Besonderheiten des Himmels für den Monat April

Was das Wetter angeht, so kann der April ziemlich unbeständig sein, wenn nämlich in der nördlichen Hemisphäre der Übergang vom kalten Winter hin zum Frühling stattfindet, was oft mit ziemlich unruhigen und nasseren Witterungsbedingungen für uns hier in der nördlichen Temperaturzone einhergeht. Viele Himmelsleser werden jetzt zweifelsohne einwerfen: "Was ist daran so ungewöhnlich?", da das Wetter während der gesamten Winterperiode doch eigentlich immer schlecht gewesen ist, solange sie sich erinnern können, auch was die beständige winterliche Wolkendecke angeht hier in der nördlichen Hemisphäre. In der südlichen Hemisphäre passiert natürlich genau das Gegenteil: der Sommer geht in den Herbst über. Und während die Nächte für uns hier im Norden nach und nach kürzer werden und länger für alle Menschen in der südlichen Hemisphäre, so gibt es wieder, egal, wo Sie auch leben sollten, jede Menge am Himmel zu sehen.

Das Sonnensystem

Der Mond

Der Mond beginnt den April als eine zu 27% beleuchtete Mondsichel, nur wenig älter als 5 Tage. Für die Himmelsleser der nördlichen Hemisphäre hat er sich sehr gut positioniert und findet sich zwischen den Sternen des Sternbildes Stier (Taurus) und bei Sonnenuntergang ein wenig östlich des Hyaden-Sternhaufens. Für Beobachter der nördlichen Hemisphäre steht dieser Sichelmond hoch in der Ekliptik, wobei er sich für die Beobachter in den mittleren gemäßigten Breiten in einem großzügigen Abstand vom Horizont zeigt. Obwohl unser ständiger Begleiter in einer zyklischen Rotation zu unserem Heimatplaneten steht und uns somit immer das gleiche Gesicht zeigt, so enthüllt uns die lunare Libration (die sog. gebundene Rotation ) – eine sanfte, taumelnde Mondbewegung um dessen Rotationsachse, wie wir sie von unserer Erdperspektive aus wahrnehmen - letztlich mehr als die Hälfte der Mondoberfläche. Der erste Teil des Monats April zeigt uns auf den östlichen Mondausläufern Mondseen, die sonst sehr schwierig zu beobachten sind; ganz besonders das Mare Marginis (lat.; "Randmeer"), das Mare Huboldtanium (lat.; "Humboldt-Meer"), und das kleine Mare Smythii (lat.; "Smyth-Meer", nach William Henry Smyth, engl. Astronom im 18. Jhdt.). Von daher haben Sie in der ersten Aprilwoche die Gelegenheit, selbst mit einem kleinen Teleskop die äußeren östlichen Ausläufer des Mondes nach diesen illusorischen Seen zu durchkämmen. Von den drei erwähnten Seen kann der Mare Humboldtanium am leichtesten ausgemacht werden, selbst wenn die lunare Ausrichtung nicht sehr günstig sein sollte. Dem Mare Marginis dient das größere, westlich davon gelegene Mare Crisium (lat.; "Meer der Krisen") als Wegweiser. Das Mare Smythii ist sehr klein, aber die Zwillingskrater des Messier-Mondkraters im Mare Fecunditatis (lat.; "Meer der Fruchtbarkeit") geben einen wertvollen Hinweis auf seine Position. Es wird oft gesagt, dass der Mondkrater Messier einem Kometen gleicht – und mit seinen hellen ausgestoßenen Schwänzen, die auf den westlichen Teil des Mondes zeigen, kann man auch verstehen, warum. Der Messier-Mondkrater scheint sich mit voller Geschwindigkeit dampfend hin zum Mare Smythii zu bewegen. Und wenn man der Linie der "Kometenschwänze" hin zu den östlichen Ausläufern des Mondes folgt, dann kommt man zunächst durch einen anderen kleinen Mondsee, dem Mare Spumans (lat.; "Schäumendes Meer"), um schließlich zum Mare Smythii zu gelangen. Der bekannte Einschlag-Krater Langrenus (nach dem belgischen Astronomen Michael Florent van Langren, 16. Jhdt.), der südwestlich vom Mare Smythii liegt, komplettiert das Dreieck zu dessen Positionsbestimmung. 

Am 3. April befindet sich der zunehmende Mond im ersten Viertel im Sternbild Zwillinge (Gemini), wobei er kurz nach Sonnenuntergang den Meridian überquert.

Am Abend des 10. April finden sich der Mond und Jupiter in einer lockeren Konjunktion im Sternbild Jungfrau (Virgo), wobei die kleinste scheinbare Entfernung knapp unter 1 ½ Grad beträgt. Einen Tag später, immer noch im Sternbild Jungfrau, wird der Mond zum Vollmond. Dieser Teil des Monats zwingt die Deep Sky-Beobachter dazu, sich auf die hellsten Objekte (falls überhaupt möglich!!!) zu konzentrieren, und die Astrofotografie ist leider nur denen vorbehalten, welche mit sehr schmalbandigen Filtern arbeiten können.

Am Abend des 19. April steht der Mond im letzten Viertel (abnehmender Halbmond) und befindet sich jetzt im Sternbild Schütze (Capricornus). Von hier aus gleitet er behutsam in Richtung Sonne, wobei er am 26. April erneut zum Neumond wird. Er gleitet weiter zum Süden der Sonne, sich dabei im Sternbild Fische (Pisces) befindend, während sich die Sonne im benachbarten Sternbild Widder (Aries) aufhält.

Am Abend des 28. April gleitet der 2,6 Tage alte Sichelmond über das Antlitz des Hyaden-Sternhaufens, wobei er auf seinem Weg viele Sterne bedeckt (verfinstert), unter anderem auch den Stern Aldebaran (Alpha Tauri) im Sternbild Stier (Taurus). Diese größere Verfinsterung kann in der östlichen Hälfte Europas, im südlichen Skandinavien und im Westen Russlands mitverfolgt werden. Da sie jedoch bei Sonnenuntergang stattfindet, ist die Beobachtungszeit relativ kurz, wobei das Hervortreten des Aldebaran, der sich bis dahin hinter dem Mond befunden hat, am ehesten der Teil der Beobachtung sein wird, der von den erwähnten Regionen aus miterlebt werden kann. Für Beobachter im Vereinigten Königreich ist es leider so, dass dieses Ereignis für sie bereits zu Ende sein wird, bevor die Sonne untergeht, und während es zwar möglich ist, Hauptsterne mit dem Teleskop auch während der Tageslicht-Stunden zu beobachten, so schließt die Höhe des Mondes, beobachtet von ungefähr 51 Grad Nord, dies wahrscheinlich aus.

