin zeigt sich der innerste Planet als eine doch eher kümmerliche Scheibe, zu 10% beleuchtet, +2,5 mag. hell, und von einer Größe von 10,9 Bogensekunden im Durchmesser. Zu diesem Zeitpunkt geht Merkur, von der Sonne 15 1/2 Grad entfernt, quasi in Einklang mit der Sonne unter (beobachtet von der gemäßigten nördlichen Hemisphäre), was eine Beobachtung unmöglich macht.

Venus

Zu Monatsbeginn hat Venus gerade die Grenze des Sternbildes Krebs hin zum Sternbild Löwe passiert. Der Planet zeigt sich als eine –4,1 mag. helle und 15,8 Bogensekunden im Durchmesser große Scheibe, die zu 69% beleuchtet ist. Venus steht bei Sonnenuntergang 18 Grad hoch im Westen am Himmel.

Venusphase, Sonnenuntergang, 1. Juli

Venusphase, Sonnenuntergang, 1. Juli. Image created with SkySafari 5 for Mac OS X, ©2010-2016 Simulation Curriculum Corp., skysafariastronomy.com

Wenn der Planet über den höchsten nördlichen Punkt in der Ekliptik hinaus ist, verliert er, für die Beobachter in der nördlichen Hemisphäre, langsam an Höhe, obgleich er immer noch sehr weit weg ist von seiner größten östlichen Ausdehnung von der Sonne (die erst Mitte August erfolgen wird). Gleichzeitig gewinnt er jedoch an Höhe für diejenigen Beobachter, die sich in der südlichen Hemisphäre und in den Äquator-Regionen unserer Erde aufhalten. Venus nimmt außerdem an Winkelgröße und Helligkeit zu, während er sich der Erde nähert, wenngleich auch hier der Prozess allmählich abläuft.

Mitte des Monats befindet sich Venus immer noch im Sternbild Löwe. Der Planet hat zwar an Helligkeit nicht zugenommen und seine Leuchtphase ist auf 64% gesunken, aber seine Größe ist auf 17,6 Bogensekunden im Durchmesser angewachsen. Er steht nun 15 2/3 Grad hoch am Himmel, bei Sonnenuntergang beinahe genau westlich (beobachtet vom 51. Breitengrad Nord). Venus wird im Sternbild Löwe zu diesem Neumondzeitpunkt von der gerade zunehmenden Mondsichel begleitet, wobei die beiden Himmelskörper 5 Grad voneinander entfernt sind, wenn die Sonne über Europa und Afrika untergeht.

Ende Juli finden wir Venus an den Grenzen der Sternbilder Jungfrau und Löwe. Der Planet hat seine Helligkeit nach –4,2 mag. erhöht und zeigt sich als eine 20,4 Bogensekunden im Durchmesser große und zu 57% beleuchtete Scheibe, die bei Sonnenuntergang knapp unter 13 Grad hoch im Westen am Himmel steht.

Mars

Der Juli bringt uns die lang erwartete Mars-Opposition. Der Rote Planet wird dann der Erde am nahesten Punkt sein seit der Opposition im Jahre 2003. Am 1. Juli finden wir Mars im Sternbild Steinbock, mit einer hervorstechenden Helligkeit von –2,2 mag. und einer Größe von 20,9 Bogensekunden im Durchmesser. Der Planet geht um 23.19 Uhr (BST) auf, an diesem Abend begleitet vom abnehmenden Dreiviertelmond. Beide Planeten stellen ein beeindruckendes Paar am Himmel dar.

Die Wachstumsphasen des Marsdurchmessers

Die Wachstumsphasen des Marsdurchmessers der letzten Monate, im Vergleich zu Jupiter und Saturn im Größenvergleich. Image created with SkySafari 5 for Mac OS X, ©2010-2016 Simulation Curriculum Corp., skysafariastronomy.com.

