Sky Guide für April

Monatliche Himmelsschau April 2018

Sky Guide

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Für uns in der nördlichen Hemisphäre, nun mit der Sonne im nördlichen Teil der Ekliptik, nehmen die Stunden des Tageslichts gegenüber den Nachtphasen stetig zu.  Da die Frühlings Tag- und Nachtgleiche gerade erst stattgefunden hat, gibt es für uns "Nordländer" auf Anhieb keine große Veränderung hinsichtlich der Beobachtungsbedingungen. Aber bis Ende April haben sich die Stunden der astronomischen Dunkelheit von etwas mehr als sieben am 1. April auf etwas weniger als vier am 30. April verringert - ein großer Unterschied.  Natürlich wird das Gegenteil der Fall sein für die Leser in der südlichen Hemisphäre, die sich nun auf den Winter zubewegen, wobei die Dunkelheit Tag für Tag eindringt.  Wo auch immer Sie sich in der Welt befinden, es gibt wie immer viel zu sehen am Himmel über uns....

Das Sonnensystem

Der Mond

Der Mond eröffnet den April im Sternbild Virgo, kurz nach Vollmond. Die Nähe zum Vollmond ist natürlich nicht die beste Zeit für Deep-Sky-Beobachtungen oder die Aufnahme schwacher Objekte ohne entsprechende Schmalbandfilter.

Der Mond erreicht das letzte Viertel am 8ten, während er im Schützen verweilt und kann in loser Konjunktion mit Saturn und Mars am frühen Morgenhimmel gefunden werden.

Der Mond nähert sich am 16ten der Neumondphase, wenn er sich im Sternbild Fische der Sonne anschließt, woraufhin er zum Abend-Ziel wird. Am nächsten Abend kann man vielleicht das winzige Stück des sehr schlanken Halbmondes entlang der Venus, kurz nach Sonnenuntergang, herauspicken, wobei die beiden Himmelskörper um etwa 6 Grad voneinander getrennt sind. Am nächsten Abend macht der Mond einen seiner regelmäßigen Ausflüge durch die Hyaden. Dies geschieht, wenn der Mond über Europa untergeht.

Mond und Venus

Mond und Venus, früher Abend am 18. April (51° N). Image created with SkySafari 5 for Mac OS X, ©2010-2016 Simulation Curriculum Corp., skysafariastronomy.com.

Der Mond beginnt dann durch einen sehr steilen Teil der Ekliptik aus der Perspektive mittlerer Breiten auf der Nordhalbkugel aufzusteigen und gewinnt Nacht für Nacht an Höhe, während er sich durch die Sternbilder Stier und Orion bewegt, bis er das erste Viertel hoch in der nördlichen Ekliptik an der Zwillings-/Krebsgrenze am 22. September erreicht. Der abendliche Mondzyklus dieses Monats ist einer der "Hohen Frühlingssicheln", für die diese Jahreszeit bemerkenswert ist, und bietet ausgezeichnete Möglichkeiten zur Beobachtung und Fotografie in den gemäßigten nördlichen Breiten. 

Der Mond erreicht seine volle Phase am frühen Morgen des 30ten und kann am folgenden Abend neben Jupiter in der Waage gefunden werden. Wie schon Anfang April ist dies nicht der ideale Zeitpunkt für Deep-Sky-Beobachtungen und Aufnahmen. 

Die Planeten

Merkur

Am ersten des Monats steht Merkur in enger Konjunktion zur Sonne, sitzt zwischen uns und unserem Mutterstern - und ist als solcher unbeobachtbar. Danach wird er auf der Morgenseite des Himmels wieder auftauchen, allerdings wird er zu schwach und nahe der Sonne sein und kann erst viel später im Monat beobachtet zu werden. 

Merkur in unterer Konjunktion

Merkur in unterer Konjunktion am 1.April 2018. Image created with SkySafari 5 for Mac OS X, ©2010-2016 Simulation Curriculum Corp., skysafariastronomy.com.

Auch am 15ten „glänzt“ Merkur immer noch mit enttäuschenden +1,7 mag, obwohl er in Bezug auf die Winkelgröße zweistellig ist - er hat jetzt einen Durchmesser von 10,4 Bogensekunden. Der innerste Planet befindet sich auch in einem sehr flach aufsteigenden Teil der Ekliptik ( im Sternbild Fische) aus der Perspektive gemäßigter Breiten auf der Nordhalbkugel, was bedeutet, dass er sich bei Sonnenaufgang am 15ten unter 4 Grad über Horizont befindet (ab 51 Grad nördlicher Breite) - obwohl dieser Winkel für Beobachter in Äquatornähe - und auf der Südhalbkugel viel höher sein wird. 

Am 29ten erreicht Merkur seine größte westliche Entfernung ( Elongation) und ist 27 Grad von der Sonne entfernt - obwohl er immer noch ein ziemlich enttäuschendes Ziel mit einem Durchmesser von +0,4 mag und 8,1 Bogensekunden mit einer Phase von 43% darstellt. InCetus sitzend, ist Merkur bei Sonnenaufgang aus nördlicher gemäßigter Perspektive immer noch niedrig - etwas über 4 Grad hoch (ab 51 Grad nördlicher Breite).

Venus

Venus beginnt den Monat, in Widder, bei -3.9 mag, etwa 16 Grad über Horizont (von 51. Breitengrad N). Venus präsentiert sich als Scheibchen mit 10,6 Bogensekunden Durchmesser und ist zu 94% beleuchtet. 

Bis zur Monatsmitte hat die Venus ihren Abstand zur Sonne auf 23 1/3 Grad erhöht und steht nun 19 Grad hoch im Westen bei Sonnenuntergang (ab 51 Grad nördlicher Breite). Obwohl sie ihre Winkelgröße auf 11 Bogensekunden leicht erhöht hat, ist ihre Phase auf 91,7% gesunken, was bedeutet, dass sie nicht heller geworden ist.

Am 19ten überquert Venus die Grenze zum Stier und nähert sich ihrem höchsten nördlichen Punkt in der Ekliptik. Damit nähert sie sich bei Sonnenuntergang aus der Perspektive der Nordhalbkugel ihrer größten Entfernung vom Horizont.