Der Mond beendet den April am Abend des 30. als eine 24,9% beleuchtete zunehmende Mondsichel im Sternbild Zwillinge und steht bei Sonnenuntergang bei einer Höhe von knapp unter 40 Grad (beobachtet von 51 Grad Nord). Diese Position stellt wieder eine große Möglichkeit dar, die vorher erwähnten kleineren Mondseen in den östlichen Mondausläufern zu beobachten, da auch der Librationspunkt wieder günstig ist. Die spätabendliche Frühlingsmondsichel kommt in diesem Kalendermonat zweimal vor; verpassen Sie sie nicht, sollten Sie sich in der nördlichen Hemisphäre aufhalten.

Die Planeten

Merkur

Merkur beginnt den April als ein abendliches Objekt im Sternbild Widder (Aries), nur eine Nuance unter 19 Grad von der Sonne entfernt. Der Planet hat eine Helligkeit von -0,1 mag. (lt. "CalSky", am 01.04.; d. Verf.) und zeigt sich in einer Sichelphase, die zu 40% beleuchtet ist. Bei Sonnenuntergang steht der Planet in einer Höhe von knapp unter 17 Grad (beobachtet von 51 Grad Nord), eine Position, die Beobachtern in den nördlichen gemäßigten Breiten eine exzellente Gelegenheit bietet, Merkur in der Abenddämmerung am Himmel zu beobachten. Bei Sonnenuntergang steht der Planet zu dieser Jahreszeit fast genau westlich, was eine Identifizierung ein wenig erleichtert.

Mitte April haben sich die Gegebenheiten dramatisch geändert: Der Planet ist zur Sonne hin abgesunken, wobei er einer Unteren Konjunktion zusteuerte, die am 20. April stattgefunden hat. Das bedeutet, dass er sich zwischen Erde und Sonne aufhält. Die Phase des Planeten stellt sich jetzt auf rasierklingendünne 2,7%, und der Planet hat eine Helligkeit von kläglichen +3,9 mag. - ein Wert, der viel zu schwach ist, um den Planeten im abendlichen Schein der untergehenden Sonne zu finden.

Wie bereits erwähnt, findet die Untere Konjunktion am 20. April statt. Zu diesem Zeitpunkt ist der Planet natürlich in jeder Hinsicht von der Erde aus unsichtbar. Nach diesem Zeitpunkt beginnt Merkur, auf der morgendlichen Seite der Sonne wieder aufzutauchen, er wird allerdings nicht sofort sichtbar sein.

Am Morgen des 30. April befindet sich Merkur etwas über 15 Grad von der Sonne entfernt, ist aber immer noch sehr blass bei +2,8 mag. Helligkeit. Die Region der Ekliptik, in welcher sich Merkur gegenwärtig befindet. ist eine sehr flache Gegend, was die Winkelrelation zum Horizont der mittleren nördlichen Breitengrade betrifft; selbst wenn Merkur heller wäre, so wäre es schwierig, ihn zu beobachten, da er am 30. April bei Sonnenaufgang auf einer Höhe von knapp unter 3 Grad anzutreffen ist. 

Venus

Zu Beginn des Monats April ist Venus zu 2,5% beleuchtet und präsentiert sich als Sichel im Sternbild Fische (Pisces) von einer fast blendenden Helligkeit von -4,2 mag. . Bei Sonnenaufgang steht sie ungefähr 9 ¼ Grad über dem Horizont (beobachtet von 51 Grad Nord), und es ist nicht schwierig, den Planeten zu entdecken, obwohl Beobachtungen durch atmosphärische Störungen etwas eingeschränkt werden können. Der Planet ist dennoch ein Objekt, das es wert ist, beobachtet zu werden, sogar mit kleineren Teleskopen.

Bei einer Winkelgröße von 57,8 Bogensekunden ist Venus nach der Sonne und dem Mond gegenwärtig das größte Objekt am Himmel in unserem Sonnensystem – Jupiter, mit einer Winkelgröße von ziemlich kärglichen 44,1 Bogensekunden, erscheint dagegen im Vergleich eher schmächtig.

Mitte April hat die Winkelgröße des Planeten auf 48,9 Bogensekunden abgenommen, während die Beleuchtungsphase auf 12,8% gestiegen ist. Insgesamt kommt dabei heraus, dass die Helligkeit auf -4,5 mag. gestiegen ist. Der Planet hat seine Entfernung zur Sonne etwas gesteigert und steht bei Sonnenaufgang, jetzt zwar ein wenig kleiner geworden, dafür aber höher – nämlich 11,07 Grad hoch (beobachtet von 51 Grad Nord).

Zum Ende des Monats hat sich beim Planeten nicht viel geändert: Die Winkelentfernung von der Sonne ist nach 39 Grad gestiegen, und obwohl seine Phase auf 26,2% angewachsen ist, ist die Winkelgröße des Planeten auf 38,4 Bogensekunden gesunken. Dies bedeutet, dass der beleuchtete Bereich der Venusscheibe mit sehr "gesunden" -4,5 mag. unverändert bleibt.

Mars

Mars beginnt den April im Sternbild Widder (Aries) als ein wirklich ziemlich kleines Objekt von 4,2 Bogensekunden im Durchmesser und einer Helligkeit von gerade einmal +1,5 mag., das den Anschein hat, sich ein wenig zu verstecken. Bei Sonnenuntergang steht Mars bei einer Höhe von 28 ¾ Grad genau westlich und ist damit für Beobachtungen immer noch gut positioniert. Allerdings benötigen Beobachter starke Vergrößerungen, um überhaupt etwas von der Scheibe zu erkennen.

Bei fortschreitendem Monat schrumpft der Planet ein wenig, während wir uns von ihm weiter entfernen. Um den 15. April zeigt sich Mars als eine 4 Bogensekunden große Scheibe, und zum Ende des Monats ist der Planet nur noch 3,9 Bogensekunden im Durchmesser groß – damit nur ein wenig größer als Uranus; mit einer Helligkeit von +1,5 mag. jedoch immer noch deutlich heller als der äußere Gasplanet.

Alle Himmelsleser sind selbstverständlich dazu eingeladen, einen Blick auf Mars zu werfen; sie sollten jedoch nicht enttäuscht sein, wenn sie vom Planeten wenig zu sehen bekommen. Mars strebt der Oberen Konjunktion im Juli 2017 zu, was bedeutet, dass sich Mars auf der uns abgewandten Sonnenseite befinden wird und somit dann auch am von uns entferntesten Punkt liegt.