Mars ist jetzt zu einem beachtlichen Beobachtungsobjekt geworden und zeigt kontinental-große Oberflächen-Merkmale in Teleskopen von praktisch jeder Größe. Der Gebrauch von Filtern, ganz besonders des #23A Light Red Filters, hilft dabei, die dunkleren Anteile der Mars-Scheibe zu isolieren. Ein #82a Light Blue-Filter hilft dabei, die Polarkappen des Mars' hervorzuheben. Dieser Filter ist auf jeden Fall von großem Nutzen, da bei der bevorstehenden Mars-Erscheinung die kleinere südliche Polarkappe des Planeten uns zugewandt sein wird. Und diese südliche Polarkappe ist nämlich schwieriger zu entdecken als die größere nördliche Polarkappe, welche uns in den ersten Monaten diesen Jahres zugewandt war. Dies gilt auch für die benachbarte Hellas-Tiefebene (Hellas basin = ein Mars-Krater), die sich oft mit Nebel und Wolken füllt und häufig mit der südlichen Mars-Polarkappe verwechselt wird. Es hat sich gezeigt, dass durch unterschiedliche Beobachtungsfrequenzen ganz bestimmte Merkmale in den Vordergrund treten und dass dadurch ihre Identifizierung leichter und präziser vonstatten geht.

Zur Juli-Mitte hin hat Mars seine Helligkeit auf glänzende –2,6 mag. gesteigert und ist nun, abgesehen von der Sonne, dem Mond und Venus, das hellste Objekt am Himmel. Zu diesem Zeitpunkt ist der Planet 23,2 Bogensekunden im Durchmesser groß und geht ungefähr eine Stunde früher auf als zu Monatsbeginn.

Mars erreicht seine Opposition am 27. Juli, wobei er dann mit einer brillanten Helligkeit von –2,8 mag. und einer Größe von 24,2 Bogensekunden im Durchmesser aufwarten kann. Wie vorher bereits erwähnt, kam Mars der Erde vor 15 Jahren am nächsten – und wird in diesem Jahr in der Oppositionsnacht von uns ca. 57,8 Millionen km entfernt sein. Mit ca. 56 Millionen km war die Mars-Opposition im Jahre 2003 etwas näher an der Erde und mit einer Größe von 25,1 Bogensekunden im Durchmesser und einer Helligkeit von –2,9 mag. auch minimal überlegener, aber bei der jetzt anstehenden Opposition erscheint der Planet trotzdem als in des Wortes wahrstem Sinne brillant. Die Ursache für die unterschiedlichen Höchststände von Helligkeit und Größe beruhen auf die stark elliptische Umlaufbahn des Mars', welche zu einem Zyklus von 15 bis 17 Jahren führt, was die Oppositions-Höchststände betrifft. Diejenigen Himmelsleser, die den Himmel seit Jahren beobachten, werden sich zweifelsohne an die markante Mars-Opposition des Jahres 2003 erinnern, oder an die September-Opposition des Jahres 1988, wo der Planet fast auf dem Himmelsäquator im Sternbild Fische (Pisces) erschien. Bei beiden Oppositionen erschien der Planet aus der Perspektive der nördlichen Hemisphäre höher am Himmel, mit nämlich knapp unter 23 bzw. 36 1/2 Grad hoch an seinem Durchgangspunkt (beobachtet von 51 Grad Nord). Zum Vergleich: Mars erreicht seinen Höhepunkt in der Oppositionsnacht im Süden mit knapp über 13 Grad Höhe (wieder beobachtet von 51 Grad Nord). Daraus folgt, dass die Beobachtung dieser Opposition aus der südlichen Hemisphäre deutlich vorteilhafter ist. Und es ist tatsächlich so, dass der gegenwärtige 15 – 17 Jahre-Zyklus des Oppositions-Höchststandes sich stark einseitig auf das Erscheinen des Planeten in der südlichen Himmels-Hemisphäre ausrichtet – aber so ist nun einmal die Eigenart dieser besonderen Epoche der Dynamik des Sonnensystems. Aber machen wir nun erst einmal das Beste aus der anstehenden Opposition, denn die nächste Mars-Opposition wird nicht vor 2035 sein. Selbstverständlich wird es dazwischen viele weitere Oppositionen geben, sie werden allerdings bei weitem nicht so spektakulär sein wie die jetzige. Die nächsten beiden Oppositionen, die von Oktober 2020 und Dezember 2022, werden, aus der Perspektive der nördlichen Hemisphäre gesehen, bedeutend höher am Himmel stehen. Da der Planet sich bei der jetzigen Opposition in der südlichen Hemisphäre aufhält, wird Mars sich auch am besten beobachten lassen, je südlicher man sich auf Erden aufhält. Aber wo immer Sie sich auch befinden mögen, es wird faszinierend sein, ihn zu beobachten oder zu fotografieren.