Am Ende des Monats steht Venus bei Sonnenuntergang über 21 Grad hoch im Westen, leuchtet bei -3,9 und hat einen Durchmesser von 11,5 Bogensekunden und ist zu 88% beleuchtet. Die Venus ist dabei 27 Grad von der Sonne entfernt - aber noch weit entfernt von der maximalen solaren Entfernung, die sie Mitte August erreichen wird. Entscheidend für die Beobachter auf der Nordhalbkugel ist jedoch die maximale östliche Entfernung der Venus, wenn sich die Sonne in einem viel nördlicheren Teil der Ekliptik befindet. Das bedeutet, dass Venus bei Sonnenuntergang nur noch halb so hoch über dem Horizont steht, wenn sie von der gemäßigten Nordhalbkugel aus betrachtet wird (Beobachtungen in Äquatornähe oder in südlichen Regionen unseres Planeten werden sich allerdings viel besser entwickeln). Jetzt, bis Mitte Mai, wird die Venus in der nördlichen Ekliptik noch an Höhe gewinnen, also ist dies die beste Zeit, um unseren planetarischen Nachbarn aus nördlichen Gefilden zu beobachten.

Venus bei Sonnenuntergang

Venus bei Sonnenuntergang am 30. April. Image created with SkySafari 5 for Mac OS X, ©2010-2016 Simulation Curriculum Corp., skysafariastronomy.com.

Mars

Zu Monatsbeginn findet man Mars im Sternbild Schütze (Sagittarius), wobei er eine Helligkeit von +0,3 mag. und eine Größe von 8,5 Bogensekunden im Durchmesser aufweist. Er steht bei Sonnenaufgang knapp unter 15 Grad hoch südlich am Himmel (beobachtet von 51 Grad Nord). Während der ersten Apriltage begegnen sich Mars und Saturn in einer angemessenen engen Konjunktion - der Herr der Ringe befindet sich dabei an den Morgen des 1. bis 3. April unter 1 1/2 Grad nördlich am Himmel.

Mars und Saturn bei Sonnenaufgang

Mars und Saturn bei Sonnenaufgang am 3. April. Image created with SkySafari 5 for Mac OS X, ©2010-2016 Simulation Curriculum Corp., skysafariastronomy.com.

Zur Monatsmitte hin hat Mars seine Helligkeit nach -0,0 mag. gesteigert und ist somit merklich heller als Saturn und jeder andere Stern in diesem Teil des Himmels. Der Planet ist auf eine Größe von 9,6 Bogensekunden im Durchmesser angeschwollen und steht bei Tagesanbruch knapp über 15 Grad hoch im Süden am Himmel (beobachtet von 51 Grad Nord).

Am Monatsende hat Mars noch einmal zugelegt: auf 0,4 mag. Helligkeit und eine Größe von 11 Bogensekunden im Durchmesser. In den nächsten Monaten, auf seinem Weg in die Opposition Ende Juli, können wir der Veränderung des Planeten bezüglich Winkelgröße und, dabei konkurrierend, seiner Helligkeit beiwohnen, da wir Seite an Seite mit dieser faszinierenden Welt ein Stück am Himmel entlangziehen. Mars ist gerade durch seinen südlichsten Punkt in der Ekliptik gezogen und, immer noch sehr tiefstehend für Beobachter der nördlichen Hemisphäre, beginnt nun behutsam am Himmel zu steigen, zur Freude der Beobachter in diesem Teil der Welt. Beobachter der südlichen Hemisphäre und der äquatorialen Regionen der Erde haben zwar immer noch die besseren Aussichten auf den Mars, vor allen Dingen in Bezug auf die Winkelentfernung vom Horizont, aber den Beobachtern der nördlichen Hemisphäre kommt der Vorteil zugute, dass sich die Hauptplaneten zu diesem Zeitpunkt alle in den südlichen Himmelshemisphären aufhalten. Mars steht bei Sonnenaufgang am 30. April 15 1/2 Grad hoch am Himmel (beobachtet von 51 Grad Nord).

Jupiter

Am 1. April befindet sich Jupiter im Sternbild Waage (Libra), bei einer Helligkeit von -2,4 mag. und einer Größe von 42,6 Bogensekunden im Durchmesser. Der Planet steht bei seinem Durchgang 21 1/2 Grad hoch am Himmel (beobachtet von 51 Grad Nord); er erreicht ihn um 03.44 Uhr (BST = Britische Sommerzeit). In den ersten Apriltagen sind wir wenig mehr als einen Monat entfernt von der Jupiter-Opposition am 9. Mai, und so bietet sich gerade jetzt die beste Chance, das Näherkommen des Königs der Planeten zu beobachten.

Am 15. April notieren wir eine winzige Größenzunahme auf 43,9 Bogensekunden im Durchmesser, aber keine Zunahme der Helligkeit. Der Planet geht nun kurz nach 22.00 Uhr (BST) auf und hat seinen Durchgang um 02.44 morgens, wobei er knapp unter 22 Grad hoch im Süden steht (beobachtet von 51 Grad Nord).

Jupiter, 15. April um 05Uhr21 MESZ

Jupiter, 15. April um 05Uhr21 MESZ, mit Io und dem GRF (Großer Roter Fleck) im Transit. Image created with SkySafari 5 for Mac OS X, ©2010-2016 Simulation Curriculum Corp., skysafariastronomy.com.

Zum Monatsende hin hat Jupiters Helligkeit ganz leicht, auf -2,5 mag. zugenommen, und seine Größe beträgt nun 44,6 Bogensekunden im Durchmesser. Der Planet geht nun kurz vor 21.00 Uhr auf (beobachtet von 51 Grad Nord) und steht 22 1/3 Grad hoch im Süden. Es sind jetzt nur noch 9 Tage bis zur Opposition, und Sie sollten daher jetzt nicht die besten alljährlichen Observations-Chancen verpassen. Der Planet ist zwar Teil der südlichen Ekliptik, und die Opposition wird natürlich von den südlichen Beobachtern besser wahrgenommen werden, aber Jupiter ist immer ein ganz erfreulicher Anblick in Teleskopen oder Ferngläsern, ganz egal, in welchem Teil der Erde man sich befindet.

Saturn

Während des April-Monats ist Saturn ein morgendliches Objekt im Sternbild Schütze, das kurz nach 03.00 Uhr (BST, beobachtet von 51 Grad Nord) aufgeht und bei Sonnenaufgang knapp unter 16 1/4 Grad hoch im Süden am Himmel steht. Mit einer Helligkeit von +0,5 mag. ist Saturn nicht besonders auffällig, aber immer noch heller als jeder andere Stern in seiner ansässigen Konstellation. Der Planet ist am 1. April mit knapp über 92 1/2 Grad von der Sonne entfernt.

Saturn und seine Monde, 1. April 2018.

Saturn und seine Monde, 1. April 2018. Image created with SkySafari 5 for Mac OS X, ©2010-2016 Simulation Curriculum Corp., skysafariastronomy.com.