Jupiter

Jupiter beginnt den April zögerlich mit einer Woche seiner Opposition – und erreicht somit die größte Annäherung an die Erde den Planeten in eine fantastische Position für Beobachtungen während des gesamten Monats. Der Planet im Sternbild Jungfrau (Virgo) geht abends kurz vor 2000 Uhr auf und dominiert dann den Himmel um sich herum mit einer blendenden Helligkeit von -2,5 mag. Mit 44,2 Bogensekunden im Durchmesser ist der Planet einen Hauch größer als Venus, welche Jupiter in den vergangenen Monaten hinsichtlich der Winkelgröße ausgestochen hatte, dank der größeren Nähe von Venus zur Erde. Jetzt ist also die natürliche Ordnung einigermaßen wiederhergestellt, obwohl Jupiter niemals an die Helligkeit unseres nächsten Nachbarn heranreichen wird, der im Osten nach Anbruch der Dunkelheit mit seiner alle anderen Sterne übertreffenden Helligkeit unverwechselbar ist.

Am 7. April erreicht Jupiter die Opposition, wenn der Planet eine maximale Winkelgröße von 44,3 Bogensekunden erzielt, obwohl seine Helligkeit mit -2,5 mag. die gleiche bleibt wie zu Beginn des Monats. Obgleich diese Opposition eine sehr helle ist, so hat Jupiter bewiesen, dass er es sowohl größer als auch heller kann – die Oppositionen von 2009, 2010 und 2011 erreichten alle eine maximale Helligkeit von -2,9 mag. Dies war zurückzuführen auf die damaligen Jupiter-Erde-Distanzen während dieser Oppositionen, die alle eine Entfernung von um oder unter 600 Millionen km aufwiesen. Bei der jetzigen Opposition beträgt die Mindestentfernung 666,3 Millionen km – schon ein beträchtlicher Unterschied und ein klares Zeichen dafür, dass weder die Erdumlaufbahn noch die des Jupiter exakt kreisförmig sind.

Beobachter müssen schon bis nach Mitternacht aufbleiben, um Jupiter in einer deutlich sichtbaren Höhe zu observieren. Für die abendlichen Beobachtungen am günstigsten sind immer die Nach-Opposition-Erscheinungen des Jupiter, und es wird während der nächsten Monate nicht an Gelegenheiten mangeln, diese Beobachtungen durchführen zu können.

Bis Mitte April hat sich nicht viel geändert; am 15. April hat Jupiter immer noch eine beeindruckende Helligkeit von -2,5 mag. Erst gegen Ende des Monats nimmt die Helligkeit minimal auf -2,4 mag. ab, und der Planet hat zu dieser Zeit eine Größe von 43,6 Bogensekunden im Durchmesser. Der Anblick des Jupiter durch ein Teleskop ist zwar immer ein spektakuläres Ereignis, aber gerade in diesem Monat zeigt sich der Planet für Beobachtungen und Abbildungen von seiner größten und hellsten Seite. Falls Sie Ihre Beobachtungsresultate gerne auch mit anderen Himmelslesern teilen möchten, so würden wir uns freuen, wenn wir diese in den zukünftigen Newslettern veröffentlichen dürften.

Saturn

Saturn ist aktuell resident im Sternbild Schütze (Sagittarius), und wir finden ihn am 1. April bei Sonnenaufgang etwas östlich des Meridian am Himmel, nachdem er knapp 3 ½ Stunden vor der Sonne aufgegangen ist. Mit einer Helligkeit von +0,4 mag ist Saturn ein wenig heller als Antares, der hellste Stern im Sternbild Skorpion (Scorpius), das an das Sternbild Schlangenträger angrenzt; Antares liegt südwestlich des Saturn. Mit einem Durchmesser von 17 Bogensekunden kann Saturn in einem Teleskop mit 30 bis 40facher Vergrößerung als ein beringtes Objekt gesichtet werden.

Wenn die Vergrößerung kleiner ist, dann erkennt man Saturn eher als ein ovalförmiges denn ein kreisförmiges Objekt, und man kann keinen geschlossenen Ring erkennen.

Mit fortschreitendem Monat wird Saturn minimal heller, und er wird größer, je näher wir dem Planeten kommen. Am 15. April leuchtet der Planet mit einer Helligkeit von beständigen +0,3 mag., und sein Durchmesser hat sich nach 17,8 Bogensekunden vergrößert. 

Wir steuern auf die Saturn-Opposition im Juni zu, und der Planet wird in diesem Jahr noch größer und heller werden. Trotz des für Beobachter der nördlichen Hemisphäre enttäuschenden südlichen Standortes des Planeten in der Ekliptik, bleibt der Ringplanet immer ein lohnendes Objekt für die visuelle Beobachtung.

Uranus und Neptun

Uranus befindet sich augenblicklich im Sternbild Fische (Pisces), verbirgt sich jedoch am 14. April, so dass er für den Rest des Monats unsichtbar bleiben wird. Neptun, nach seiner vor knapp einem Monat vollzogenen Oberen Konjunktion, befindet sich im Sternbild Wassermann (Aquarius) und ist eine +8,0 mag. helle Scheibe mit einem Durchmesser von 2,2 Bogensekunden. Da er nur weniger als 40 Minuten vor der Sonne aufgeht, wird es ebenfalls schwierig sein, ihn zu beobachten. Um ehrlich zu sein, ist dies wirklich nicht die beste Zeit für die Beobachtung dieser beiden äußeren Gasriesen. Es wird sich eher lohnen, seine Beobachtungen auf andere Objekte zu konzentrieren. 

Kometen

Der Komet 2P/Encke wird jetzt schwächer und hat seine interessanteste Phase hinter sich. Für Beobachter in den äquatorialen Regionen und der südlichen Hemisphäre ist er jedoch immer noch sehr gut positioniert und somit weiterhin ein lohnenswertes Beobachtungsobjekt. Für Beobachter in den gemäßigten nördlichen Breiten konnte Encke am besten gesehen werden, als der Komet sich auf der Abendseite der Sonne befand. Jetzt ist er am aufgehenden Morgenhimmel im extrem flachen Teil der Ekliptik zu finden, und steht somit viel zu niedrig für eine Beobachtung von den meisten Regionen der nördlichen Hemisphäre.

Der Komet C/2015 ER 61 PanSTARRS (PanSTARRS: Sternwarte auf Hawaii) ist zu dieser Zeit ein morgendliches Objekt im Sternbild Steinbock (Capricornus). Es war bei Erstellen dieses Newsletters noch nicht ganz klar, wie hell er in den nächsten Wochen werden wird, aber es könnte durchaus sein, dass man ihn zum Zeitpunkt der Mai-Sonnenähe (Perihelium) fast mit dem bloßen Auge erkennen kann. Deshalb ist es ab Ende April sehr interessant, den Kometen zu beobachten, sei es mit einem guten Fernglas oder, von einer wirklich dunklen Stelle aus, sogar mit dem bloßen Auge.