Mars in der Oppositionsnacht mit seinen Monden, Phobos und Deimos

Mars in der Oppositionsnacht mit seinen Monden, Phobos und Deimos. Image created with SkySafari 5 for Mac OS X, ©2010-2016 Simulation Curriculum Corp., skysafariastronomy.com.

Mars beendet den Juli als eine –2,8 mag. helle und 24,3 Bogensekunden im Durchmesser große Scheibe. Der Planet geht kurz vor 21.15 Uhr (BST) auf und geht am folgenden Morgen um 04.30 Uhr wieder unter.  

Jupiter

Zu Beginn des Monats befindet sich Jupiter im Sternbild Waage und präsentiert sich als eine –2,3 mag. helle und 41,3 Bogensekunden im Durchmesser große Scheibe. Der Planet steht bei seinem Durchgang, der um 21.06 Uhr erfolgt (BST, beobachtet von 51 Grad Nord), knapp unter 24 Grad hoch am Himmel.

In den ersten beiden Juli-Wochen beendet Jupiter für dieses Jahr seine gegenläufige Bahn (retrograde path) durch den Himmel. Nachdem er zu seiner rechtläufigen Richtung (prograde motion) – von Westen nach Osten innerhalb der Ekliptik – zurückgekehrt ist, beginnt der Planet weiter südlich abzusinken und wird, aus der Perspektive der nördlichen Hemisphäre beobachtet, behutsam an Höhe verlieren.

Zur Monatsmitte hat Jupiter mit –2,2 mag. leicht an Helligkeit und mit 39,7 Bogensekunden im Durchmesser auch an Größe verloren. Der Planet geht kurz vor 15.25 Uhr auf und hat seinen Durchgang um ca. 20.11 Uhr (BST, beobachtet von 51 Grad Nord), wobei er 23 2/3 Grad hoch im Süden am Himmel steht.

Jupiters GRF ( Großer Roter Fleck) und Europas Transit

Jupiters GRF ( Großer Roter Fleck) und Europas Transit, 11pm (BST) 15. Juli. Image created with SkySafari 5 for Mac OS X, ©2010-2016 Simulation Curriculum Corp., skysafariastronomy.com.

Am 31. Juli hat Jupiter mit 37,9 Bogensekunden im Durchmesser noch einmal leicht an Größe verloren und, konsequenterweise, mit –2,1 mag., auch an Helligkeit. Der Planet geht nun kurz nach 14.26 Uhr (BST) auf und hat seinen Durchgang um 19.10 Uhr, wobei er mit knapp unter 23 1/2 Grad hoch im Süden am Himmel steht (beobachtet von 51 Grad Nord).

Saturn

Anfang Juli hat Saturn gerade seine Opposition hinter sich und ist für Beobachtungen in den äquatorialen und südlichen Gefilden unseres Planeten ganz ausgezeichnet positioniert. Für die Beobachter hier in den nördlicheren Erdteilen stellt jedoch der Abstand des Planeten vom Horizont eine große Herausforderung dar, aber die „Hochleistungsbilderfassung“ wird dabei helfen, die Sichtbedingungen für die Beobachter in der nördlichen Hemisphäre etwas erträglicher zu machen - sie wird dabei hochauflösendere Bilder zusammenfassen als möglicherweise all jene, die bisher durch Teleskope beobachtet werden konnten, selbst wenn diese unter den günstigsten Witterungsverhältnissen zustande gekommen sein sollten. Für den Fall, dass Sie die Öffnung Ihres Teleskopes erfolgreich nutzen wollen, ist der Gebrauch von leistungsstarken Filtern für visuelle Beobachtungen ebenfalls praktikabel - ganz besonders der rustikale Filter Tiefrot #29 Filter. Er schwächt die schlimmsten Auswüchse von atmosphärischen Schwankungsbewegungen ab und kann wirklich den Unterschied ausmachen bei dem Versuch, Einzelheiten auf den helleren Planeten zu entdecken, wenn diese sich näher am Horizont befinden.