Wie vorher bereits erwähnt, sind Saturn und der hellere Mars in den ersten Apriltagen in einer engeren Konjunktion, wobei sie am 2. und 3. April knapp über 1 1/4 Grad voneinander entfernt sind. Obgleich Mars zu diesem Zeitpunkt bezüglich seiner Helligkeit immer noch relativ armselig ist im Vergleich zu seinem großartigen Auftritt Ende des Jahres, so sollten die Frühaufsteher  unter uns sich die Konjunktion nicht entgehen lassen.

In der letzten Dekade des Monats erleben wir einen umgekehrten Gang des Planeten durch die Ekliptik (von Ost nach West), wobei der Planet seine Helligkeit leicht auf +0,4 mag. steigert.

Ende April hat Saturn seine Helligkeit von +0,4 mag. beibehalten und hat jetzt eine Größe von 17,5 Bogensekunden im Durchmesser. Der Planet steht bei Sonnenaufgang knapp über 16 Grad hoch am Himmel (beobachtet von 51 Grad Nord), wobei er seinen Durchgang ca. 1/2 Stunde vorher gehabt hat.

Uranus & Neptun

Der April ist keine besonders gute Beobachtungszeit für die beiden äußeren Gasriesen. Neptun ist gerade von seiner im letzten Monat stattgefundenen Oberen Konjunktion am morgendlichen Himmel wieder aufgetaucht, und Uranus wird seine eigene Obere Konjunktion am 18. April erleben. In den letzen Apriltagen wird Uranus die Grenze des Sternbildes Fische hin zum Sternbild Widder überschreiten. Wenn man die Geschwindigkeit betrachtet, mit welcher sich die beiden äußeren Planeten durch den Himmel bewegen, dann ist diese Grenzüberschreitung schon ein ziemlich seltenes Ereignis. Allerdings nur bis Anfang Dezember 2018, denn dann überquert der rückwärtsschreitende Uranus die Grenze hin zum Sternbild Fische erneut, und er wird dort bis zum Februar 2019 bleiben. 

Uranus in oberer Konjunktion

Uranus in oberer Konjunktion, 18. April 2018. Image created with SkySafari 5 for Mac OS X, ©2010-2016 Simulation Curriculum Corp., skysafariastronomy.com.

Kometen

Der Komet PanSTARRS (2016 M1) kann den ganzen April hindurch frühmorgens im südlichen Teil des Sternbildes Adler (Aquila) beobachtet werden. Mit einer Helligkeit von +10,5 mag. ist der Komet nicht besonders hell, aber man kann ihn mit Teleskopen und größeren Ferngläsern sehen. Er kann am besten Mitte April in den frühen Morgenstunden gesehen werden, bei Neumond. 2016 M1 wird bei Fortschreiten des Monats gemächlich nach Süden ziehen und dabei heller werden. In den Monaten Juli und August kann der Komet eine Spitzen-Helligkeit von +7,5 mag. erreichen; er ist allerdings zu diesem Zeitpunkt nur von Beobachtern der südlichen Hemisphäre zu sehen.

Komet PanSTARRS (2016 M1) Komet PanSTARRS (2016 M1)

Komet PanSTARRS (2016 M1) - Bahnverlauf April 2018 (Kometenposition am 15. April). Image created with SkySafari 5 for Mac OS X, ©2010-2016 Simulation Curriculum Corp., skysafariastronomy.com.

Meteore

Der Lyridenstrom

 Der Lyriden Meteorschauer hat seinen Spitzenausstoß in der Nacht vom 22. auf den 23. April, und die Lyriden sind dabei ein sehr verlässlicher und regelmäßiger Meteorschauer, der immer im Frühling auftritt. Der Name leitet sich vom Sternbild Leier ab, dem antiken Zupfinstrument Lyra. Obwohl der Schauer nicht ganz so spektakulär daherkommt wie die Haupt-Meteorschauer Perseiden und Geminiden, so ist er es doch wert, dass man ihn sucht und beobachtet. Am 22. April befindet sich der Mond als zunehmender Halbmond (erstes Viertel) an der Grenze der Sternbilder Zwillinge und Krebs und wird dort auch bis in den frühen Morgenstunden bleiben; nach 03.00 Uhr wird er jedoch untergegangen sein. 

Lyriden Radiant, 4 Uhr morgens 23. April.

Lyriden Radiant, 4 Uhr morgens 23. April. Image created with SkySafari 5 for Mac OS X, ©2010-2016 Simulation Curriculum Corp., skysafariastronomy.com.

Die Lyriden werden durch ihren Mutterkometen C/1861 G1 (Thatcher) (entdeckt 1861 vom amerikanischen Astronomen A.E. Thatcher) versorgt, einem mittelgroßen, so genannten "Langzeit-periodischen" Kometen. Thatcher hat eine Umlaufzeitperiode von 415 Jahren und wird ca. 2276 wieder zurückkehren. Die damals zurückgelassenen Partikel dieses Kometen traten mit einer relativ gemächlichen Geschwindigkeit von 48 km pro Sekunde in die Erdatmosphäre ein, was eine relativ bescheidene kinetische Energie, welche die Meteore produzierten, nach sich zog. Dieser Fakt, zusammen mit den kleinen Partikel-Körnergrößen, bedeuten nur eine Durchschnittshelligkeit von +2,0 mag. für die Lyriden. Alle 30 bis 60 Jahre trifft die Erde auf ein relativ dichtes Trümmerfeld des Thatcherkometen, wobei die ZHR-Rate (Zenithal Hourly Rate = Anzahl sichtbarer Meteore pro Stunde) mehrere Hundert betragen kann. Im Moment stellt es sich so dar, dass in normalen Jahren der Spitzenausstoß bei ungefähr 20 ZHR liegt, wobei noch lange nicht alle Meteore notwendigerweise gesehen werden müssen. Zeitlich abgepasste Enthüllungen mit Weitwinkel-DSLRs (Digital Single Lens Reflex = Spiegelreflexkameras) oder USB-Kameras mit Weitwinkel-Linsen sind zweifelsohne in der Lage, etliche Lyridenmeteore herauszufinden, vorausgesetzt, dass in der betreffenden Gegend klare Wetterbedingungen herrschen.

Deep Sky Höhepunkte in Krebs und Löwe

Leo und Krebs.

Leo und Krebs. Image created with SkySafari 5 for Mac OS X, ©2010-2016 Simulation Curriculum Corp., skysafariastronomy.com

Diese beiden benachbarten Tierkreis-Konstellationen kontrastieren erheblich: während das Krebs-Sternbild eher klein und blass daherkommt, ohne wirklich helle Sterne beinhaltend, so ist das Löwen-Sternbild, auf der anderen Seite, ein sehr helles und herausragendes Objekt, das leicht zu identifizieren ist, selbst von lichtbeeinflussten Beobachtungsumgebungen.