Der Komet C/2015 V2 Johnson (Name des Entdeckers, 2015) ist während der nächsten Monate für Beobachter der nördlichen Hemisphäre sehr gut positioniert, und er wird während des Monats April sogar noch heller werden. Der Komet steht im April im Sternbild Hercules und ist für Beobachtungen mit einem guten Teleskop oder sogar mit einem Fernglas vor allem in der zweiten Nachthälfte ein lohnenswertes Beobachtungsobjekt. Im Mai wird der Komet heller, während er rasch durch das Sternbild Bärenhüter (Bootes) nach Süden wandert. Bleiben Sie dran- der Komet könnte für Beobachter noch einige Überraschungen bereithalten.

Der Komet 45/P Honda-Mrkos-Pajdusakova (Name der Entdecker, 1948) hat den Punkt seiner kürzesten Annäherung an die Erde überschritten und wird jetzt wieder blasser während seines Absinkens nach Süden hin zum Korpus des Sternbildes Löwe (Leo). Anfang April befindet er sich in unmittelbarer Nachbarschaft zu dem hellen Stern Algieba (Gamma Leonis); seine beste Beobachtungszeit liegt jedoch hinter ihm. 

Zum guten Schluss haben wir den Kometen 41P/Tuttle-Giacobini-Kresak (von Tuttle 1858 entdeckt; von Giacobini 1907 und von Kresak 1951 wiederentdeckt), der sich im April seinen Weg vom Sternbild des Drachen (Draco) hin zum Sternbild Hercules bahnt. Der Komet beginnt den April als ein +6,7 mag. helles Objekt, das sich knapp über 2 ½ Grad westlich des Sternensystems Thuban (Alpha Draconis) im Sternbild des Drachen befindet. Bei fortschreitendem Monat wird der Komet ein wenig heller, möglicherweise sogar bis an die theoretische Grenze der Sichtbarkeit mit dem bloßen Auge; das Objekt wäre in diesem Falle allerdings ohne Ferngläser kaum zu entdecken. Mitte April wird der Komet blasser, während er von uns zurückweicht, aber für viele Beobachter in der nördlichen Hemisphäre wird er noch für einige Zeit nachts zu sehen sein. Ende April befindet sich der Komet knapp unter 5 Grad westlich des Sterns Vega an der Grenze der Sternbilder Hercules und Leier (Lyra), wobei zu diesem Zeitpunkt seine Helligkeit auf ungefähr +7,7 mag. abgesunken ist. 

Die Highlights der Deep Sky-Beobachtung

Die Saison der Galaxien wird mit der Ursa-Major-Gruppe (Bärengruppe) und dem Sternbild Jagdhunde (Canes Venatici) fortgeführt

Der Frühling wird traditionell als Saison der Galaxien angesehen, und nachdem wir im März das Galaxien-beladene Sternbild Löwe (Leo) und dessen umliegende Konstellationen abgedeckt haben, konzentrieren wir uns jetzt auf die reich beladenen Himmelsgefilde, die uns von Offenen Sternenhaufen der Bärengruppe (Ursa-Major-Gruppe) durch das Sternbild Jagdhunde (Canes Venatici) nach Norden führen. Im nächsten Monat kommt noch das Sternbild Jungfrau (Virgo) und seine angrenzenden Konstellationen mit hinzu. Diese große Himmelsregion ist weit genug entfernt vom Gebiet der Milchstraßen-Achse und ist ein Haupt-"Fenster" für unsere Sicht auf den außer-galaktischen Weltraum. Wir werden einen 90 Grad Bogen schlagen von den Spiralgalaxien M81 und M82 im Norden der Bärengruppe hin zu M104, der Sombrero-Spiralgalaxie im Süden des Sternbildes Jungfrau, und dieser Bogen ist voll von leicht aufzufindenden und zu beobachtenden Galaxien.

Wir beginnen unsere Beobachtung im weit entfernten nördlichen Teil dieses Bogens (mit einer angemessenen Entschuldigung für unsere Himmelsleser in der südlichen Hemisphäre), mit dem großen und beeindruckenden Sternbild des Großen Bären (Ursa Major).

Während die Welt das Sternbild des Großen Wagens, als Teil des Großen Bären, aufgrund seiner Fragezeichen-Form manchmal als Pflugschar (Plough; in England) oder als Große Schöpfkelle (Big Dipper; in Nordamerika) bezeichnet, so erstreckt sich der Große Bär über eine bedeutend größere Fläche. Als solche ist das Sternbild nach den Sternbildern Wasserschlange (Hydra) und Jungfrau (Virgo) zur Zeit die drittgrößte Konstellation überhaupt.

Das Sternbild des Großen Bären ist voll von Deep Sky-Objekten, und wir beginnen mit einem etwas blasseren Mitglied dieser Gruppe, NGC2685, der Helix-Galaxie. Mit einer Helligkeit von +11,30 mag. und einer Winkelausdehnung von 4,6 x 2,5 Bogenminuten ist die Helix-Galaxie nicht sehr hell oder wirklich groß, aber es lohnt sich trotzdem, sie aufzuspüren. Sie befindet sich im äußersten Westen des Großen Bären, ungefähr 3 ¾ Grad südöstlich des Sterns Muscida, "Hundeschnauze" (Omicron Ursae Majoris), der Stern, welcher die Nase des Großen Bären markiert. NGC2685 ist das, was man eine Polarring-Galaxie bezeichnet, ein merkwürdig aussehendes Gebilde, welches durch eine Kollision 

und / oder einer Wechselwirkung zwischen zwei großen Galaxien entstanden ist. So haben sich große Sternen-Schleifen und Sternen-Ringe gebildet, die sich um das Äußere des zentralen Galaxien-Komplexes gelegt haben. Diese faserartigen Gas- und Sternenmaterial-Strukturen sehen oft äußerst attraktiv aus, und NGC2685 ist das beste Beispiel dafür. Diese Galaxie gehört ebenfalls zum Typus der so genannten Seyfert-Galaxien (nach dem amerikanischen Astronomen Carl Keenan Seyfert, 1911 bis 1960), welche dadurch gekennzeichnet sind, dass sie starke Strahlungen über weite Teile des elektromagnetischen Feldes aussenden, wahrscheinlich das Ergebnis einer Kollision, die daraufhin die äußere helixähnliche (gebogene) Struktur geformt hat. Nur mit wirklich starken Teleskopen sind die feinen Ringstrukturen zu erkennen, die jedoch in der Langzeitfotografie als sehr offensichtlich erscheinen. Es wird angenommen, dass die Helix-Galaxie ungefähr 42 Millionen Lichtjahre von der Erde entfernt ist.