Aber wo immer Sie sich auf der Welt auch aufhalten sollten, der juwelengleiche Saturn sollte in diesem Monat die Nummer eins Ihrer Beobachtungsliste sein, und auch noch für die Zeit danach.

Am 1. Juli finden wir Saturn im Sternbild Schütze mit einer Helligkeit von +0,0 mag. und einer Größe von ca. 18,4 Bogensekunden im Durchmesser. Der Planet geht um 20.44 Uhr (BST) auf und hat um ca. 01.00 Uhr am folgenden Morgen seinen Meridiandurchgang.

Zur Monatsmitte hin hat Saturn mit +0,1 mag. ganz leicht an Helligkeit verloren und präsentiert sich jetzt als eine 18,3 Bogensekunden im Durchmesser große Scheibe.

Saturn und seine Hauptmonde

Saturn und seine Hauptmonde, 11pm (BST), 15. Juli. Image created with SkySafari 5 for Mac OS X, ©2010-2016 Simulation Curriculum Corp., skysafariastronomy.com.

Ende des Monats ist Saturn noch +0,2 mag. hell und 18 Bogensekunden im Durchmesser groß. Der Planet geht nun um 18.38 Uhr auf und hat seinen Durchgang um 22.37 Uhr, wobei er knapp über 16 Grad hoch im Süden am Himmel steht (beobachtet von 51 Grad Nord; Zeiten nach BST).

Uranus und Neptun

Im Juli sind beide äußeren Planeten morgendliche Objekte. Neptun geht von beiden Planeten früher auf, da er sich weiter westlich in der Ekliptik (im Sternbild Wassermann) als Uranus (der sich im Sternbild Widder [Aries] befindet) aufhält. Neptun ist von den beiden äußeren Gasriesen immer der für Beobachtungen schwierigere Planet, und man benötigt schon Teleskope von ausreichender Öffnung, um ihn als eine +7,8 mag. helle und zu diesem Zeitpunkt gerade einmal 2,3 Bogensekunden im Durchmesser große Scheibe aufzulösen. Am Morgen des 4. Juli gleitet der abnehmende Dreiviertelmond ca. 3 1/4 Grad südlich am Planeten vorbei, wobei der Mond Beobachtern damit einen guten Hinweis auf die Himmelsposition von Neptun gibt (obwohl das streuende Mondlicht wiederum eine positive Identifikation in dieser lichtschwachen Himmelswelt knifflig macht).

Uranus und Neptuns Positionen, 15. Juli 2018.

Uranus und Neptuns Positionen, 15. Juli 2018. Image created with SkySafari 5 for Mac OS X, ©2010-2016 Simulation Curriculum Corp., skysafariastronomy.com.

Um die Monatsmitte herum hat Neptun seinen Durchgang kurz vor Sonnenaufgang in den mittel-nördlichen Breitengraden und steht dabei ca. 30 Grad hoch am Himmel (beobachtet von 51 Grad Nord).

Uranus ist, wie immer, das einfacher zu beobachtende Objekt, aber der Planet befindet sich ein wenig näher an der Sonne, so dass er auch später aufgeht als sein Nachbar. Mit einer Helligkeit von +5,8 mag. und einer Größe von 3,5 Bogensekunden im Durchmesser ist Uranus in der Tat auch viel leichter zu finden und zu identifizieren – technisch gesehen könnte er auch ein "bloßes-Augen- Objekt" sein. Normalerweise jedoch benötigt man immer noch ein Fernglas mit ausreichender Stärke und Brennweite, um eine positive Identifikation vornehmen zu können. Am Morgen des 7. und  8. Juli befindet sich der abnehmende Dreiviertelmond ca. jeweils 8 Grad südwestlich bzw. südöstlich des Planeten und gibt somit einen nützlichen Hinweis auf dessen Himmelsposition.  

Kometen

Während die Himmelsleser der gemäßigten nördlichen Hemisphäre den Kometen PanSTARRS C/2016 M1 bei seiner Reise in den Süden aus den Augen verloren haben, können die Beobachter in der südlichen Hemisphäre und in den äquatorialen Regionen unseres Planeten seiner Spur durch die Sternbilder Altar (lat. Ara), Winkelmaß (lat. Norma) und dem Sternbild Südliches Dreieck (lat. Triangulum Australe) folgen. Der Komet hat zu diesem Zeitpunkt den Höhepunkt seiner Helligkeit überschritten, sollte aber mit größeren Ferngläsern oder Teleskopen von einer dunklen Beobachtungsstelle aus noch einigermaßen (wenn auch ziemlich lichtschwach) zu sehen sein.