Die Tierkreis-Konstellation des Sternbildes Krebs (Cancer) ist, wie vorstehend angedeutet, keine besonders hervorstechende Konstellation, da sie aus Sternen besteht, deren Helligkeit die 3. Größenklasse nicht übersteigt. Von seinen wichtigsten Sternen ist der Iota Cancri für Amateur-Astronomen der wahrscheinlich interessanteste. Dieser Doppelstern markiert den äußersten nördlichen Punkt der Hauptkonstellation und hat eine Helligkeit von +4,01 mag. bzw. +6,57 mag. Der vorrangige Stern ist ein gelber Stern der G-Klasse, der untergeordnete Stern ist ein weißer Hauptreihenstern der A-Klasse. Die Sterne sind 30 Bogensekunden voneinander entfernt und bilden so ein leicht auszumachendes und attraktives Paar für die Beobachtung mit kleineren Teleskopen. Das Maß der Winkeltrennung der beiden Sterne hat sich seit über einem Jahrhundert nicht dramatisch verändert, aber es hat sich erwiesen, dass beide Sterne zusammenhängen. Die Umlaufzeit der beiden Sterne wird auf über 65000 Jahre geschätzt.

Neun Grad südlich des Iota Cancri liegt eine der Juwelen des Nachthimmels, nämlich der helle, ausgedehnte offene Sternhaufen des M44, auch genannt "Der Bienenkorb" (The Beehive) oder "Die himmlische Futterkrippe" (lat. praesepe). Mit einer Helligkeit von +3,09 mag. kann dieser Sternhaufen von einem günstigen Beobachtungsstandort mit dem bloßen Auge erkannt werden, wobei er auch schon wegen seiner Größe von einem Grad ziemlich "unübersehbar" ist. Der Sternhaufen wurde schon in der Antike identifiziert und war bei den alten Griechen bekannt als Phatné = Die Krippe (engl. the manger). Das Wort "praesepe" ist die lateinische Übersetzung des griechischen Wortes "Phatné". Die erste zeitlich einzuordnende Erwähnung des Sternhaufens erfolgte allerdings schon im Jahre 260 vor Christus, als der griechische Poet Aratos von Soloi ihn als "kleiner Nebel" bezeichnete. M44 wurde auch in den im Jahre 130 vor Christus von Hipparchus (bedeutender griechischer Astronom) angelegten Sternenkatalog aufgenommen. Der Name "Bienenkorb" scheint außerordentlich passend zu sein, da der Kern von M44 als ein natürlicher Bienenkorb angesehen werden kann, um den die umliegenden Sterne, "die Bienen", umherschwirren.

Praesepe (M44-NGC2632)

Praesepe (M44-NGC2632), Komet Lovejoy und Meteor von Eddie Yip. Reproduced under Creative Commons License. Weitere Fotos von Eddie auf FLICKR hier.

Mit über 1000 einzelnen Sternen (von denen über 75 mit den kleinsten Amateur-Teleskopen zu beobachten sind) scheint M44 eine Eigenbewegung mit dem offenen Sternhaufen der Hyaden im benachbarten Sternbild Stier zu teilen, was darauf hindeuten könnte, dass es Übereinstimmungen beim Ursprung beider Sternhaufen gibt. Beide haben auch das ungefähr gleiche Alter (ca. 600 bis 730 Millionen Jahre). Der "Bienenkorb" ist zwischen 570 und 610 Lichtjahre von uns entfernt, und er wird auf einen Durchmesser von ungefähr 12 Lichtjahre geschätzt (obwohl sein Gezeiteneinfluss viel weiter reicht). Dieser Sternhaufen sollte von jedermann beobachtet werden – schnappen Sie sich einfach ein Fernglas. Seine Mischung aus unterschiedlichen Sternenkomponenten bietet darüber hinaus die Möglichkeit, sehenswerte Bilder zu erstellen.

Acht Grad südlich des "Bienenkorbs" findet man einen anderen offenen Sternhaufen, den M67. Obgleich er bei einer Helligkeit von +6,9 mag. und einer Winkelgröße von 25 Bogenminuten blasser und kompakter als der M44 ist, ist M67 auf seine ganz eigene Art ein ebenso attraktives Beobachtungsziel wie sein Nachbar. Er wurde in den späten 1770er Jahren vom deutschen Astronomen Johann Gottfried Koehler entdeckt und 1780 von Charles Messier seinem Katalog hinzugefügt.

M67 von Thomas Jäger.

M67 von Thomas Jäger. Reproduced under Creative Commons License. Besuchen Sie Thomas' Website hier.

Mit ungefähr 100 beobachtbaren Sternen (von einer Gesamtmenge von über 500 Sternen), von denen viele der gleichen Spektralklasse wie die Sonne angehören, ist der M67 einer der ältesten Sternhaufen in unserer Galaxie. Er wird auf ungefähr 4 Milliarden Jahre geschätzt, beinahe genauso alt wie unsere Sonne, und er liegt von uns 3000 Lichtjahre entfernt. M67 beinhaltet auch einige "blaue Nachzügler" (blue stragglers), das sind Sterne, die, strenggenommen, gar nicht im M67 enthalten sein dürften. Ob diese Sterne von M67 während seiner Reise durch unsere Galaxie "zusammengefegt" worden sind, oder auch nicht, bleibt, Stand heute, unbeantwortet. Beobachter, die sehr starke Vergrößerungen einsetzen, werden in M67 dabei einige großartige Sternenketten isolieren. M67 ist wirklich ein sehenswertes Objekt.

Weiter südöstlich (von knapp unter 7 Grad) der beeindruckenden Vorstellung des M67 finden wir ein weit schwierigeres Objekt, die wunderschöne Spiralgalaxie NGC2775. Obwohl die Galaxie mit einer Helligkeit von +10,10 mag. eigentlich nicht besonders auffällig ist, so ist sie dennoch ein massives Objekt mit einer Winkelausdehnung von 4,3 x 3,3 Bogenminuten und einem vergleichsweise hellen Kern. NGC2775 liegt etwa 60 Millionen Lichtjahre von der Erde entfernt und ist eine exotische Mischung aus einer Sprialstruktur und einem großen elliptischen Kern, welcher selbst von ausgeprägten Wassserstofffeldern umringt ist. Die Arme der abgelegenen Spiralbereiche sind sehr fein strukturiert, allerdings auch nur sichtbar bei Anwendung der Langzeit-Fotografie. Optisch kann man NGC2775 mit einem angemessen dimensionierten Teleskop sehen, wobei eine größere Reichweite gelegentlich den interaktiven Materienfluss zeigt, der von der Spiralgalaxie NGC2777 stammt, welche in zyklischer Interaktion mit ihrem größeren Nachbarn steht. Seit Mitte der 1980er Jahre ist NGC2775 Schauplatz von ungefähr 5 Supernovae gewesen, und die spannende Frage ist, was den Beobachter jetzt dort erwartet.