Etwa 12 Grad nordöstlich der Helix-Galaxie liegen zwei der wohl berühmtesten Himmelsobjekte, die eines der beiden großen astronomischen "seltsamen Paare" (odd couple) bilden (über das andere Paar berichten wir später): die Spiralgalaxien M81 und M82. Diese beiden Galaxien liegen nur knapp ½ Grad auseinander, sind jedoch zwei völlig unterschiedlich aussehende Objekte. Die Galaxie M81 ist von den beiden die dominantere Galaxie – eine wundervolle ausladende Spirale, die sich unserer Perspektive in beinahe perfekter Form präsentiert, mit zwei Hauptarmen, die einen großen hellen Kern umfassen. Mit einer Helligkeit von +6,90 mag. und einer Größe von 24,9 x 11,5 Bogenminuten kann M81 mit Teleskopen und Ferngläsern jeder Größe leicht beobachtet werden. Einige eifrige Beobachter berichten, dass es ihnen möglich gewesen ist, unter perfekten Beobachtungsbedingungen die Galaxie sogar mit bloßem Auge gesehen zu haben. Wenn dies wirklich stimmen sollte, dann ist M81 das mit 12 Millionen Lichtjahre am weitesten entfernte Objekt, das je ohne Hilfsmittel mit bloßem Auge gesehen worden ist. Die M81-Galaxiengruppe wird als eine der nächsten Nachbarn unserer eigenen lokalen Gruppe angesehen. Es ist in der Tat so, dass etliche Quellen vorschlagen, dass unsere eigene lokale Galaxiengruppe und die M81-Gruppe als ein größeres zusammenhängendes Kollektiv angesehen werden sollte, da es Beweise gibt, die auf eine gravitative Wechselwirkung zwischen den beiden Galaxiengruppen hinweisen.

M81 wurde Ende 1774 von dem deutschen Astronomen Johann Elert Bode entdeckt, zusammen mit der benachbarten Spiralgalaxie M82. Von daher werden beide Objekte des öfteren auch, vewirrenderweise, als "Bodes Nebel" bezeichnet. Der französische Astronom Pierre Méchain entdeckte die Galaxie 1779, unabhängig von Bode, und Messier fügte sowohl M81 als auch M82 zwei Jahre später seinem Katalog hinzu. In einem Teleskop mit einer Öffnung von 8 Zoll und größer offenbart sich die wahre Beschaffenheit der Spirale von M81 – sie ist tatsächlich eine der wenigen Spiralen, die mit Hilfe dieser Blendengrößen einen wirklichen Nachweis ihrer Spiralform zuläßt. In Langzeitfotografien kann man M81 praktisch aus der Dunkelheit hervorspringen sehen; dieser Anblick sowie die gemeinsame Nähe zur Nachbargalaxie M82 machen deutlich, warum diese beiden Objekte zu den meist fotografierten Objekten am Himmel zählen.

M81 und M82

M81 und M82. Bildrechte: Mark Blundell

Im Gegensatz zu M81 ist die Galaxie M82 ein sehr ungewöhnliches Objekt; sie ist auch bekannt unter dem Namen "Zigarrengalaxie" (aus ganz offensichtlichen Gründen). Mit einer Helligkeit von +8,39 mag. ist diese Galaxie nicht nur etwas blasser als M81, sondern mit einer Fläche von 11,2 x 4,3 Bogenminuten auch beträchtlich kleiner. Daraus folgt, dass die Oberflächen-Helligkeit von M82 der von M81 nicht unähnlich ist. Es wird angenommen, dass die Spiralstruktur von M82 durch eine Wechselwirkung mit M81 in ihrer regulären Ausformung behindert und dadurch etwas deformiert worden ist, was sich in einer Zweiteilung durch eine tiefe rote Spur schwerer sternenbildender Materie zeigt. Diese Halbierung ist mit Teleskopen deutlich zu sehen und wird auch mit bescheideneren Belichtungszeiten äußerst eindrucksvoll enthüllt. Dieses Gebiet wirkt in Bildern beinahe organisch mit seinen federartigen, wurzelgleichen Strukturen, die in beide Richtungen senkrecht zur Galaxieebene ausströmen. Die Kraft hinter dieser Struktur scheinen Supernovae (Supernovas) zu sein, von denen angenommen wird, dass sie in der M82-Galaxie mit beinahe metronomischer Regelmäßigkeit erfolgt sind - Schätzungen gehen von einer Supernova pro Dekade aus, obwohl nicht alle Supernovae direkt beobachtet werden konnten. Die letzte Supernova in M82, ein Ereignis des Typs Ia, wurde im Januar 2014 beobachtet, mit einer Helligkeit von +8,0 mag. Sie war damit die naheste und hellste beobachtete Supernova seit der LMC-Supernova 1987 (LMC = Large Magellanic Cloud; Große Magellansche Wolken).

Zusätzlich zu M81 und M82 gibt es noch die kleinere, abgelegene Galaxie NGC3077, welche mit einer Größe von 5,2 x 4,7 Bogenminuten und einer Helligkeit von +9,89 mag. eine Art gleichseitiges Dreieck mit seinen dominanteren Nachbarn formt. Die Beobachtung dieser so genannten "irregulären Galaxie", die 1801 vom deutsch-britischen Astronomen William Herschel entdeckt wurde, ist schwierig und sollte deshalb besser per fotografischer Abbildung erfolgen.

Für die Beobachtung dieser Galaxien genügen im Allgemeinen Ferngläser und ein akzeptabler Himmel; über die Schönheit von M81 und die geheimnisvolle Beschaffenheit von M82 kann man sich allerdings am besten freuen, wenn man ein ausreichend großes Teleskop benutzt.

Der eigentümliche Coddington Nebel, IC2574, eine Balkenspiralgalaxie, liegt rund 3 Grad östlich der Galaxien M81 und M82 in Richtung des Sterns Dubhe, wie der Stern Alpha Ursae Majoris genannt wird (von arabisch "dubb", Bär). Die Galaxie IC2574 ist ebenfalls ein entlegenes Mitglied der M81 Galaxiengruppe. Mit einer Helligkeit von +10,39 mag. und einer Größe von 13,2 x 5,4 Bogenminuten ist ihre Oberflächen-Helligkeit doch sehr niedrig und bei weitem nicht so auffällig wie die ihrer Nachbar-Galaxien. Folgerichtig wurde die Galaxie einfach übersehen, bis der amerikanische Astronom Edwin Foster Coddington sie 1898 entdeckte.

Wir folgen Dubhe hinunter zur "Löffelschale" der Großen Schöpfkelle (Big Dipper) und zum Stern Merak bzw. Beta Ursae Majoris. Eineinhalb Grad östlich von Merak liegt ein weiteres "seltsames 

Paar": die Spiralgalaxie M108 und der planetarische Nebel M97, auch bekannt als der Eulennebel. Beide Objekte wurden in den frühen 1780er Jahren durch Pierre Méchain entdeckt, wobei M108 allerdings erst in den 1950er Jahren dem Messier-Katalog offiziell hinzugefügt wurde. M108 ist eine schöne Spiralgalaxie, die sich beinahe hochkant zeigt und die in ihrer Beschaffenheit eine ausgeprägte Fleckzeichnung aufweist. Mit einer Helligkeit von +10,0 mag. und einer Größe von 8,6 x 2,4 Bogenminuten kann man M108 ziemlich leicht auch mit kleineren Teleskopen sehen, und mit einem UHC-Filter oder mit größeren Teleskopen kann man auch die bemerkenswerten H II-Nebelgebiete erkennen. Diese Galaxie wird als ein entlegenes Mitglied der M81-Galaxiengruppe zugerechnet, und sie liegt ungefähr 35 Millionen Lichtjahre von uns entfernt.