Während die Himmelsleser der gemäßigten nördlichen Hemisphäre den Kometen PanSTARRS C/2016 M1 bei seiner Reise in den Süden aus den Augen verloren haben, können die Beobachter in der südlichen Hemisphäre und in den äquatorialen Regionen unseres Planeten seiner Spur durch die Sternbilder Altar (lat. Ara), Winkelmaß (lat. Norma) und dem Sternbild Südliches Dreieck (lat. Triangulum Australe) folgen. Der Komet hat zu diesem Zeitpunkt den Höhepunkt seiner Helligkeit überschritten, sollte aber mit größeren Ferngläsern oder Teleskopen von einer dunklen Beobachtungsstelle aus noch einigermaßen (wenn auch ziemlich lichtschwach) zu sehen sein.

21P/Giacobini-Zinner'sPfad durch Cygnus, Cepheus and Cassiopeia

21P/Giacobini-Zinner'sPfad durch Cygnus, Cepheus and Cassiopeia währen des Monats Juli 2018. Image created with SkySafari 5 for Mac OS X, ©2010-2016 Simulation Curriculum Corp., skysafariastronomy.com.

Am 1. Juli finden wir Komet 21P ungefähr 9 1/4 Grad nördlich des Sterns Deneb (Alpha Cygni), dem hellsten Stern im Sternbild Schwan. Der Komet zieht weiter seine Bahn durch das nördliche Schwan-Sternbild und passiert am 10. / 11. Juli die Grenze hinüber zum Sternbild Kepheus (lat. Cepheus). Am 27. Juli überquert der Komet kurz die Grenze zum Sternbild Kassiopeia (lat. Cassiopeia), um dann am nächsten Tag wiederum "Bewohner" des Sternbildes Kepheus zu werden; so zerklüftet und gezackt sind die Grenzen zwischen diesen beiden Sternbildern. Am 30. Juli überquert 21P erneut die Sternbildgrenze hin zum Sternbild Kassiopeia, in welchem er dann bis zur letzten Hälfte des Monats August verbleibt, leicht zu finden über das ausgeprägte "W"-Merkmal der Konstellation. Der Komet wird in den Monaten August und September schnell heller werden, da diese Erscheinung in großer Nähe an der Erde vorbeizieht (in 0,39 AE = astronomische Einheit). Eventuell kann man diesem Ereignis mit bloßem Auge beiwohnen.

Meteore

Die Juli-Aquariiden, oder auch (Südliche) Delta-Aquariiden sind ein mittelstarker Sternschnuppenschwarm, dessen Spitzenausstoß mit 20 Meteoren pro Stunde am oder um den 28. / 29. Juli erfolgt. Von seinem Stammkometen, 96P/Machholz, versorgt, sind die Juli-Aquariiden ein sehr verlässlicher Meteorstrom und sind von den beiden Delta-Aquariiden südlicher positioniert (das nördlicher gelegene Äquivalent der Delta-Aquariiden ist weniger aktiv und hat seinen Spitzenausstoß im Monat August).

In diesem Jahr trifft der Spitzenausstoß mit dem Vollmond im benachbarten Sternbild Steinbock zusammen, und während die totale Mondfinsternis in der Nacht vom 27. auf den 28. Juli eine gute Chance bieten würde, Meteore zu beobachten, wird sich jedoch das Hauptaugenmerk der Beobachter mehr auf das Ereignis der Mondfinsternis konzentrieren, zumal der Meteorstrom nicht sehr hoch am Himmel stehen wird.

Deep Sky-Höhepunkte

in den Sternbildern Schlange (Serpens) und Schlangenträger (Ophiuchus) – das Zentrum der Kugelsterne ("Globular Central")

Im letzen Monat haben wir uns das Schwanzende der Wasserschlangen-Konstellation (Hydra) angeschaut und die sie umgebenden Sternbilder. In diesem Monat lassen wir uns in östlicher Richtung weitertreiben zu den verknüpften und ausgedehnten Konstellationen von Schlange und Schlangenträger.