NGC2775

NGC2775, Copyright Adam Block/Mount Lemmon SkyCenter/University of Arizona. Image reproduced under Creative Commons License.

Das Sternbild Krebs enthält sehr viele Galaxien, deren Helligkeit zwischen +12 und +14 mag. rangiert. Die Krebs-Galaxien befinden sich sehr nahe an den Galaxiehaufen der Sternbilder Löwe (Leo), Kleiner Löwe (Leo Minor) und dem Hydra-Galaxiehaufen, und diese Nähe läßt den Schluss zu, dass die Krebs-Galaxien gravitativ gebündelt sind. Studien zur Eigenbewegung, basierend auf der Spektralverschiebung, haben jedoch bestätigt, dass diese Galaxien nicht miteinander verknüpft sind. Besitzer großer Teleskope und Astrofotografen können sich jedoch weiterhin an der Erkundung der Krebs-Galaxien, Schritt für Schritt, erfreuen.  Viele dieser Objekte stellen jedoch eine Herausforderung dar und sind oft nicht so leicht zu beobachten wie die Objekte im angrenzenden Sternbild Löwe.

Wenn wir uns jetzt dem Sternbild Löwe zuwenden, dann besteht kein Zweifel daran, dass wir uns zum jetzigen Zeitpunkt in dem Teil des Jahres befinden, der als "Saison der Galaxien" bekannt ist, da dieser Bereich des Himmels mit ihnen übersät ist. Die visuelle Jagd nach Galaxien ist beileibe nicht nur die Domäne derjenigen Beobachter, welche über eine vermeintliche Grundvoraussetzung der Himmelsbeobachtung verfügen, dem "Großen Dobson"-Teleskop (nach John Dobson, Mitte der 1950er Jahre). Denn obgleich die in diesem Monat genannten Objekte sicher auch mit Hilfe von Blendeneinstellungen auf diesem Wege im Detail betrachtet werden können, so kann ein großer Teil von ihnen auch mit kleineren Teleskopen und größeren Ferngläsern von geeigneten dunklen Beobachtungsstellen aus gesehen werden. Wichtig sind jedoch Geduld und Sorgfalt, um den schwachen Schimmer dieser so fantastisch weit entfernten Objekte vor dem Himmelshintergrund aufzunehmen. Um die Struktur in vielen der von uns zu beobachtenden Galaxien wahrnehmen zu können, benötigen wir jedoch ein oder zwei wichtige Dinge: ein großes Teleskop mit einer Blende von mindestens 10 Zoll, oder das absolute Vertrauen in die präzise, automatisch nachgeführte Langzeitbelichtung der Astrofotografie. Um die wahre Schönheit dieser gewaltigen, jedoch augenscheinich sehr feinen Strukturen bewundern zu können, können Sie entweder die eine oder die andere Möglichkeit einsetzen, allerdings hängen ihre Ortung und die Beobachtung (wieder einmal) stark von den Himmelsbedingungen ab – bei der Beobachtung von Galaxien heißt es nicht umsonst: je dunkler, desto besser! Der sorgfältige und behutsame Einsatz von Filtern hilft bei der Beobachtung von Galaxien, wenn von eher lichtbeeinflussten Umgebungen aus beobachtet wird, allerdings helfen bei der Glaxien-Beobachtung Schmalbandfilter wie OIII-Filter, H-Alpha-Filter und andere Filter weniger als sie es beispielsweise bei der Beobachtung von eher nebulösen Objekten zu tun in der Lage sind (es sei denn, eine Galaxie hat Bereiche spezieller Strahlungen, die für diese Lichtwellenlängen typisch sind). Ein guter Skyglow-Filter (von Sky-glow = Nachthimmelsleuchten) oder ein umfassenderer Deep-Sky-Filter werden helfen, den Kontrast eines Objektes gegen den Himmelshintergrund zu erhöhen, ohne dabei die nützlichen Wellenlängen abzuschneiden, welche die Galaxie beständig ausstrahlt. Der spektrale Ausstoß einer Galaxie ist viel umfassender als ein typischer Nebel, deshalb bringt ein behutsamer Filter-Umgang die besten Resultate bei der Beobachtung.

Das erste Objekt auf der Liste unserer Beobachtungen ist eines der Objekte, welches am schwierigsten zu sehen ist, jedoch dabei wahrscheinlich eines der am einfachsten zu lokalisierenden Objekte, und eines der Objekte, welches, aus der Sicht der Galaxien, am nächsten liegt, nämlich die Leo-I-Zwerggalaxie. Leo I liegt 1/3 Grad nördlich von Regulus (Alpha Leonis), dem Hauptstern im Sternbild Löwe (Leo) (manche Publikationen schätzen die Entfernung jedoch kürzer ein). Leo I ist eine elliptische Galaxie, die eine akzeptable Winkel-Größe von 12 x 8,5 Bogenminuten hat und eine fotografierbare Helligkeit von +11,15 mag. aufweist. Mit einer Entfernung von über 800.000 Lichtjahren zählt Leo I zu den am weitesten entfernten Galaxien unserer Milchstraße. Die Galaxie wurde bereits 1950 durch Albert George Wilson auf Fotoplattenaufnahmen bei der Durchmusterung des Palomar-Observatory Sky Survey mit Hilfe des 48-Zoll Schmidt-Teleskops am Palomar-Observatorium (Kalifornien, USA) entdeckt. Die visuelle Helligkeit von Leo I wird bei ungefähr +9,8 mag. angesiedelt, eine Helligkeit, die den Trabanten mühelos in den Beobachtungsbereich von Amateur-Instrumenten stellt. Jedoch bedeutet dieser leicht aufzufindende Standort aus visueller Perspektive auch sein potentielles Verhängnis: die Galaxie liegt so nahe am Stern Regulus, dass sie beinahe von dessen blendendem Glanz erstickt wird. Es gibt Berichte, nach denen Leo I mit Teleskopen der 10 – 12 Zoll-Klasse gesehen worden ist, aber wahrscheinlicher ist es, dass ein Beobachter Regulus durch entsprechende Vergrößerung aus seinem Sichtfenster herausnehmen müsste, um den von uns am weitesten entfernten Begleiter überhaupt zu sehen. Selbst in sehr großen Teleskopen erscheint Leo I nur als ein dunstiges Lichtoval ohne größere erkennbare Strukturen. Die Galaxie scheint keinen zughörigen Kugelsternhaufen zu haben, und sie beinhaltet nur wenige Sterne mit weiterentwickelter Metallizität, was darauf schließen läßt, dass die Sternenpopulation noch relativ jung ist – wahrscheinlich wenig mehr als das doppelte Alter der Sonne. Die Galaxie wird von einem dazugehörigen Gashof umgeben, aus welchem sie (oder auch nicht) geformt wurde.