Der Planetarische Nebel M97, oder auch Eulennebel, ist von uns nur 1900 Lichtjahre entfernt und ist Teil unseres Milchstraßensystems - seine Verbindung zu seinem Nachbarn besteht nur in dem Fall einer zufälligen Sichtlinie und hat ansonsten keine andere Bedeutung. Anders als bei der M108-Galaxie, wurde der Eulennebel 1781 von Anfang an dem Messier-Katalog hinzugefügt. Wenn man den Eulennebel mit einem ausreichend großen Teleskop beobachtet, am besten noch zusätzlich mit einem OIII-Filter, dann kann man den Grund für seinen Spitznamen klar erkennen. Dieser Planetarische Nebel zeigt zwei deutliche schwarze "Augen", wie in einem Eulengesicht, das die kosmische Dunkelheit durchdringt. Diese Augen sind ganz einfach nur Bereiche in der ringförmigen Struktur des Nebels, wo es Gasleerräume gibt. Dies sind durchaus übliche Eigenschaften von vielen Planetarischen Nebeln; weniger Materie in diesen Bereichen führt zu einem niedrigeren Kontrastbereich. Der Eulennebel hat einen zentralen Stern, der jedoch mit kleineren Teleskopen schwer zu erkennen ist.

Verständlicherweise ist dieses reizvolle Pärchen, genau wie die Objekte M81 und M82, ein beständiges Zielobjekt für Astrofotografen.

Wenn wir uns weiter östwärts an der Löffelschale der Großen Schöpfkelle bzw. dem Pflugschar entlang bewegen, dann kommen wir zum Stern Phecda bzw. Gamma Ursae Majoris. Weitere 38 Bogenminuten östlich von Phecda liegt die phantastische Balkenspiralgalaxie M109. Wie auch bei der M108-Galaxie, so wurde M109 erst zu einem späteren Zeitpunkt in den Messier-Katalog mit aufgenommen, obwohl sie bereits 1781 von Pierre Méchain entdeckt wurde. M109 ist ein +9,80 mag. helles und 7,5 x 4,4 Bogensekunden großes Objekt und wird als eine der schönsten Balkenspiralgalaxien am gesamten Himmel angesehen. Man kann sie bei guten Beobachtungsbedingungen mit einem Fernglas erkennen, aber nur größere Teleskope bezeugen ihre Spiralarme und den zentral gelegenen Balken. M109 hat drei Hauptarme, welche bei stärkerer Vergrößerung in großen Teleskopen ersichtlich werden, obwohl sie zunächst unkorrekterweise durch den großen Sir William Herschel zu einem Planetarischen Nebel erniedrigt wurden. Bei niedrigerer Vergrößerung sieht M109 auch deutlich eiförmig aus, was den Fehler des großen Astronomen erklären könnte. Die Balkenspiralgalaxie liegt ungefähr 75 Millionen Lichtjahre von uns entfernt und ist das prominenteste Mitglied der größeren Bärengruppen-Galaxien, welche sich von der nähergelegenen M81-Galaxiengruppe deutlich unterscheiden.

Von M109 reisen wir nun die Löffelschale der Großen Schöpfkelle hinauf und am Griff entlang, und wir passieren dabei die Sterne Megrez, Alioth, und den Doppelstern Mizar und Alcor. Wenn wir die Linie nun weiterziehen von Alioth durch Mizar, hin zu dem Punkt, an welchem diese gedachte Linie halbiert wird von einer senkrechten Linie, die vom letzten Stern im Schöpfkellengriff, Alkiad, nordwärts führt, dann kommen wir an den Ort der letzten Galaxie der Bärengruppe, die wir in diesem Monat vorstellen: 

die "face-on" (soviel wie: Draufsicht, oder von oben; die Galaxie hat nur eine geringe Schräglage) Spiralgalaxie M101. 

M101 ist eine sehr große Galaxie, welche eine Fläche von 28,8 x 26,9 Bogenminuten abdeckt, viel größer noch als sogar M81. Obwohl ihre Helligkeit mit ungefähr +7,9 mag. angegeben ist, so führt ihre "Draufsicht"-Lage zu einer allgemein geringeren Flächenhelligkeit und so zu einem schwierig zu beobachtenden Objekt. Die Galaxie wurde von Pierre Méchain 1781 entdeckt und ist eines der letzten originären Messier-Objekte, die von Messier noch in dem selben Jahr seinem Katalog hinzugefügt wurden. In der darauffolgenden Zwischenzeit haben viele Astronomen die Spiralgalaxie studiert, aber es war dem irischen Astronomen William Parsons, Lord of Rosse, 1851 vorbehalten, mit einem 72-Zoll Riesenteleskop (Spitzname: Leviathan of Parsonstown; von ihm selbst gebaut) die eigentliche Spiralbeschaffenheit von M101 zu enthüllen. Einige Beobachter behaupten zwar, dass sie erste Hinweise auf die Spiralbeschaffenheit von M101 mit wesentlich kleineren Instrumenten, u. a. mit Öffnungen von um die 4 Zoll, gesehen haben wollen, aber dafür bräuchte man Ausnahme-Beobachtungsbedingungen - oder aber größere Teleskope. Größere Teleskope, in Verbindung mit UHC- oder ähnlichen Wasserstoff-durchlässige Filtern, ermöglichen die Sicht auf die bemerkenswert ergiebigen HII-Gebiete von M101, in welchen die Sternenbildung weit verbreitet ist. Tatsächlich ist die Galaxie M101 so etwas wie ein Monster, was ihre Größe angeht, denn es wird angenommen, dass sie den doppelten Durchmesser unserer Milchstraße hat. Sie liegt ungefähr 22 Millionen Lichtjahre von uns entfernt.

Etwas ungewöhnlich ist es schon, dass sich M101 ihren Spitznamen "Das Windrad", oder auch "Das Feuerrad" (the pinwheel) mit noch zwei anderen Galaxien teilt: mit der Dreiecksgalaxie (auch Triangulumnebel genannt) M33 sowie der Spiralgalaxie M99 im Sternbild "Haar der Berenike (lat. Coma Berenices). M101 trägt jedenfalls diesen treffenden Spitznamen zu Recht.