Serpens und Ophiuchus

Serpens und Ophiuchus. Image created with SkySafari 5 for Mac OS X, ©2010-2016 Simulation Curriculum Corp., skysafariastronomy.com

Diese Himmelsregion liegt in direkter Nachbarschaft der Ebene der Milchstraße und im Besonderen nahe der Milchstraßen-Wölbung, dem zentralen Bereich unserer Galaxie, der von vielen benachbarten Kugelsternhaufen umkreist wird. Wenn Sie also ein Anhänger von Kugelsternen sind, dann ist diese Himmelsregion ein exzellentes Jagdgebiet.

Wir beginnen unsere Reise durch das "Kugelstern-Zentrum" mit einem der schönsten Exemplare am Himmel – dem Kugelsternhaufen M5 im Sternbild Schlange. Von den in diesem Monat zu beschreibenden Kugelsternhaufen ist M5 dabei am weitesten nord-westlich platziert. Er wurde 1702 vom deutschen Astronomen-Ehepaar Gottfried und Maria Kirch entdeckt und, nach seiner Wiederentdeckung durch Charles Messier im Jahre 1764, in den Messier-Katalog aufgenommen. Dieser Kugelsternhaufen "glänzt" mit einer Helligkeit von +5,6 mag. und kann deshalb, bei günstigen Beobachtungsbedingungen, mit dem bloßen Auge gesehen werden. Mit einer Größe von 3,5 Bogenminuten hat M5 die gleiche Winkelgröße wie der berühmte M13-Kugelsternhaufen im Sternbild Herkules. M5 kommt als Kugelsternhaufen dann voll zur Geltung, wenn man ihn durch das Fernglas oder Teleskop betrachtet, und mit beiden Instrumenten ist er auch leicht zu finden. Das Auffinden von M5 ist dabei unkompliziert: zunächst den Stern "Beta Librae" (oder auch arab. Zubeneschamali, "die nördliche Klaue", genannt) im Sternbild Waage aufsuchen und dann 10 Grad nordwärts entlangstreichen. Der Kugelsternhaufen selbst ist nicht zu verfehlen – mit einem kleineren Teleskop kann man die helleren Sterne auflösen, aber mit einem mittelgroßen bis großen Teleskop erhält man eine überströmende Detailfülle – lange Sternenketten in ihren ausgedehnten Lichthöfen. Was die Größe von Kugelsternhaufen betrifft, so ist M5 im Vergleich zum Kugelsternhaufen Omega Centauri (im Sternbild Zentaur, 55 Bogenminuten im Durchmesser, +3,9 mag. hell) nicht ganz so groß, gleichwohl ein mächtiges Beispiel für einen Kugelsternhaufen. Der Kugelsternhaufen enthält bis zu einer halben Million Sterne, und der gesamte Rotationsbereich von M5 erstreckt sich über 200 Lichtjahre, obgleich der Kugelsternhaufen selbst nur eine Größe von 164 Lichtjahren hat. M5 liegt ungefähr 24–25.000 Lichtjahre von uns entfernt.

M5, HST-Bild

M5, HST-Bild. Bildrechte: NASA/ESA, Public Domain.

Bis zum nächsten Kugelsternhaufen, dem M12 im Sternbild Schlangenträger (Ophiuchus), ist es ein weiter Sprung. Dieses +6,69 mag. helle Objekt ist mehr als 22 Grad in östlicher Richtung von M5 entfernt. M12 hat in etwa die gleiche Winkelgröße wie M5, ist jedoch mit 75 Lichtjahren im Durchmesser bedeutend kleiner, und liegt mit 16.000 Lichtjahren sehr viel näher an unserem Planeten. Charles Messier entdeckte M12 im Jahre 1764 ("...ein nebulöses Objekt..."), aber erst William Herschel 1783 entdeckte die stellare Natur des Kugelsternhaufens und konnte ihn in seine Einzelsterne auflösen.

M12, HST-Bild.

M12, HST-Bild. Bildrechte: NASA/ESA, Public Domain.