Dieses wirklich ungewöhnliche Objekt stellt eine große Herausforderung dar, aber, falls Sie es mit ihren Mitteln beobachten können, werden Sie Zeuge der am weitesten entfernten Bereiche der Einflussnahme auf die Umlaufbahn unserer eigenen Galaxie und, aller Wahrscheinlichkeit nach, seinen jüngsten Begleiter.

Ungefähr 9 Grad östlich von Leo I liegt eine spektakuläre Gruppe von Galaxien: die Messier-Objekte M95, 96 und 105 (und ihre benachbarten Galaxien NGC 3377 und NGC 3384).

Diese Gruppe füllt eine komprimierte Himmelsfläche aus (ungefähr 3 x 1,5 Grad an Himmelsfläche) und befindet sich teilweise auf einer Linie zwischen Regulus und Iota Leonis – eines der Hinterbeine des Sternbildes Löwe (Leo). Von den drei Galaxien liegt die schöne M95 am westlichsten Punkt der Gruppe. M95 ist eine Balkenspiralgalaxie, die wir aus unserer Perspektive fast von vorne sehen können. Zusammen mit der nahen Galaxie M96 wurde M95 1781 vom französischen Astronomen und Geographen Pierre Méchain entdeckt. Messier fügte beide Objekte schon eine Woche nach deren Entdeckung durch Méchain seinem Katalog hinzu.

Mit einer Helligkeit von +9,69 mag. ist M95 ein relativ leicht zugängliches, komprimiertes Objekt von einer Größe von 7,4 x 5 Bogenminuten. Die Galaxie liegt 31 Millionen Lichtjahre von uns entfernt und ist in seiner Gruppe mit einer Million Lichtjahre die den anderen Galaxien am nächsten liegende. Da M95 eine Balkenspiralgalaxie ist, werden die meisten Beobachter, die über geeignet ausgelegte Teleskope verfügen, die Kernregion der Galaxie wahrscheinlich als ein leicht ausgedehntes Objekt erkennen, welches von dem blasseren Dunstschleier seiner Arme umfangen wird. Eine Langzeitastrofotografie des gesamten Systems zeigt dessen Struktur in all seiner Herrlichkeit – die beiden wuchtigen Spiralarme stoßen Sterne in weiter abgelegene, dünner werdende Arme ab, die aussehen, als seien sie mit Federn geschmückt. Falls unsere eigene Galaxie auch eine Balkenspiralgalaxie ist, wie es suggeriert worden ist, dann könnte sie für außenstehende Beobachter fast so aussehen wie M95, obwohl unsere Galaxie mehr von den weiter abgelegenen Spriralstrukturen in ihren Armen hat. 

M95 und M96.

M95 und M96. Mit freundlicher Genehmigung von Mark Blundell.

Nahe M95, getrennt durch nur 2/3 Grad, liegt eine andere sehenswerte Spiralgalaxie, M96. Mit einer ähnlichen Größe wie ihre Nachbarin, ist sie mit +9,3 mag. doch leicht heller. Im Vergleich zu M95 scheint M96 staubbedeckter zu sein, aber die Galaxie hat einen kompakteren Kern. M96 wird oft als eine Doppelbalkenspiral-Galaxie registriert. Dieser Doppelbalken, zusammen mit den weit ausgebreiteten Armen und der staubigeren Beschaffenheit, lassen ihre Spiralstruktur weniger genau bestimmen als die ihrer Nachbargalaxie. Mit einer Größe von 7,8 x 5,2 Bogenminuten hat M96 eine ähnliche Winkelgröße wie M95, erscheint in einem Teleskop der 10 – 12-Zoll-Klasse mit 3 x 5 Bogenminuten jedoch als das kompaktere Objekt, wobei sein heller innerer Kern von einem blassen Sternenlichtring umgeben ist, der die Form seiner Spiralarme bestimmt. In etlichen Verzeichnissen wird M96 außerdem als die etwas hellere Galaxie als M95 aufgeführt, was damit begründet wird, dass M96 im Vergleich zu seiner Nachbargalaxie eine beträchtliche perspektivische Verkürzung aufweist. Einige Verzeichnisse geben diese Verkürzung mit 53 Grad zu unserer Sichtlinie an, während M96 auch mit einer weniger extremen Verkürzung von 35 Grad aufgeführt wird. Welcher Listeneintrag auch der richtige sein mag, so bleibt die Galaxie M96 ein großartiges Zielobjekt für die visuelle und fotografische Beobachtung.

Knapp ein Grad nördlich von M96 liegt die Gruppe der Galaxien M105 und der nahe gelegenen NGC 3384 und NGC 3389. M105 ist von diesen drei Galaxien die vorherrschende und hellste Galaxie mit +9,3 mag. Sie wird oft als das Gegenstück einer elliptischen Galaxie beschrieben – und ist aus diesem Grunde eingehend untersucht worden. M105 wurde erst spät dem Messier-Katalog hinzugefügt (im 20. Jahrhundert von der kanadischen Astronomin Helen Sawyer Hogg), obwohl die Galaxie bereits 1781 von Pierre Méchain entdeckt worden war. Charles Messier hatte Méchains Entdeckung jedoch nicht bestätigt und deshalb auch nicht seiner Original-Liste hinzugefügt. Es ist nicht leicht zu verstehen, warum Messier sich entschieden hatte, M105 seiner Liste nicht hinzuzufügen, denn die Galaxie ist auffällig genug – in kleineren Teleskopen als nebliger Lichtfleck zu sehen und in größeren Instrumenten als ein kondensiertes Leuchten mit einem beträchtlich großen Kern. Die drei Galaxien sind elliptische Galaxien, welche im allgemeinen als nicht so schön oder charaktervoll wie ihre spiralen Gegenstücke angesehen werden; dies sollte allerdings Beobachter nicht davon abhalten, M105 zu lokalisieren. Inzwischen betrachten viele Astronomen elliptische Galaxien nämlich als die ultimative Entwicklung galaktischer Strukturen, nach der Fusion von zwei Spiralgalaxien – das Endresultat einer möglichen Vereinigung der Milchstraße mit dem Andromedanebel M31 könnte in einer ähnlichen Struktur auch bei M105 eintreten. Ein Hinweis auf die Vergangenheit von M105 ist die Tatsache, dass es sehr wenige Bereiche von Sternenformation gibt, und dass die Sternenpopulation schon sehr alt ist, was insgesamt auf ein weit fortgeschritteneres Alter dieser Galaxie hinweist als bisher angenommen.