Vom Sternbild des Großen Bären tauchen wir in südlicher Richtung ein in das benachbarte Sternbild Jagdhunde (Canes Venatici). Während der Große Bär eine riesige Konstellation mit bekannten Sternen ist, verhält es sich beim Sternbild Jagdhunde genau andersherum - aber was hier an hellen Sternen fehlt, gleicht die große Anzahl an Galaxien wieder aus!

Die erste und bekannteste all dieser Galaxien ist die bemerkenswerte Spiralgalaxie M51 - die Whirlpool-Galaxie (auch Strudelgalaxie genannt). Diese Galaxie ist möglicherweise das Urbild einer "face-on"-Spiralgalaxie. Während M101 sehr groß und relativ blass ist, ist M51 mit +8,39 mag. und einer Fläche von 11,2 x 6,9 Bogenminuten kompakter und etwas heller und hat somit auch eine höhere Flächenhelligkeit. Die Galaxie hat zwei wuchtige Spiralarme, die ineinander verwoben sind. An der Spitze des nördlichen Spiralarms befindet sich die nahe Begleitgalaxie NGC5195, mit der sich M51 in Wechselwirkung befindet. 

M51 ist ein echtes Messier-Objekt, welches von ihm 1773 entdeckt wurde; Pierre Méchain hat später dann, 1781, NGC5195 entdeckt. Lord Rosse machte dann 1845 sein berühmtes Schaubild von M51 mittels seines 72-Zoll-Teleskopes, welches ganz deutlich die Spiralarme von M51 sowie ihren Begleiter zeigen. Es ist dieses Schaubild, welches den Spitznamen "Rosses Fragezeichen" hervorbrachte - aus offensichtlichem Grund.

Obwohl M51 mittels eines Fernglases relativ einfach zu finden ist, so setzt dies allerdings einen ganz dunklen Himmel voraus. Mit kleineren Teleskopen können bereits der Kern von M51 sowie erste Hinweise auf einen ihn umgebenden Lichthof erkannt werden. Wenn jedoch erst einmal die 12-Zoll-Öffnungsgrenze überschritten ist, dann kommt man schon ins Innere von M51. Diese oder eine noch höhere Öffnung zeigen die Whirlpool-Galaxie in ihrer ganzen Herrlichkeit - und so bemerkenswerte Merkmale wie die Brücke zwischen M51 und NGC5195 und die zahlreichen H II-Regionen von M51 ragen dabei heraus. Aber erst durch die Langzeitfotografie enthüllt M51 wirklich all ihre Besonderheiten - und bleibt in dieser Hinsicht eine beständige Quelle der Inspiration für alle Astrofotografen.

Es wird angenommen, dass M51 eine ähnliche Größe hat wie unsere Galaxie und wie M31, die Andromeda Galaxie. M51 liegt ungefähr 27 Millionen Lichtjahre von uns entfernt.

Knapp unter 40 Bogenminuten südlich von M51 liegt die Elliptische Galaxie NGC5173, auch bekannt als Southern Integral Sign-Galaxie. Bei einer Helligkeit von +12,19 mag. ist die Galaxie mit 1 x 0,9 Bogensekunden relativ kompakt und so mit kleineren Teleskopen ziemlich gut zu sehen, allerdings auch ziemlich ausdruckslos und nichtssagend im Vergleich zu vielen anderen Spiralgalaxien, die sie umgeben. 

Knapp unter 6 Grad südlich von M51 liegt die schöne Spiralgalaxie M63, auch genannt die Sonnenblumen-Galaxie. Das ist ein wirklich herrliches Objekt - eine dichtgepackte Spirale mit einem hellen Kern und blasseren, abgelegenen Spiralarmen. Mittels der Langzeitfotografie erkennt man ganz deutlich die blumenähnliche Beschaffenheit der Galaxie.

Die Sonnenblumen-Galaxie steht im Ruf, die erste Entdeckung von Pierre Méchain zu sein - der Partner von Charles Messier und Hauptbeitragender zu dessen Katalog. Bei einer Helligkeit von 8,6 mag. und einer Größe von 12,6 x 7,2 Bogenminuten stellt M63 ein unkompliziertes Objekt in den meisten kleineren Teleskopen dar, wobei allerdings nur in größeren Teleskopen die Spiralstruktur zu erkennen ist. Diese Tatsache wurde während der 1840er Jahre zuerst von Lord Rosse aufgezeichnet, als er seine Untersuchungen zu den Spiralnebeln durchführte. 

Man schätzt, dass M63 ungefähr 34 Millionen Lichtjahre von uns entfernt liegt und Teil einer Gruppe von Galaxien in diesem Teil des Himmels ist, in dem die Galaxie M51 das gravitativ vorherrschende Mitglied ist.

4 3/4 Grad westlich von M63 befindet sich die ganz eigenständige Galaxie M94, eine weitere Entdeckung von Pierre Méchain aus dem Jahre 1781, welche dem Messier-Katalog noch im selben Jahr hinzugefügt wurde. M94 ist, wie ihre Hauptnachbarn auch, eine Spiralgalaxie, wenn auch eine ziemlich ungewöhnliche. Mit einer Helligkeit von +8,19 mag. und einer Fläche von 14,1 x 12,1 Bogenminuten liegt M95 nur halb so weit von uns entfernt - 14 Millionen Lichtjahre - wie M51 oder M63. Ihre Struktur ist bemerkenswert - ein dichter, kompakter und sehr heller Spiralkern, der von zwei konzentrisch angeordneten blasseren Sternenringen umschlossen wird. Aufgrund dieser Struktur verdankt die Galaxie in einigen Kreisen ihren Spitznamen: Katzenaugen-Galaxie (Cat's Eye Galaxy).

Diese Andeutung der Spiralstruktur kann man selbst in kleineren Teleskopen beobachten, wobei man allerdings Instrumente mit einer 8-Zoll-Öffnung und mehr benötigt, um die äußeren Ringe erkennen zu können. Man kann M94 zwar auch mit einem Fernglas finden, vorausgesetzt, dass die Himmelskonditionen mitspielen, aber wenn man mehr sehen will als einen blassen Klecks, dann sollte man zum Teleskop greifen. Mit Hilfe der Fotografie zeigt M94 beträchtliche Details, besonders von den äußeren Sternenringen.

Knapp über 5 1/2 Grad weiter südlich von M93 liegt NGC5005, eine weitere Spiralgalaxie. Bei einer Helligkeit von +9,80 mag. und einer Fläche von 5,8 x 2,9 Bogensekunden hat dieses Objekt einen wirklich hellen Kern, der von dunkleren, beinahe rußig aussehenden äußeren Armen umschlossen wird. In großen Teleskopen enthüllt sich der ausdehnende Aspekt von NGC5005, der sich allerdings in kleineren Instrumenten oder Ferngläsern leider nicht zeigt.