Quasi nebenan, bildlich gesprochen, liegt der "Zwilling" von M12, der Kugelsternhaufen M10. Der 3 Grad nordwestlich von M12 liegende M10 ist mit +6,59 mag. etwas heller und mit 3,9 Bogenminuten im Durchmesser auch etwas größer als sein Nachbar. Auch M10 wurde 1764 von Charles Messier entdeckt und 1783 wiederum von William Herschel als ein stellares Objekt erkannt. M10 ist mit 14.000 Lichtjahren etwas näher an der Erde und mit 82-85 Lichtjahren im Durchmesser etwas größer als M12. In starken Ferngläsern oder Teleskopen erscheint die Kontur von M10 im Vergleich zu vielen anderen Kugelsternhaufen etwas unregelmäßig. Und in der Tat, der britische Astronom Lord Rosse, der im 19. Jahrhundert einen Kommentar über die Struktur von M10 verfasste, merkte an, dass dessen "wichtigsten Sterne eine spiralförmige Ausgestaltung annehmen" – wobei er sich wahrscheinlich auf die Sternenketten rund um den Kern des Kugelsternhaufens bezog. William Herschel beschrieb M10 als "einen wunderschönen Sternhaufen mit extrem verdichteten Sternen".

Sowohl in Ferngläsern als auch in Teleskopen ist der M10 ein wirklich wunderbares Beobachtungs-Objekt.

M10.

M10. Bildrechte: Hunter Wilson, Creative Commons.

10 Grad östlich von M10 liegt der etwas schwieriger zu beobachtende Kugelsternhaufen M14. Wie auch bei den beiden vorgenannten Sternhaufen wurde auch M14 1764 von Charles Messier entdeckt und 1783 von William Herschel als ein stellares Objekt erkannt. M14 hat eine Helligkeit von +7,59 mag. und ist mit 2,6 Bogenminuten im Durchmesser auch kleiner als die beiden vorher schon genannten Kugelsternhaufen. M14 erscheint in Ferngläsern und Teleskopen als ein leicht zusammengequetschtes Gebilde – und ist damit ohne jeden Zweifel ein noch unregelmäßigeres Objekt als der M10-Kugelsternhaufen. Um die Sterne in M14 aufzulösen, benötigt man ein größeres Fernglas als dasjenige, mit welchem man bei den beiden anderen Sternhaufen für diesen Zweck gut zurechtgekommen war – eine mindestens 8-Zoll (oder höhere)-Apertur wird gebraucht, um die Details des Kugelsternhaufens gut beobachten zu können.

M14

M14. Bildrechte: Hunter Wilson, Creative Commons.

Wir nehmen eine kurze Auszeit von den Kugelsternhaufen und wenden uns, 11 Grad südlich von M14, in die Richtung des Sterns Eta Ophiuchi, oder auch arabisch Sabik ("vorausgehend"), im Sternbild Schlangenträger, dem dort liegenden Planetarischen Nebel NGC 6309 zu, auch genannt der "Box Nebel". Der Box Nebel hat eine Helligkeit von +11,5 mag. und eine Größe von 0,3 x 0,2 Bogenminuten. Die Beobachtung des Nebels bleibt eine Domäne für größere Teleskope, aber auch mit 4-Zoll-Refraktoren oder 6-Zoll-Reflektoren kann man den Nebel sehen. Wie bei den meisten Planetarischen Nebeln, so ist auch bei NGC 6309 die Nebel-Größe seine Stärke. Obwohl er als Objekt eher klein ist, so ist diese Kompaktheit jedoch der Grund für seine gut-verdichtete Helligkeit. Wie immer, wird auch hier ein angemessener OIII- und UHC-Filter bei der Beobachtung hilfreich sein, wie auch der Gebrauch von starken Vergrößerungen, um den Kontrast zum Himmelshintergrund zu verstärken. Bei der Anwendung der Langzeitfotografie sieht der Box-Nebel ein wenig aus wie ein Schlüsselloch.

NGC 6309, HST-Bild.

NGC 6309, HST-Bild. Bildrechte: NASA/ESA, Public Domain.