Die zweite elliptische Galaxie in diesem nahe beieinanderliegenden Trio ist die Galaxie NGC 3384, welche 7 Bogenminuten nordöstlich von M105 liegt. Sie ist mit einer Helligkeit von +9,89 mag. fast ebenso auffällig wie ihre Nachbarin, aber sie präsentiert sich uns in einem schrägeren Winkel. In kleineren Teleskopen erscheint die Galaxie als sehr langgezogen, in größeren Instrumenten kann man zudem noch einen klaren, hellen Kern und den nebligen Lichthof der äußeren Regionen von NGC 3384 entdecken. Es ist sehr schwer zu glauben, dass diese Galaxie, die doch M105 so nahe ist und ihr gleicht, sowohl von Méchain als auch von Messier übersehen wurde. Erst William Herschel entdeckte sie im Jahre 1784. Obwohl die Beschreibung der Galaxie sie detailliert als eine elliptische Galaxie auflistet, so scheint die präzisere Beschreibung von NGC 3384 die einer linsenförmigen (lentikuläre) Galaxie zu sein. Die Galaxie hat in astrofotografischen Langzeitaufnahmen eine zentrale Balkenstruktur enthüllt und weist, wie die Galaxie M105, eine bedeutend ältere Sternenpopulation auf als der mittlere Durchschnitt.

Die Beobachtung von NGC 3389 stellt die größte Herausforderung im Vergleich der drei Galaxien dar. Während die beiden zuvor vorgestellten elliptischen Galaxien hell sind und eine klare Struktur haben, ist NGC 3389 mit +11,89 mag. volle 2 Helligkeitsstufen blasser als jede der vorgenannten Galaxien und daher auch eher der Beobachtung durch größere Teleskope vorbehalten. NGC 3389 ist eine Spiralgalaxie, die sich in Langzeitbeobachtungen als ein sehr blauer, dynamischer Schatten darstellt (evtl. eine Erinnerung an einen kleinen M33-Dreiecksnebel). Dies rührt vor allen Dingen daher, dass NGC 3389 von der Gruppe getrennt ist – denn obgleich die Galaxie im nahen Winkel zu M105 und NGC 3384 liegt, ist NGC 3389 mit ungefähr 64 Millionen Lichtjahren etwa doppelt so weit von ihren Nachbargalaxien entfernt und hat keinerlei Verbindung zu ihnen. Die Galaxie kann mit Instrumenten im 10-Zoll+-Bereich gesehen werden, wobei Beobachtungen mit kleineren Brennweitenn äußerst mühsam sind. Die Galaxie erscheint als ein bleicher, nebliger Fleck im Südosten von NGC 3384, wobei mit den meisten Teleskopen weitere Details leider nicht wahrgenommen werden können. Allerdings haben Beobachter mit großen Teleskopen von einer gewissen strukturierten "Stückigkeit" (Brocken) berichtet, die sie in ihren Okularen wahrgenommen haben wollen.

Bei geringer Vergrößerung (kleiner x 40) ist es möglich, die Galaxien M96, M105 und NGC 3384 in das gleiche Okularfeld hineinzuzwängen, wie dies auch mit den Galaxien M95 und M96 möglich ist. Besitzer von Reflektoren mit kleiner Öffnungl wird jedoch geraten, vom Gebrauch so niedriger Vergrößerungen abzusehen, damit der Schatten des Sekundärspiegels die Betrachtung nicht beeinträchtigt.

Wir lassen nun die Gruppe der Galaxien beiseite und wenden uns dem vorher schon genannten Stern Iota Leonis zu und ziehen somit eine Linie hinauf zu einem der Hinterbeine des Sternbildes Löwe (Leo), bis wir zum Stern Chertan (arabisch: 2 kleine Rippen) bzw. Theta Leonis (manchmal auch bekannt als Chort oder Coxa) kommen, der eine Helligkeit von +3,34 mag. hat. Auf halbem Wege zurück zum Stern Iota Leonis sind wir am Ort der nächsten Gruppe von Galaxien, der M65-Gruppe, besser bekannt als das Leo Triplet (Dreiergruppe). Dieses Triplet enthält die Messier-Objekte M65 und M66 und die langgestreckte Galaxie NGC 3628. Alle drei Objekte haben Spiralstrukturen, obwohl sie sich uns, wenig überraschend, in unterschiedlichen Erscheinungsbildern präsentieren.

Die Galaxien M65 und M66 wurden im Jahre 1780 vom französischen Astronomen Charles Messier entdeckt, fälschlicherweise wird die Entdeckung des öfteren auch Pierre Méchain zugeschrieben. Von den beiden Galaxien ist M65 etwas kleiner und mit +9,30 mag auch blasser. Die Galaxie hat eine helle zentrale Wölbung und ziemlich leuchtende Spiralarme. Aus unserer Perspektive präsentiert sich die Galaxie mit einer beträchtlichen Neigung, wobei sie eine Fläche von 9,8 x 2,9 Bogenminuten bedeckt. In ihren Spiralarmen erkennt man Staubbahnen, obwohl diese wahrscheinlich durch eine perspektivische Verkürzung auffälliger erscheinen als dies in Wirklichkeit der Fall ist. M66, andererseits, ist eine großräumigere Balkenspiralgalaxie, mit +8,9 mag. heller als ihre Nachbarin und mit 9,1 x 4,1 Bogenminuten auch mehr Platz am Himmel beanspruchend. Die Spiralarme von M66 sind nicht so regelmäßig ausgeprägt wie die von M65. Dies läßt auf eine direkte gegenseitige Beeinflussung in der Vergangenheit mit der benachbarten Galaxie NGC 3628 schließen, wie auch eine verschobene Wasserstoffwolke, die aus ihren Spiralarmen herausgedrängt wurde und jetzt bewegungslos in ihrem galaktischen Lichthof sitzt.

M65, M66 and NGC3628

M65, M66 and NGC3628, Mit freundlicher Genehmigung von Mark Blundell.