Unter 7 1/2 Grad südwestlich von NGC5005 liegt die etwas leichter zu beobachtende Galaxie NGC4631, auf bekannt als die Walgalaxie (Whale Galaxy). Diese +9,19 mag. helle, hochkant stehende Spiralgalaxie ähnelt auch wirklich einem galaktischen Wal, der durch den Kosmos schwimmt. Bei einer Länge von 15,2 Bogenminuten und gerade einmal 2,8 Bogenminuten in der Breite, hat der "Wal" eine ziemlich hohe Flächen-Helligkeit und ist deshalb auch ein relativ leicht zu beobachtendes Objekt in den meisten großen Ferngläsern und kleineren Teleskopen. Eine Begleitgalaxie, die Balkenspiralgalaxie NGC4657, liegt nördlich der Walgalaxie. Man nimmt an, dass diese Galaxie für einige der Struktur-Verlängerungen der größeren Nachbargalaxie verantwortlich ist. Beide Objekte liegen ungefähr 25 Millionen Lichtjahre von uns entfernt und wurden 1787 von Sir William Herschel entdeckt. Südwestlich der Walgalaxie, ungefähr 1/2 Grad entfernt, liegt eine weitere Spiralgalaxie, NGC4656, die auch als der "Hockey-Stock" bekannt ist. Fotografische Beweise belegen auch warum sie so heißt, denn eine Kante von NGC4656 wirkt gebogen, eben wie ein Hockey-Stock. Genau wie NGC4631 auch, wurde der "Hockey-Stock" 1787 von Sir William Herschel entdeckt, obgleich sie mit 30 Millionen Lichtjahren ein wenig weiter von uns entfernt ist als ihre Nachbar-Galaxie.

Unter 8 Grad nordwestlich der Walgalaxie liegt die, oberflächlich betrachtet, sehr ähnliche Galaxie NGC4244, die "Silbernadel-Galaxie" (Silver Needle Galaxy). Dies ist eine weitere Spiralgalaxie, die, aus unserer Perspektive gesehen, hochkant steht. Obwohl sie mit +10,6 mag. ein wenig blasser als ihre Nachbargalaxie ist, so lohnt es sich doch, sie sich näher anzuschauen. Mit einer Fläche von 16,6 x 1,9 Bogenminuten hat die Silbernadel-Galaxie eine etwas niedrigere Flächen-Helligkeit als die Walgalaxie, ist aber in größeren Teleskopen immer noch ein beeindruckendes Zielobjekt. Obwohl man es von unserem Beobachtungsstandort nicht leicht erkennen kann, so wird doch angenommen, dass NGC4244 im Aufbau eine Balkenspirale mit zwei ausladenden Armen ist. Unterschiedliche Quellen bewerten die Entfernung dieser Galaxie zu uns zwischen 14 Millionen Lichtjahren und 6,5 Millionen Lichtjahren. Falls die letzte Angabe näher an der Wahrheit liegen sollte, dann ist NGC4244 möglicherweise ein entlegenes Mitglied unserer eigenen lokalen Galaxiengruppe und würde dann nicht der Familie der Jagdhunde-Galaxien angehören.

NGC4244

NGC4244, Hubble Space Telescope. Bildrechte: NASA/ESA, Public Domain/Creative Commons

4 1/2 Grad nordöstlich von NGC4244 liegt ein wechselwirkendes Galaxienpaar, NGC4485 und 4490, auch bekannt als Kokon. Diese 6,4 x 3,2 Bogenminuten großen Objekte haben eine kumulative Helligkeit von +9,80 mag. und haben eine katastrophale gegenseitige Wechselwirkung durchmachen müssen, in etwa in der Größenordnung, die vermutlich auch unsere Milchstraße und M31 in der Zukunft erleben werden. Obwohl sich beide Galaxien jetzt voneinander wegbewegen, so bleiben doch erhebliche Überreste spiraler Strukturen in Form von massiven Sternenbögen und Materie, die sich über eine Strecke von 24000 Lichtjahren zwischen beiden Objekten ausdehnen. Diese augenscheinlich zerstörerische Wechselwirkung hat, wie es in diesen Fällen oft geschieht, eine riesige Anzahl von Sternenbildungen in diesen Gefilden entzündet. Beide Galaxien - oder was von ihnen noch übrig ist - liegen schätzungsweise zwischen 31 und 50 Millionen Lichtjahre von uns entfernt.

2 1/2 Grad nördlich des "Kokon" liegt die Galaxie NGC4449. Diese Galaxie ist so etwas wie eine Rarität in diesem Teil des Himmel, denn ihre Struktur ist eher von irregulärer Art als von spiralerförmiger Art. NGC4449 wurde 1788 von Sir William Herschel entdeckt, und sie ist +9,6 mag. hell und 6,4 x 4,4 Bogenminuten groß. NGC4449 ähnelt von der Fläche her der größeren unserer beiden Begleitgalaxien, nämlich der Großen Magellanschen Wolke, auch LMC genannt, obgleich radiospektrale Untersuchungen dieser kleinen Galaxien aufgezeigt haben, dass der sichtbare Teil dieser Zwergengalaxie in einem riesigen gasförmigen Halo von fast 200000 Lichtjahren Durchmesser eingebettet ist (das ist der ca. 14-fache Durchmesser der Galaxie). NGC4449 kann mit größeren Teleskopen leicht gefunden werden, und mit ausreichender Öffnung kann auch die beeindruckende Fleckzeichnung ihrer H II-Gebiete wahrgenommen werden. Zugegebenermaßen fehlt jedoch dieser Galaxie etwas vom "Glamour" seiner Nachbargalaxien.

Knapp über 3 1/2 Grad nördlich von NGC4449 liegt die letzte Galaxie unserer epischen Spritztour durch diesen Teil des Himmels - M106. Diese +8,39 mag. helle Spiralgalaxie wurde 1781 von Pierre Méchain entdeckt, aber damals noch nicht dem Messier-Katalog hinzugefügt. M106 ist, wie vorher schon bei anderen Galaxien beschrieben, eine erst im 20. Jahrhundert getätigte Eintragung in die Original-Liste. M106 ist eine sehr schöne Galaxie - von unserer Perspektive aus gesehen stellt sie sich sehr anschaulich dar und ist hell genug, um sie auch mit kleineren Teleskopen beobachten zu können. Allerdings enthüllt erst ein 12-Zoll-+-Teleskop die beiden gewaltigen verbundenen Spiralstrukturen der Spiralarme sowie die dunkle Materie, die zwischen ihnen liegt. Mit einer Größe von 18,6 x 7,2 Bogenminuten liegt M106 in einem durchaus akzeptablen Bereich für eine Galaxie - größer als M51, und sie sollte damit möglicherweise ein wenig mehr Beachtung finden, als man es bisher getan hat.

Vielen Dank an Kerin Smith für den Originaltext.

Klicken Sie hier, um Google Analytics zu deaktivieren.