Wir kehren zurück zu den Kugelsternhaufen und finden 5 Grad südlich von NGC 6309 das nächste der vielen Schatzkästchen im Sternbild Schlangenträger: den Kugelsternhaufen M9. Er wurde 1764 von Charles Messier entdeckt und ist mit 1,9 Bogenminuten im Durchmesser ein kompaktes Objekt. Bezüglich seiner doch schwächeren Helligkeit von +7,71 mag. liegt der Kugelsternhaufen im Mittelwert der Objekte, die wir in diesem Monat besprochen haben. M9 findet sich 25.000 Lichtjahre von uns entfernt, angelehnt an eine dunkle Staubbahn der Milchstraße und im Moment teilweise verdunkelt durch interstellaren Staub. Ohne diesen Staub reichte die Helligkeit von M9 an M10 und M12 heran. Es ist gar nicht so einfach, Sterne in M9 aufzulösen – sogar 10-Zoll-Instrumente haben mit dieser Aufgabe zu kämpfen. Man benötigt schon ein Teleskop im 14-16-Zoll Bereich, um eine sinnvolle Beobachtung von M9 zu betreiben; es sollte fairerweise aber nicht unterschlagen werden, dass es in dieser Himmelsregion interessantere und schönere Objekte zu bestaunen gibt!

M9, wesentlich eindrucksvoller als durch Amateurteleskope

M9, wesentlich eindrucksvoller als durch Amateurteleskope. HST-Bild. Bildrechte: NASA/ESA, Public Domain.

Das vorletzte Objekt auf unserer Beobachtungsliste für den Monat Juli ist M19. Dieser Kugelsternhaufen ist, wie auch der vorgenannte M14, ein unregelmäßiger, abgeflachter Sternhaufen – aber nicht nur das. M19 verteidigt seinen Ruf, der unregelmäßigste Kugelsternhaufen zu sein, und er erscheint als solcher in ovaler Form in den Teleskopen. Mit einer Helligkeit von 6,76 mag. und einer Größe von 2,6 Bogenminuten im Durchmesser ist M19 ziemlich leicht zu finden, obwohl sein Kern, ähnlich wie bei M9, doch schwierig in seine einzelnen Sterne aufzulösen ist. Ein Teil dieser Schwierigkeit liegt in der großen Entfernung zwischen Erde und M19, die 29.000 Lichtjahre beträgt, wobei der Sternhaufen eigentlich mit 140 Lichtjahren im Durchmesser eine ganz ordentliche Größe hat. Und wieder war es im Jahre 1764 Charles Messier, der M19 entdeckt hat. Da der Kugelsternhaufen gerade einmal 13 Grad hoch am Himmel steht, beobachtet vom 51. Breitengrad Nord, kann es durch atmosphärische Störungen und lokale Umgebungsbeeinträchtigungen Schwierigkeiten geben, den Sternhaufen bestmöglich aufzulösen. Die Himmelsleser in der südlichen Hemisphäre haben es da bedeutend einfacher, dieses interessante Objekt zu beobachten.

M19.

M19. Bildrechte: Hunter Wilson, Creative Commons.

Wenn Sie meinen, dass M19 schon eine besondere Herausforderung an die Beobachtung stellt, dann setzt der südlichste Kugelsternhaufen des Schlangenträger-Sternbildes noch "einen drauf". M62 liegt an der Sternbildgrenze zum benachbarten Skorpion (Scorpius) und kann wegen seiner südlichen Position von Nord- und Mitteleuropa aus nur sehr schwierig beobachtet werden; es bleibt die interessante Herausforderung, es zu versuchen. Der Kugelsternhaufen wurde 1771 von Charles Messier entdeckt und liegt 22.000 Lichtjahre von uns entfernt; M62 hat eine scheinbare Helligkeit von +6,44 mag. Er ist mit 1,8 Bogenminuten im Durchmesser ein kompaktes Objekt, das dadurch sehr hell erscheint. Auch M62 hat für einen Sphäroiden eine sehr unregelmäßige Kontur, und es ist behauptet worden, dass dies das Resultat seiner Nähe zu den starken Rotationskräften unseres Galaxienkerns sei. M62 erscheint in Instrumenten jeglicher Größe als kompakt verdichtetes Objekt, dessen äußerer Lichthof mit größeren Teleskopen leicht zu erkennen ist.

M62

M62. Bildrechte: Hunter Wilson, Creative Commons.

Vielen Dank an den Originaltext aus dem Englischen (Autor: Kerin Smith)

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