Die Galaxie NGC 3628 ist die mit +9,50 mag. Helligkeit blasseste der drei Galaxien, aber mit 13,1 x 3,1 Bogenminuten in ihren Ausmaßen die längste. Es ist eine faszinierende Spiralgalaxie, die sich uns in ihrer Form hochkant präsentiert und durch die in ihrem Zentrum laufende lange, schwarze Staubbahn halbiert ist. Dieser Umstand ist mit kleineren Teleskopen schwierig zu erfassen, wird jedoch mit größeren Teleskopen extrem auffällig. Bei Teleskopen mit einer 10 – 12-ZollÖffnung kann man die Galaxie-Struktur schon gut erkennen, mit Teleskopen im Bereich von 14 – 16-Zoll-Öffnung wird sie jedoch unverwechselbar (ähnlich der von NGC 891). Die Galaxie wurde 1784 vom deutsch-britischen Astronomen William Herschel entdeckt. Sie ist im Vergleich zu ihren Nachbargalaxien sehr gut zu erkennen, und es bleibt rätselhaft, warum sie nicht schon früher entdeckt wurde. NGC 3628 hat mit M66 zyklisch interagiert, was dazu geführt hat, dass sich ein gewaltiger Sternenstrom gelöst hat und sich, dahintaumelnd, auf einen 300.000 Lichtjahre langen Weg gemacht hat. Diese Besonderheit kann man nur in sehr langen und sehr gut entwickelten und bearbeiteten astrofotografischen Aufnahmen erkennen, aber sie gehören zu den außergewöhnlichsten und krassesten Beweisstücken für eine gravitative Interaktion zwischen Galaxien am Himmel.

Alle drei genannten Galaxien können bei Nutzung eines Okulars mit ergiebigen Felddurchmesser innerhalb des Gesichtsfichtfeldes mit geringer Vergrößerung beobachtet werden, aber auch mit großen Ferngläsern kann man sie als Dreiergruppe erkennen. Es ist allerdings schade, dass die dunklen Staubbahnen von NGC 3628 mit Ferngläsern nicht zu erkennen sind; aber das Leo Triplet ist es allemal wert, beachtet zu werden, unabhängig von der optischen Hilfe, welche Sie dazu einsetzen.

Alle die bisher genannten Galaxien, mit Ausnahme der weit entlegenen NGC 3384 Galaxie und (verwirrenderweise) der lokaleren Zwerggalaxie Leo I, sind Mitglieder der ausgedehnten Galaxien-Gruppe Leo I. Zwecks Klarstellung: Die Zwerggalaxie Leo I und die Galaxien-Gruppe Leo I stehen in keinem Zusammenhang. Die nächste Gruppe von Galaxien, mit der wir uns beschäftigen werden, gehört zur Leo II-Galaxiengruppe, einer zwar assoziierten, jedoch eigenständigen Gruppe.

Wenn wir uns von der M65-Dreiergruppe nordwärts bewegen, kommen wir zu einer anderen kompakten Dreiergruppe von Galaxien, nämlich der Spiralgalaxie NGC 3632 und dem nahebei gelegenen Pärchen der beiden elliptischen Galaxien NGC 3607 und NGC 3608. Das Pärchen NGC 3607 (Helligkeit + 9,89 mag.) und NGC 3608 (Helligkeit + 10,8 mag.) findet man 2 ½ Grad südlich des Sterns Zosma ("Lendenschurz"), griechisch Delta Leonis (er gilt als Ausgangspunkt für die Fabel vom Löwen). Man kann das Pärchen, welches knapp 5 Bogenminuten voneinander entfernt ist, mit kleineren Instrumenten leicht orten, wobei jedoch die hellere NGC 3607-Galaxie mit 4.6 x 4,0 Bogenminuten das auffälligere Objekt ist. NGC 3632 liegt ¾ Grad östlich vom "Pärchen" entfernt. Einmal mehr im Jahre 1784 entdeckte William Herschel die mit +10,6 mag. helle Galaxie. Sie ist eine sehenswerte, kompakte Spiralgalaxie, die u. a. auch als Nummer 40 im Katalog des britischen Astronomen Sir Patrick Alfred Caldwell-Moore gelistet ist. Auf der astronomischen Helligkeitsskala ist die Galaxie zwar nur als ein +11 mag.-Objekt gelistet, sie erscheint jedoch durch die Konzentration des Lichtes über ihre kompakte Größe von 2,7 x 1,9 Bogenminuten hinweg bedeutend heller. Für die Beobachtung kleinerer Details in ihren abgelegenen Spiralarmen werden jedoch größere Teleskope benötigt.

Schließlich kommen wir zu einer helleren Galaxie, nämlich der Balken-Spiralgalaxie NGC 2903. Die Galaxie hat eine wunderbare Spiralstruktur und ist bei einer Helligkeit von +8,9 mag. mit kleinen Teleskopen leicht zu entdecken. Bei einer Ausdehnung von 12,6 x 6,6 Bogenminuten im Durchmesser erscheint die Galaxie in einem schrägen Winkel, was auf ihre relativ hohe Oberflächen-Helligkeit zurückzuführen ist.

NGC 2903

NGC 2903. Image created with SkySafari 5 for Mac OS X, ©2010-2016 Simulation Curriculum Corp., skysafariastronomy.com.

Selbst bei einer Entfernung von 20,5 Millionen Lichtjahren ist es immer noch ziemlich einfach, die Staubbahnen und die Emissionsnebel zu erkennen. Innerhalb von NGC 2903 gibt es das hervorstechende helle Gebiet NGC 2905. Man schätzt, dass die Größe von NGC 2903 ca. 80% unserer Milchstraßen-Galaxie ausmacht. Und die Ähnlichkeiten zur Milchstraße sind auch in der Spiralstruktur und dem auffälligen zentralen Balken sichtbar. Bilder des Hubble-Teleskops zeigen, dass die Kugelsternhaufen von NGC 2903 etwas heller und auffälliger  zu sein scheinen als die unserer Milchstraße, wenn man diese aus einer vergleichbaren Distanz beobachten würde. Dies könnte bedeuten, dass sie und ihre Muttergalaxie etwas jünger sein könnten als die unsrige.

NGC 2903 scheint darüber hinaus sehr leistungsstark zu sein, was die Bildung neuer Sterne angeht. Das zeigt der beachtliche Ring von Materie rund um den Galaxienkern, der ganz besonders reich bestückt ist mit neuen Sternen. Es wird angenommen, dass die Gezeitenkräfte des zentralen Balkens diese Materiewolken zusammenpressen und dies als das treibende Instrument für die Sternenformation angesehen wi

NGC 2903  NGC 2903

NGC 2903 Mit freundlicher Genehmigung von Mark Blundell.

Übersetzt aus dem Englischen (Originalautor: Kerin Smith)

Das TEAM-BRESSER wünscht viele klare Nächte im April !

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